Deutschland

Im Test: Bewerberservice in Callcentern

1. September 2011, 13:04
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    foto: apa/uli deck

    Freundlichkeit gegenüber potenziellen Bewerbern in Callcentern: meist Fehlanzeige

Was von Bewerbern erwartet wird, gilt nicht für Arbeitgeber: natürliche Freundlichkeit, Spaß am Telefonieren, Flexibilität, Hilfsbereitschaft

Das Fachmagazin "CallCenterProfi" lässt seit drei Jahren den Bewerberservice der zehn größten deutschen Callcenter von eisq (european institute for sevice quality) testen. Insgesamt beschäftigen die Top Zehn der Branche in Deutschland an die 40.100 Mitarbeiter und glaubt man den Stellenanzeigen in Tageszeitungen, Online-Jobbörsen und in Social Media-Kanälen, ist der Personalbedarf permanent auf einem sehr hohen Niveau. Ganz im Gegensatz zum Bewerbermanagement der Callcenter, denn zum zweiten Mal in Folge sanken die ohnehin schlechten Testergebnisse auf nunmehr 48 Prozent.

"Einwandfreie Deutschkenntnisse, natürliche Freundlichkeit, Spaß am Telefonieren, Flexibilität, Sie helfen gerne" - so lauten die klassischen Formulierungen in den Stellenanzeigen für potenzielle Callcenter-Mitarbeiter. Wer sich dann jedoch selbst in die Bewerberkanäle der Callcenter begibt, merkt schnell: diese Anforderungen gelten nicht für den Arbeitgeber.

"Bewerber-Hotline" mit Hindernissen

Flexibilität? Fehlanzeige! So macht beispielsweise das Recruitment-Team hinter einer explizit als "Bewerber-Hotline" kommunizierten Telefonnummer kollektiv zwischen zwölf und ein Uhr Mittagspause. Die Telefone läuten einfach durch, bis sich ein nicht hilfsbereiter Mitarbeiter "erbarmt" und erklärt: "Rufen Sie bitte später wieder an! ... Ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Ich bin nur rangegangen, weil mich das Klingeln nervt."

Und Freundlichkeit? In den meisten der im Rahmen der Untersuchung geführten Testtelefonate und E-Mails war dies ebenfalls nicht die Stärke der Callcenter. Die zehn Größten in Deutschland erreichen im Schnitt in der Kategorie "Kommunikation" mit dieser genannten Eigenschaft gerade einmal 56 Prozent der möglichen Punkte.

Sofern man überhaupt eine Antwort erhielt - waren die Mails gespickt mit haarsträubenden Fehlern. Zudem hatten die Antworten nur selten etwas mit der eigentlichen Anfrage zu tun und widersprachen in zwei Dritteln aller Fälle den telefonisch erteilten Auskünften zum selben Thema. Konformität sieht anders aus. Einzig der Testsieger "SNT Deutschland" lässt mit 79 Prozent Zielerreichung vermuten, dass es doch Oasen in der Servicewüste Deutschland gibt. (Alexander Jünger*, Bernhard Gandolf*, Magazin CallCenterProfi, 1.9.2011)

Zu den Autoren

Alexander Jünger ist stellvertretender Chefredakteur des Magazins CallCenterProfi, Bernhard Gandolf ist Certified Management Consultant/BDU und Geschäftsführer von eisq

Über den CallCenterProfi Bewerberhotline-Test

Der Test wurde im Juli 2011 durchgeführt. Die zehn mitarbeiterstärksten Callcenter-Dienstleister Deutschlands kontaktierten die Tester mit je 20 E-Mails und 20 Anrufen. Das Zeitfenster lautete montags bis freitags von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Jeder Proband erhielt jeweils 15 Anfragen per E-Mail und Telefon von einem erwerbstätigen Bewerber auf der Suche nach einem Zweitjob. Hinzu kamen je Medium fünf Anfragen, die den Versand von Informationsmaterial zum Ziel hatten:

1.Student bittet um Unterstützung bei einer Seminararbeit und benötigt hierzu schriftliche Unterlagen.
2.Bewerber fragt nach der Möglichkeit des Kennenlernens auf Jobmessen und einer Unternehmensbroschüre für den ersten Eindruck.
3.Student fragt nach Praktikumsplatz, möchte eine Bacherlor-Arbeit schreiben und benötigt eine Unternehmensbroschüre.
4. Arbeitsuchender Bewerber mit Aussicht auf eine von der Arbeitsagentur geförderte IHK-Ausbildung „Call Center-Agent" will sich über das Berufsbild und mögliche Arbeitsplätze informieren und bittet um Unterlagen.
5.Nach einem Umzug sucht einer ausgebildete „Servicefachkraft Dialogmarketing" einen neuen Arbeitgeber und bittet um eine Imagebroschüre.

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21 Postings
OttotheBusdriver
02
...und bittet um eine Imagebroschüre

Vielleicht haben die gemerkt das das nur Tests waren.
Denn wer will schon wirklich eine Imagebroschüre?

Niccolo Machiavelli1
00
Imagebroschüre

hm, halte ich nicht für schlüssig. wenn die these stimmt, dann hätten die sich ja besonders bemühen müssen. wer will schließlich bei einem test extra schlecht abschneiden?

OttotheBusdriver
11
Richtig

Die haben eben NICHT erkannt das es ein Test ist, bzw. war es der handelnden Person egal.
Wahrscheinlich ist das Begehren nach einer Imagebroschüre so ungewöhnlich, das es für einen Scherz gehalten wurde.

