Schmied glaubt nicht an neues Lehrerdienstrecht in diesem Jahr

1. September 2011, 09:36

Ist "nicht blauäugig" - Unterrichtsministerin erwartet keine Personalengpässe 2011/12 - Lehrergewerkschaft dementiert

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) glaubt nicht mehr an das ursprüngliche Ziel, das neue Lehrer-Dienstrecht bis Ende des Jahres auszuverhandeln. Mittwochabend nannte die Ministerin vor Journalisten dieses Ziel "sehr ambitioniert". Da in der ersten Novemberwoche in der Lehrergewerkschaft die Wahl des neuen Vorsitzenden der ARGE Lehrer - ein Zusammenschluss der verschiedenen Lehrergewerkschaften - ansteht, sei sie "nicht blauäugig" und glaube daher nicht an eine Lösung im Jahr 2011.

Nach dem Wahltermin will Schmied jedoch in "intensive Verhandlungen" treten. "Kernfrage" seien attraktivere Einstiegsgehälter, eine Höhe wollte sie jedoch nicht nennen.

Schmied: Kein Lehrermangel

Im Schuljahr 2011/12 sind laut dem Unterrichtsministerium trotz der beginnenden Pensionierungswelle bei Lehrern keine Personalengpässe zu erwarten. "Man kann nicht von einem Lehrermangel in dem Sinn sprechen", so Schmied. Zu wenig Personal gebe es nur in bestimmten Regionen und Fächern wie etwa den Naturwissenschaften.

Im Pflichtschulbereich "sollte es zu keinen größeren Problemen kommen", so Schmied. An den Bundesschulen würden zwar zwischen 300 und 320 Lehrer fehlen, doch das "ist auch kein Lehrermangel bei zigtausenden Lehrern".

Fehlendes Personal soll einerseits durch Mehrdienstleistungen ausgeglichen werden, andererseits werden laut Schmied auch in einzelnen Bereichen Junglehrer eingesetzt, die zwar ihre Ausbildung, aber noch nicht ihr Unterrichtspraktikum abgeschlossen haben.

Lehrer-Ausbildung und Lehrerdienstrecht "strategische Projekte"

Ab Herbst will Schmied die neue Lehrer-Ausbildung und die Reform des Lehrerdienst- und Besoldungsrechts vorantreiben. Diese seien "jene zwei großen strategischen Projekte, die auf jeden Fall in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden sollen".

In Sachen Reform der Lehrerausbildung sei es im Herbst an ihr und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), "wichtige Grundsatzentscheidungen" über das weitere Vorgehen zu treffen. Ein erster Schritt, der zu einer Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen (PH) "in Richtung einer vollwertigen tertiären Einrichtung" führt, wird bereits im Herbst gemacht: Dann sollen die PH-Lehrenden ein neues Dienstrecht bekommen, in dem die Forschung nicht mehr länger der Lehre untergeordnet sein soll. 

Lehrergewerkschaft dementiert

Ginge es nach uns, dann gebe es ein neues Lehrer-Dienstrecht bereits, sagt Lehrergewerkschafter Walter Riegler im Ö1-Mittagsjournal. Dass der Gewerkschaftstag im November die Verhandlungen bremse, wie das Unterrichtsministerin Claudia Schmied heute gemutmaßt hat, bestreitet Riegler vehement. Die Wahl sei schon 2009 gewesen, 2011 gebe es nur Fomalakte inform einer Umschichtung.

Außerdem trete die Gewerkschaft schon lange für ein moderneres Dienstrecht ein und habe bisher auch jeden Verhandlungstermin eingehalten, sagt Riegler und spielt den Ball an Schmied und die Regierung zurück. Überall dort wo es im derzeitigen Dienstrecht Schwierigkeiten in der Ausübung des Berufes gebe sei man jederzeit bereit, etwas Neues zu schaffen. Auch was die neue Bezahlung betreffe, wolle man weg von der zweijährigen Gehaltssteigerung für Junglehrer und deren niedrigen Einstiegsgehalt. (APA/red)

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Fernando Castro
04
Frau Schmied hat 400 Millionen € Defizit.

Weil sie sich verrechnet hat.
Wie will sie dann den Junglehrern plöztlich überhaupt entschieden mehr bezahlen als bisher?
In ein paar Tagen wird sie öffentlich verkünden, dass sie monatelang Lehrern kein Gehalt bezahlen kann.
Wie nennt man das? Erpressung.
Also weg mit Schmied. Wer nicht einmal die Grundrechenarten beherrscht ist als Minister unbrauchbar. Womöglich handelt es sich um Betrug am Steuerzahler.

