Neue Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft startet mit Personalproblemen

1. September 2011, 08:50

Korruptionsstaatsanwalt Geyer: Für Causa Telekom nicht zuständig

Wien - Mit Mitternacht trat das Gesetz in Kraft, mit dem die Korruptions-Staatsanwaltschaft ab heute zur Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) wird. Heute wird die neue Verfolgungsbehörde an ihrem neuen Standort in der Hinteren Zollamtsstraße offiziell eröffnet.

Da es Probleme bei der Rekrutierung gab, wird sie vorerst in reduzierter Besetzung (15 statt letztlich 40 Staatsanwälten) und mit eingeschränkten Kompetenzen ans Werk gehen. Personell soll die Korruptionsstaatsanwaltschaft langsam aber sicher auf 40 Staatsanwälte anwachsen. Die Schwierigkeit bei der Rekrutierung von zusätzlichem Personal ergibt sich unter anderem daraus, dass die Ausbildung von Staatsanwälten immerhin vier Jahre dauert. Gegenzusteuern versucht man durch das Anwerben von Rechtsanwälten, die angesichts ihrer Vorkenntnisse eine kürzere Ausbildungszeit haben.

Geringe Bezahlung lockt zu wenig Korruptionsjäger an

"Es kann niemand Staatsanwälte im Supermarkt beschaffen", meint Korruptionsstaatsanwalt Walter Geyer im Ö1-Morgenjournal angesprochen auf die Personalsituation. Dass nur wenige junge Rechtsanwälte zum Wechsel in die Justiz, noch dazu in Wirtschaftsangelegenheiten, zu bewegen sind, sei auch auf die geringe Bezahlung zurückzuführen: "Das ist ein Faktum", sagt Geyer. Dass daher die "Profis" auf der Seite der Angeklagten sitzen würden, bestreitet Geyer: "Wir sind auch Profis."

Nicht für Causa Telekom zuständig

Die Causa Telekom falle laut Geyer nicht in die Zuständigkeit der neuen WK-Staatsanwaltschaft. Seine Behörde sei grundsätzlich nur für jene Fälle zuständig, die ab 1.9. angezeigt werden, begründet Geyer den Umstand, dass seine Korruptionsstaatsanwälte in diesem Korruptionsfall nicht ermitteln. Es werde aber bereits gegen einen früheren Innenminister wegen Bestechung ermittelt. Weiters gäbe es ein Verfahren gegen einen großen österreichischen Baukonzern und seit heute auch im BUWOG-Verfahren.

Skeptisch gegenüber der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses parallel zu den Justiz-Ermittlungen in der Telekom-Affäre äußerte sich am Donnerstag der Sprecher der Korruptions-Staatsanwaltschaft, Martin Ulrich. Mit einer parlamentarischen Untersuchung würde der Kreis der involvierten Personen größer. Das könnte die Koordinierung der Ermittlungen schwieriger gestalten, meinte er in der "ZiB 24".

Zuständigkeiten

Die Zuständigkeit der WKStA erstreckt sich zunächst auf das Gebiet der Amts- und Korruptionsdelikte und auf Wirtschaftsstrafsachen mit fünf Millionen Euro übersteigenden Schadensbeträgen.

Ab 1. September 2012 werden auch Finanzstrafdelikte mit fünf Millionen Euro übersteigenden Schadensbeträgen, qualifizierte Fälle des Sozialbetrugs, qualifiziertes kridaträchtiges Verhalten sowie unter anderem Vergehen gemäß § 255 Aktiengesetz oder § 122 GmbH-Gesetz bei entsprechend großen Unternehmen (Stammkapital von zumindest fünf Millionen Euro oder mehr als 2.000 Beschäftigte) in die Zuständigkeit der WKStA fallen.

Ermittlungsverfahren, die Wirtschaftsstrafsachen mit geringeren Schadensbeträgen als fünf Millionen Euro betreffen, werden weiterhin bei den jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften geführt. Die WKStA kann aber die Zuständigkeit für Wirtschaftsstrafverfahren an sich ziehen, wenn besondere Kenntnisse des Wirtschaftslebens oder Erfahrungen mit solchen Verfahren erforderlich erscheinen (§ 20b StPO). (red, derStandard.at, 1.11.2011, APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
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Dr.Lion
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Schwach angefangen haben, stark nachlassn habn.

Dr.Lion
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ind häfn mit dem Gsindl !!!

PERLENQWIEN
 
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Ich bin Atheistin, aber mein Glaube an das Gute in der Katholischen Kirche ist riesengroß, ...

gemessen an der Hoffnung in eine Korruptions-Staatsanwaltschaft; zumindest solange diese von der ÖVP gelenkt ( =gebremst) wird.

Mondmann
01

Die Frage, die sich einem da gleich stellt: Wer wird dann in dieser Korruptions-Staatsanwaltschaft bestochen?

"Für Causa Telekom nicht zuständig", das mag sogar stimmen: Sind nämlich hoffentlich bald die Strafgerichte und die Strafvollzugsanstalten...

academius
20

Mit Frau Dr. Karl an der Spitze ist das der ultimative und alles in den Schatten stellende Beweis, dass die ÖVP um Aufklärung diverser Skandale bemüht ist - und keinesfalls um Vertuschung bemüht ist.