Ulrike Reiter
012
Die neue Ehrlichkeit im Callcenter

„Wenn Sie sich hier bewerben, sind Sie sowieso der letzte Dreck und genauso werden wir Sie behandeln. Ach, Sie sind derzeit arbeitslos? Super! Dann arbeiten Sie hier zunächst im Rahmen eines Eingliederungspraktikums, bei dem Sie natürlich nichts verdienen. Anschließend bieten wir Ihnen vielleicht einen Ein-Jahres-Vertrag an. Na, ist das was? Nun freuen Sie sich doch!“

Auszug aus der Stellenanzeigen: Sie unterstützen unsere Kunden im Rahmen des 3rth-Level-Support in Fragen der 3G-Signalisierung. Sie verfügen über ein abgeschlossenes Studium der Nachrichtentechnik, haben mindestens zehn Jahre Berufserfahrung und sprechen neben Deutsch und Englisch Spanisch. Belastbarkeit ist Ihre Stärke.

So zumindest geht das hier in Deutschland.

Le'Mac
00
naja

als 3rd lvl hat man auch mehr mit netzplanung und instandhaltung zu tun... und ab und zu einen call den die 2 lvls unter dir nich lösen konnten...
aber da redest du für gewöhnlich auch nicht mit dem kunden direkt..
und das spanisch ist wichtig da die entwicklungsabteilung deiner soft oder hardware vermutlich in einem spanisch sprechenden land sitzt..

konichiwa
 
00

Indien?

kiwi99
01

Der 3rd level sitzt normalerweise nicht im callcenter, das sind die Entwickler.

Ulrike Reiter
00
3rd level support

Das kommt vielleicht ein wenig auf die Organisation an. Bei uns arbeiten Entwickler auch in der Störungsannahme (drei Schichtenbetrieb), die einem Call-Center gleicht. Das sind in der Regel sehr qualifizierte Mitarbeiter, die ein korrektes Störungsprotokoll erstellen können, viele Fehler selbst beheben oder wissen, welcher Kollege mit der Lösung des Problems betraut werden kann. Nach ein paar Jahren in dieser Position, steht ihnen die Welt offen, denn wer das gut macht, hat wirklich etwas auf dem Kasten.

Ich gebe natürlich zu, dass mein Beispiel gnadenlos überzogen ist.

Gordon_Gecko
00

Ist wohl so gemeint, dass bei der oben angeführten Ausschreibung jemand gesucht wird der sowohl entwickelt als auch supportet, de facto jemand der 2nd und 3th Level vereint und dafür unwesentlich mehr bekommt als jemand im First Level.

Gordon_Gecko
04

Vielleicht liegt die niedrige Qualität dran, dass man quasi jeden nimmt, der bereit ist als Schein-Selbstständiger dort beschäftigt sein, man nie den Rang eines "normalen" Mitarbeiters erhält, die Bezahlung sich aufgrund des atypischen Dienstverhältnisses nach keinem Kollektivvertrag richtet...In letzter Zeit werden die bezahlten Werbeeinblendungen im Standard immer mehr zur Regel als bilden sie die Ausnahme, so wird das nichts mit unabhängigen Qualitätsjournalismus.

Management Quatscher
03

Ist aber jetzt nicht wirklich überraschend - oder ?

Oder glaubt jemand an das Phrasengedresche der Unternehmen - nicht nur der schwindligen Callcenter ?

Sind ja alles Weltmarktführer in ihrem Bereich.
Nicht wahr nicht ?

Blick Winkel
00

Was verdient eigentlich ein Call Center Mitarbeiter?

bit.ly/3Q3NW
00

eine bekannte arbeitet in einem call-center. 40 std./woche. manchmal mehr. 2 schicht dienst. etwas knapp über 850€ netto. somit unter der armutsgrenze.

Niccolo Machiavelli1
00

in Deutschland lt. Callcenter-Verband zwischen 1250 € und 2.250 €/Monat
http://www.callcenter-verband.de/index.php?id=79

trollvottel
03

Die mir bekannten Supportmitarbeiter im Bereich IT und elektronische Unterhaltung erhalten zwischen etwa 750 und 1500 Euro _brutto_.

Die Anbieter weichen extra nach Dublin aus, wo die Lohnnebenkosten billiger sind (alles andere ist teurer).

Hari Ka
00

Auch in Dublin kommt man schon als deutsch sprechender Mitarbeiter auf 1700 netto, die Firmen dort suchen bereits "händeringend" nach Mitarbeitern.

beos
00

Allgemein Irland. Aber gerade Dublin ist meiner Meinung nach recht uninteressant, da die Stadt echt teuer ist.
Da kommt man mit 30.000 on target bspw. nicht weit. Aufgrund Krankenversicherung die man selber zahlen darf idR und Hin- und Rückflüge ab und zu... Gerade wenn Uni Abschluss plus Deutsch und Englisch perfekt in Wort und Schrift verlangt wird. Cork ist schon besser.. Wobei zu 2t das ganze natürlich auch interessanter wird, wenn beide arbeiten...

Stenmurks
70

Hängt ganz von der Branche ab (Versandhaus, Versicherung, IT etc.). Ohne Führungsposition liegt der Verdienst ganz grob gesagt zwischen 1200 und 2000 EUR netto.

heavenmaster
11

träumer, da haben sie viel zu hoch angesetzt. ohne prämien 1000 netto als einfacher agent

James131
20

Deutlich mehr als er als lohn erhaelt, denn in .de sind die meisten aufstocker .... bei vollzeit und schicht

Grantscherben
40

mehr als du!

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