Fernando Castro
02
Vor lauter Projekten hat Schmied 400 Mill.€ Defizit!

Und dann sollen jetzt die Junglehrer bedeutend mehr Gehalt bekommen als die Jahrzehnte davor?
Entweder kann sie nicht rechnen.
Oder sie macht das absichtlich.
Die Frau ist definitiv überfordert. Frauchen Schmied retour in die Volksschule bitte. Notfalls in die Sonderschule. Wer die Grundechenarten nicht beherrscht und wer andere versucht zu erpressen ist als Unterrichtsminister fehl am Platz.
Möchte Frau Schmied die Lehrer erpressen und Ihnen mitteilen, dass sie im kommenden Jahr monatelang überhaupt kein Gehalt bekommen? Oder möchte sie das Finanzministerium erpressen?

Daisy Lord
03
Das neue Dienstrecht

wird sich Schmied gar nicht leisten können. Da sollen Junglehrer mehr verdienen als jetzt, die älteren Lehrer im alten System mit den hohen Gehältern müssen aber auch noch bezahlt werden...und das noch recht lange, weil das "Wegpensionieren" nicht mehr möglich ist.
Sie wird daher wahrscheinlich selbst gar kein Interesse daran haben, das möglichst schnell über die Bühne zu bringen, stellt aber natürlich "die Lehrergewerkschaft" als die Verhinderer hin.

Murmelchen1
012
Was glaubt die eigentlich !!!!

Ich bin ja normalerweise ein umgänglicher Mensch, aber uns fehlen noch 3 Lehrer in Fachbereichen, wo alle ohnehin schon ständig Überstunden haben und die stellt sich hin und sagt es gibt keinen Lehrermangel. Wenn das so bleibt werden z.B. unsere Informatiker jeweils über 31 Werteinheiten haben - das sind immerhin 11/2 Lehrverpflichtungen. In Mathematik haben wir jetzt als BMHS einen Hauptschullehrer eingestellt. Ich bin gerade dabei den Stundenplan zu machen - der muss ja am Mittwoch in der ersten Woche stehen - aber wie soll ich, wenn ich noch nicht einmal das Personal habe. Auf die Frage ob noch wer aufzutreiben ist, bin ich beim LSR ausgelacht worden. Aber wir haben ja KEINEN Lehrermangel- lügt wie gedruckt die Frau.

soisteshalt
10
HS Lehrer in BHS für M?

wer wird denn dem armen Kollegen zur Seite stehen?
Der weiß schon auf was er sich da stofflich einläßt?

lehrer
52
überheblich

ein hs lehrer hat ja maturiert..und eine sechssemestrige ausbildung absolviert..also wird er ja wohl in der lage sein 15/16 jährige zu unterrichten..!!

stall
00
bis auf musik und zeichnen

das kann ich überhaupt nicht, habe ich schon alle fächer unterrichtet. war nicht sehr befriedigend, für mich nicht, für die schüler auch nicht.

Murmelchen1
02
Ja sicher - wenn sie meinen -

schaffen wir halt alle Lehramtsstudium ab - bringen ja offensichtlich nichts, wenn das ein Maturant ja problemlos kann (Übrigend hat unser neuer Kollege an einer HBLA maturiert.).
Abgesehen davon, habe ich mich darüber ja nicht beschwert, ich habe mich darüber aufgeregt, dass die wehrte Frau Minister behauptet es gäbe keinen Lehrermangel. Besonders interessant wird die Situation nämlich dadurch, dass wir an der Schule ja eine Mathematikerin haben, diese ist aber an einer NMS mitverwendet und genau deren Stunden hätte unser junger HS-Lehrerkollege gerne, da er genau dafür ausgebildet ist, bekommt sie aber nicht, da ja an der NMS Akademiker unterrichten müssen. Schuldbürgerstreiche waren dagegen Intelligenzleistungen !!!

D/E
01
Unzureichend informiert

Leider umfassen BHS die Schulstufen 9 bis 13, d. h. es geht um 15- bis 19-Jährige (und ganz andere Stoffgebiete).

Ich sage ja nicht, dass ein Hauptschullehrer das nicht k a n n, aber ausgebildet ist er dazu nicht.