Außerdem zeigt sich zunehmend, dass in den Telekom-Skandal fast ausschließlich BZÖ- und FPÖ-Politiker verstrickt sind.

Die ÖVP setzt mit der Installation der Korruptionsstaatsanwaltschaft weitere elementare Schritte, um die Unabhängigkeit der Justiz und die Sauberkeit der Regierungspolitik zu untermauern.

Mondmann
00

Gehens bitte ins Bett, Sie scheinen hochgradig verwirrt...

Takeshi Kovacs
00
"nicht zuständig"

Typisch österr. start!

Dr. Wolfgang Schüsse1
00

Noch hat die Korruption einen komfortablen Vorsprung vor ihren Verfolgern...

der Xote
02
Schritt für Schritt!

Die erste Frage muss doch wohl lauten:

Herr Strasser, wer waren ihre "SIX CLIENTS", die der Meinung sind, man darf sich einen EU-Parlamentarier kaufen?

Warum stellt niemand diese Frage, die doch wohl so sehr aufgelegt ist???

thomas1231
11

ich wäre für ein leistungsbezogenes gehalt für unsere staatsanwälte.. eine 10% beteiligung der aufgedeckten koprruptionkosten die sich aus den strafzahlungen finanzieren wären da durchaus angebracht...
und siehe da in 2-3 jahren gibts das problem sicher nicht mehr

Faramir
00
dafür jede menge andere probleme...

das strafrecht ist zu sensibel, erfolgshonorare einzuführen. es würde eine für diese verantwortung adäquate bezahlung reichen, damit sich leute finden, die sich das antun.

Canis in urbe custodiendus non est
00

gibts wenigstens coole Sonnenbrillen, stylische Büros und Hummer als Dienstfahrzeuge?

Faramir
00

da muss man glaube ich bei der jvp-wien "arbeiten"... ;)

Kondratjew -Zyklus
 
02
Wer sich mit Korruption auskennt, heuert doch viel lieber bei den Korrupten an !

dasStrandrad
02
wo kann man denn spenden?

Dr.Lion
02
Aha, für die Korruptionsstaatsanwälte gibts zuwenig Geld??

Aber für die KORRUPTIONISTEN habens wir dafür...

onlooker
04
das darf ja nicht wahr sein, hier ist ein skandal, der sich ständig ausweitet,

und dann sind nur 15 staatsanwälte vorhanden? was ist los mit diesen politikern? will fekter wie vor der seppl die justiz aushungern?
hier gehört eine sonder irgendetwas, und entsprechende gelder bereit gestellt, und keine beamten?
in österreich gibt es sicher genug beamte, die man sich für ein oder zwei jahre ausborgen kann, hier ist das feuer am dach, und die politik kann sich keine feuerwehr leisten? oder sie will es sich nicht leisten,
dieses auf den händen sitzen ist ja noch ärger als die korruption an sich, hier wird ganz bewusst, wieder alles verlangsamt,und damit kostbare zeit verstreicht, ich weiss nicht, wie man diese leute zu einer für österreich wichtigen entscheidung forcieren kann, aber hoffentlich geht es durch viele blogger

Bernd U.
31
Erst ab dem 1. 9. zuständig!!!

Mann lässt die alte Korruptionsstaatsanwaltschaft auf und gründet eine neue - alles, was dann vor dem 1.9. zur Anzeige gebracht wurde wird somit irrelevant.

Und dann wundert sich Geyer über die geringe Bezahlung? Diese Behörde ist nichts als ein Feigenblatt - wie kann man sich als Statist in diesem potemkinschen Dorf eine vernünftige Bezahlung erwarten?

Faramir
02
falsch!!!

die akten der (vorherigen) KStA bleiben weiterhin anhängig; lediglich Akten in Bereichen der erweiterten Zuständigkeiten sind erst ab 1.9. von der WKStA zu bearbeiten!

also bitte nicht gleich wild um sich schlagen, sondern ein bissl vorab informieren....

Bernd U.
00
Herzlichen Dank für die Aufklärung!

Ich fürchte zwar trotzdem, dass Korruptionsfälle, welche auf der Verflechtung zwischen Politik & Wirtschaft beruhen, unzureichend abgehandelt werden; aber ich danke Ihnen für diese Information.

Nach verlorengegangenen Akten, vergessenen Fällen und nicht zuletzt dem Tierschützer-Prozess traue ich der Justiz mittlerweile nahezu Alles zu.

Mit der Gesamtsituation unzufrieden
00

Ah, danke für die Info. Das erklärt einiges.

Faramir
00

gern :)

Hansi Huber
02
Dafür ist das Innenministerium

sehr schnell beim Intervenieren, sollte beim Telekomskandal die Beteiligung von ÖVP Spitzenpolitikern erwähnt werden.

sainty1
16
logisch..sie soll ja auch nicht funktonieren..

dafür sorgt die övp schon

Manchester05
00
Am nicht Funktionieren einer solchen Einrichtung

sind wohl alle Parteien interessiert nicht nur die ÖVP.

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