Geliebte Todsünde

Leserkommentar15. Oktober 2012, 15:04
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Eine Kritik samt Alternativvorschlag zu den politisierenden Vereinnahmungsversuchen von

 

In dem Kommentar kritisiere ich (in Anlehnung an "Kultur der Ambiguität" von Thomas Bauer) die politisierenden
Vereinnahmungsversuche (in concreto des Herrn Kilic) durch einzelne Personen und Gruppen und biete eine mögliche Alternative an.

Herr Kilic brandmarkt in seinem Gastkommentar mehrmals den so genannten „politischen Islam" und verweist auch in diesem Zusammenhang auf den IGGIÖ Präsidenten Sanac. Und auch wenn er sich unsachliche Momente in seinem Kommentar nicht verkneifen hat können, was eingedenk der Bedeutung des Themas sehr wichtig gewesen wäre, gebe ich dem Herrn in der Sache recht: Es gibt politisierende Personen und Gruppierungen, die die Religion der Muslime tatsächlich instrumentalisieren.

Doch sind es in diesem Fall nicht oder nicht nur die üblichen Verdächtigen aus dem „konservativen" Eck (eine unschöne Verallgemeinerung), sondern durchaus auch selbst ernannte „Liberale" und sonstige „Zwangsbeglücker" und „-aufklärer", die mit den gleichen Methoden und einem beängstigenden Absolutheitsanspruch antreten wie ihre „konservativen" Widersacher. Immer wieder bricht der (sunnitische) Imam respektive der (alevitische) Dede in Kilic durch und man bekommt plötzlich Dichotomie in Reinkultur zu lesen: Da gäbe es eben den „falschen Islam" und folglich den Kilic'schen Islam und jede freie Wahl wäre somit ja obsolet, da man ja schließlich den guten oder eben richtigen Islam vorzuziehen haben würde. Wer sich an dieser Stelle an die autoritären und eintönigen Interpretationsansätze islamistischer oder eben islamophober Exponenten erinnert, der würde Kilic gewiss Unrecht tun.
„Din ve Devlet" (zu deutsch: Religion und Staat) ist ein beständiges Spannungsverhältnis, egal ob im Osmanischen Reich, der türkischen Republik oder eben der österr. Republik: Vereinnahmungsversuche und Politisierung der Religion waren und sind Aktivposten politisierender Einzelpersonen und Parteien. Und entgegen dem durch Kilic gezeichneten Bild sind es eben nicht nur die wertkonservativen und traditionellen Personen und Gruppen, sondern eben auch die (vermeintlichen) Liberalen und auch schon „Polit-Aleviten". (Leser-Kommentar, Rusen Timur Aksak, derStandard.at, 2.9.2011)

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