Und ich hab geglaubt, die verbesserte Lehrerausbildung ist der Schlüssel zum Bildungsparadies.

lehrer
00
ausbildungsproblematik..

wenn anglist an hak oder htl unterrichten muss und selbst nicht an diesem schultyp maturiert hat..hat er auch genau null vorbildung und muss autodidakt sein..also ich hab an der uni nie commercial English oder ähnliches gelernt...

D/E
11
Ich auch nicht,

aber ich bin studierter Anglist und kann tatsächlich Englisch, was ich von einigen Hauptschul-Kollegen nie behaupten würde. Ich werfe ihnen das nicht vor, aber ihre Sprachausbildung war völlig unzureichend. Und die Ergebnisse sprechen eine ziemlich merkwürdige Sprache (ganz sicher nicht Englisch).

Mit dem, was als "technical English" verlangt wurde, war ich ziemlich schnell vertraut. Offensichtlich befähigt ein Universitätsstudium vor allem dazu, sich rasch und effizient neue Inhalte anzueignen.

soisteshalt
00

Das würde im Rückschluss bedeuten, dass jeder der je einmal Maturiert hat alle beliebigen Fächer in höheren Schulen (in dem Falle Oberstufe) unterichten kann.

Beim besten Willen, das glaube ich nicht.

Ich habe auch Matura (sogar sehr erfolgreich) gemacht, habe Lehramt studiert und war ein Zeiterl Lehrer, aber ich hätte mir nie angemast z.B. fachfremd D in der AHS oder dann BHS zu unterrichten. Nie!

Murmelchen1
01
Ich habe schon einiges fachfremd unterrichtet.

Wir sind nämlich eine kleine Schule und da gibt es in vielen Fächern nur einen Lehrer. Als unsere Mathematikerin auf Grund einer schweren Krankheit mehrere Monate ausfiel übernahm ich ihre Klassen. Obwohl ich im Studium sehr viel Mathematik hatte, war das eine echte Herausforderung und ich habe es bestenfalls akzetabel hinbekommen. Ab einem gewissen Level geht fachfremd nur mit erheblichen Qualitätsverlusten. Wird aber wohl nicht mehr vorkommen - wir haben ja keinen Lehrermangel.

soisteshalt
05
In den Pflichtschulen gibt e keinen bzw. anscheinend keinen Lehrermangel weil...

...jeder Lehrer alles unterrichten kann.
In der HS&NMS ist es kein Problem, wennn ein ausgebildeter Deutsch+Englisch Lehrer Mathe+PH+CH unterrichtet.

Daher kann man dort gerade die Jungen, die ja alles nehmen müssen was sie bekommen (auch mit sanften Druck vom LSR) einfach für jedes Fach einsetzen.

Und nein, nicht jeder kann alles unterrichten, nur weil den Stoff der Unterstufe ja eh jeder intus haben muss (haben die wenigsten in allen Fächern).
Und nur mal schnell immer 1-2 Stunden im Schulbuch vor den Schülern zu sein ist auch keine Lösung.
Diese Lehrer haben es schwer und das deren Motivation sinkt und sie fachlich nicht top sind ist ja klar.

Ich dachte wir wollen Qualitätssteigerungen?
Aber Ehrlichkeit ist keine Stärke des Systems.

Gummiknoedel
00
Aber Ehrlichkeit ist keine Stärke des Systems

ABER EHRLICHKEIT IST KEINE STÄRKE DES SYSTEMS

Irma la Douce
01
als ob dieses Mini sterium je etwas zeitgerecht fertig gebracht hätte !

lehrer
21
gewerkschaftsblockierer..

(schwarze) lehrergewerkschafter blockieren seit jahrzehnten reformen und schütz/ten vor allem pragmatisierte kollegen, während II L und I L (lehrer, vertragsbedienstete) nie eine lobby hatten...gerade engagierte lehrer sind in unserem system massiv benachteiligt (kein leistungsanreiz..)
p.s. lehrermangel gibts z.b. in den pflichtschulen nicht, da an den Pädagogischen Hochschulen in den nächsten jahren tausende lehrer ihre ausbildung beenden..! (ausnahme: vorarlberg...flucht in gut bezahlte schweiz...)

D/E
13
Danke für diese lichtvolle Analyse! Man kann kaum weniger Zutreffendes über die laufenden Verhandlungen hinausposaunen.

Offenbar ist der Nick "lehrer" ja keine geschützte Bezeichnung.

