Die Liste dubioser Beraterverträge rund um Peter Hochegger und die Telekom wird immer länger. Ex-Verkehrsminister Mathias Reichhold soll 72.000 Euro kassiert haben
In die Telekom-Affäre rund um dubiose Zahlungen an und von Lobbyist Peter Hochegger wurde am Mittwoch auch Ex-FPÖ-Infrastrukturminister Mathias Reichhold hineingezogen. Dieser habe 72.000 Euro von Hochegger erhalten, die Zahlung sei 2005 unter Telekom-Beratung verbucht, berichtet "News". Reichhold erklärte, dabei handle es sich um Beratung für Hochegger im Zusammenhang mit der EU-Präsidentschaft. Auch der Ex-FPÖ-Politiker Reinhart Gaugg soll von der Telekom 30.000 Euro erhalten haben.
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Wien - Die Telekom Austria (TA) diente offenbar nicht nur Exvizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ) als Quelle eines bekömmliches Zubrots nach der Polit-Karriere. Auch Gorbachs Vorgänger als Verkehrsminister, Mathias Reichhold, profitierte von Beratungshonoraren. Anders als Gorbach, an dessen Firma über zwei Jahre insgesamt 264.000 Euro überwiesen worden sein sollen - er bestreitet die Geldannahme -, soll Kurzzeit-FPÖ-Chef Reichhold vom Agenturnetzwerk Hochegger/Valora im Jahr 2005 mit 72.000 Euro bedacht worden sein, berichtet News. Ob das Geld über Scheinrechnungen aus der Telekom kam, war bis dato nicht zu eruieren, der Konzern habe keinerlei Rechnungen aufgespürt, betonte eine TA-Sprecherin.
Reichhold ließ über seinen Anwalt Michael Rami verkünden, dass er nie für die Telekom, sondern "im Zusammenhang mit der EU-Präsidentschaft Österreichs" (im Jahr 2006) für Hochegger bzw. dessen Valora Berater gewesen sei. Vergeblich gesucht wurden von den TA-Revisoren bis dato auch Belege für Zahlungen an den Ex-FPÖ-Politiker Reinhart Gaugg. Er soll gemäß Hochegger-Unterlagen im Jahr 2005 über dessen Gesellschaft Valora 30.000 Euro erhalten haben.
Insgesamt beziffert die Telekom die Überweisungen ohne erkennbare und dokumentierte Gegenleistung durch Hocheggers Agenturnetzwerk, wie berichtet, mit rund neun Millionen Euro. Die TA versucht diese im laufenden Verfahren gegen Hochegger wieder zurückzubekommen.
Der 400-Seiten-Bericht, den die TA nach viermonatiger forensischer Analyse der Staatsanwaltschaft übergeben hat, enthalte auch die ungeklärten Hochegger-Rechnungen.
Neben diversen ÖBB-Gesellschaften, die Hocheggers Dienste in Anspruch genommen und dafür an die 6,5 Millionen Euro bezahlt haben, war der Lobbyist auch für die mittlerweile abberufenen Vorstandsdirektoren des burgenländischen Energieversorgers Bewag, Hans Lukits und Josef Münzenrieder, tätig. Es geht um 1,2 Mio. Euro, die an Hocheggers Ungarn-Ableger flossen, obwohl die Ex-Bewag-Chefs gewusst hätten, dass es sich um "Schmiergeld für ungarische Amts- und Entscheidungsträger" gehandelt hätte, schreibt News. