Russland

Tschetschenien kommt nicht zur Ruhe

2. September 2011, 10:33
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    foto: apa/yuri kochetkov

    2004 stürmen tschetschenische Terroristen eine Schule in der nordkaukasischen Stadt Beslan und nehmen hunderte Kinder als Geiseln. Beim Versuch die Geiseln zu befreien, werden über 300 Menschen getötet.

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    Seit dem Ende der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre kommt die Region nicht zur Ruhe.

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    foto: apa/maxim shipenkov

    2010 sprengen sich zwei tschetschenische Selbstmordattentäterinnen in der Moskauer U-Bahn in die Luft. Die traurige Bilanz: 41 Tote und zahlreiche Verletzte.

Neun Tote bei Selbstmordanschlag in Grosny - drei Jahre nach Kriegsende noch immer kein Frieden in Sicht

Bei den folgenschwersten Selbstmordanschlägen in der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus in diesem Jahr sind mindestens neun Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Drei Männer sprengten sich in der schwerbewachten Hauptstadt Grosny in die Luft, als mehrere Polizisten sie kontrollieren wollten. Zwei der Attentäter konnten bereits identifiziert werden. Es handelt sich um Tschetschenen. 

Die kleine russische Teilrepublik war in den letzten zwanzig Jahren immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 von Präsident Dudajew als unabhängige Republik ausgerufen, gestaltete sich die jüngere Geschichte Tschetscheniens alles andere als friedlich.

Fast 20 Jahre Krieg

Weder Michail Gorbatschow noch dessen Nachfolger Boris Jelzin erkennen die Unabhängigkeit der Kaukasusrepublik Anfang der 1990er Jahre an. Tschetschenien bleibt formell weiterhin Teil Russlands. Die angespannte Situation eskaliert im Dezember 1994, als russische Truppen in Tschetschenien einmarschieren. Aus dem geplanten Tagekrieg wird ein monatelanger, erbitterter Kampf um die Vorherrschaft in Tschetschenien. Erst im Frühjahr 1995 können die russischen Truppen die Hauptstadt Grosny einnehmen. Die tschetschenischen Rebellen verschanzen sich im Gebirge und führen von da aus einen Guerilla-Krieg gegen die russischen Besatzer. Als die Tschetschenen im August 1996 binnen weniger Tage Grosny zurückerobern, dauert der Krieg schon zwei Jahre. Es kommt zu Friedensverhandlungen, die aber - anders als in den Jahren zuvor - fruchten. Im Jänner 1997 ziehen die letzten russischen Truppen aus Tschetschenien ab. Im Mai wird von Boris Jelzin und dem neuen tschetschenischen Präsidenten ein formeller Friedensvertrag unterzeichnet. 

Doch der Frieden währt nur kurz, denn Tschetschenien bleibt weiterhin Teil Russlands. Die kleine russische Teilrepublik schlägt einen anderen Weg ein, als sich der große Bruder wünscht. Dem Druck islamistischer Kräfte ist Präsident Aslan Maschadow nicht gewachsen. Statt demokratische Strukturen auszubauen, entwickelt sich die kleine Kaukasusrepublik immer mehr zu einem Sammelbecken für mafiaähnliche Vereinigungen. 1997 führt Maschadow die Scharia ein. Als im August 1999 islamistische Rebellen das Nachbarland Dagestan angreifen, reagiert Russland mit dem Einmarsch des Militärs. Der zweite Tschetschenienkrieg hat begonnen.
Insgesamt sterben in den beiden Kriegen Schätzungen zufolge bis zu 250.000 Menschen. Daneben finden immer wieder Terroranschläge statt. Die von islamistischen Rebellen durchgeführten Geiselnahmen im Dubrowka-Theater in Moskau im Jahr 2002 und in einer Schule in der nordkaukasischen Stadt Beslan enden blutig. Bei der Erstürmung der Gebäude durch russische Truppen sterben insgesamt über 400 Menschen.

Der Krieg ist zu Ende, der Terror geht weiter

2009 erklärt Präsident Medwedew den Krieg offiziell für beendet. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow genießt das Vertrauen der russischen Führung. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2007 hat Kadyrow die russische Teilrepublik mit Moskaus Milliardenerlösen aus Öl- und Gasgeschäften nach den zwei Kriegen überraschend schnell wieder aufbauen lassen. Die tschetschenische Bevölkerung zeigt sich mit billigen Wohnmöglichkeiten und ausreichend Lebensmitteln zufrieden. "Solange ich Tee und Brot und ein Dach über dem Kopf habe, hören Sie von mir bestimmt keine Klagen", sagt eine Marktfrau in Grosny im Jahr 2009. Doch mit der Stabilität kommt auch die Angst. Kadyrow führt das Land mit eiserner Faust. Menschenrechtsverletzungen stehen an der Tagesordnung. Obwohl Kadyrow 2009 betont, dass der Terror zu Ende sei, da „die illegalen bewaffneten Gruppierungen und ihre Anführer [...] entweder vernichtet oder verhaftet und zur gerichtlichen Verantwortung gezogen" wurden, erfüllt sich der Traum einer friedlichen Zukunft für Tschetschenien auch nach dem offiziellen Kriegsende nicht.

In den darauffolgenden Jahren kommt es immer wieder zu Terroranschlägen in Russland. Im November 2009 sterben etwa 28 Menschen bei einem Anschlag auf den Newsky-Express, knapp 100 Passagiere werden verletzt. 2010 sprengen sich zwei tschetschenische Selbstmordattentäterinnen in der Moskauer U-Bahn in die Luft, 41 Todesopfer und zahlreiche Verletzte sind zu beklagen. Als im Jänner 2011 am Moskauer Flughafen 37 Menschen sterben, gehen die Ermittler ebenfalls von einer tschetschenischen Selbstmordattentäterin aus. Die sogenannten „Schwarzen Witwen" handeln im Auftrag von Extremisten. Sie sind meist in schwarz gekleidet und versuchen sich für den Tod ihrer Männer, Brüder oder Söhne in den beiden Tschetschenienkriegen zu rächen. Die russische Führung reagiert mit militärischen Gegenschlägen, die immer wieder Tote auf beiden Seiten fordern. Auch der jüngste Anschlag in der Hauptstadt Grosny ist - wie viele davor - dem tschetschenischen Rebellenchef Doku Umarow zuzurechnen. Umarow, der sich selbst zum Führer eines "Emirats des Kaukasus" ernannt hat, kämpft für eine islamistische Herrschaft im gesamten Kaukasus-Gebiet. Er ist der meistgesuchte Islamist in Russland. (elin/APA, derstandard.at, 1. September 2011)

Red Core
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wen putin in russland wieder präsident wird versetzt er den tschetschenen den endgültigen todesstoß da sind sich viele in russland sicher.

Joseph EU
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11.1.2012, 23:35
und das finden sie geil.....

ja die pösen Tschetschenen, Balten etc...die nicht unter russischer Fuchtel glücklich werden wollen....Imperialismusknecht geh doch rüber !

A.B. Artig1
32

Und alle, die dorthin zurückgeschoben werden, werden in ein mitnichten sicheres Land gebracht!!!!

carl guggelhupf
11
Aaha!

Das war also die Bedingung Russlands für das Anerkennen der Libyschen Rebellen als Regierung: Nochmal richtig reinhauen in Tschetschenien.

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