Ein Tipp noch: Ein "Gewerkschaftsblockierer" würde ja genau das Gegenteil von dem tun, das Sie hier behaupten. Allerdings müsste man sich dann fragen, warum die Regierung nicht schon früher auf die Idee gekommen ist, sich mit "Gewerkschaftsblockierern" einzudecken. Große Unternehmen hätten die wohl auch gerne.

absurdistanerin
03
schönreden und leugnen

kein wunder, dass das nichts wird mit der bildungsreform - bei DEM rückhalt aus dem ministerium.
es gibt ja keinen lehrermangel und es schadet bestimmt nicht, wenn mathelehrer als mehrdienstleistungen deutsch und englisch unterrichten, und dass in den volksschulen die begleitlehrer, die zur förderung schwächerer schüler so wichtig sind, nach und nach verschwinden, ist wohl auch nur ein gerücht. alles nicht so schlimm... wenn man selbst keine klasse betreten muss.
liebe frau magister: 5, setzen!

stuffy
06

Tja, man kann die Augen zumachen und die Realität verweigern, wie es Schmied tut - oder sein Amt tatsächlich ausüben ...

talvisota
09
Schmied: Kein Lehrermangel

Lüge, frau minister.

asinus
09

Klar gibt es jetzt schon einen eklatanten Lehrermangel, nur will das Frau Schmied nicht zugeben, weil sie ja immer ein sonniges Bild ihres Ministeriums malt. Ich könnt einige Beispiele liefern.

lone gunmen
05
Da weiß man als Student mit Lehramtsambitionen echt nicht mehr wohin...

Ich möchte, als junger, zukünftiger Arbeitnehmer langsam gerne wissen, worauf ich mich mit langjährigen Ausbildung überhaupt einlasse. Ich weiß nicht mal, ob ich für den Beruf geeignet bin oder er mir denn zusagt, da ich einfach nicht weiß wie meine künftige Tätigkeit aussehen wird. Werde ich 30 Schüler unterrichten oder 10? Alleine oder im Team? Werde ich 60 Stunden pro Woche arbeiten müssen (Lehrstundenerhöhung) oder 40? Reicht das Gehalt meinen persönlichen Ansprüchen? Muss ich mich auf Sozialarbeiter- und Psychologenaufgaben einstellen oder kommt da Unterstützungspersonal?

Ich bin echt sehr enttäuscht von der Politik... Wenn in das Ganze nicht bald etwas Gewissheit reinkommt werde ich mein Glück woanders suchen müssen. Schade.

D/E
04
Ein paar Antworten gibt es schon.

In den meisten Schulen werden Sie Klassen um die 25 Schüler/innen unterrichten. Gruppenteilungen gibt es z. B. im praktischen Unterricht, allerdings ist die Gruppengröße im Steigen begriffen.

Wie viele Stunden pro Woche Sie arbeiten müssen, wird großteils von Ihnen selbst abhängen. Die Frage sollte eher sein, wie viele Unterrichtsstunden Sie halten müssen. Dem Vernehmen nach stellt sich die Regierungsseite eine Lehrverpflichtung um die 25 bis 28 Stunden vor. Dem gegenüber stehen 18 bis 24 heute.

Derzeit dürfen Sie mit einem Anfangsgehalt zwischen etwa 1800 und 2100 brutto rechnen (je nach Ausbildung und Schultyp). Angeblich fordert die Gewerkschaft € 2000 netto Anfangsgehalt für alle Lehrer. Das jedoch ist eine Ente.

D/E
07
Fortsetzung:

Da die Regierung bislang noch nicht einmal ungefähre Angaben zur künftigen Erhöhung der Anfangsgehälter gemacht hat, gibt es de facto keine Verhandlungen.

Die kolportierte Forderung nach "2000 netto" beruht auf der Aussage eines Pflichtschullehrergewerkschafters, der erkannt hatte, dass man Journalisten irgend etwas sagen muss, weil sie sonst etwas anderes erfinden.

Nehmen Sie als gesichert an, dass man mit diesem Beruf nicht reich wird. Aber schlecht bezahlt ist er nicht. Unangenehm ist, dass die Entlohnung in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Leistung oder zum erbrachten Aufwand steht. Wirklich arbeitsintensive Tätigkeiten werden praktisch nicht abgegolten, Einsatz und Engagement nie, fürs Wenig-Tun gibt es allerdings gleich viel.

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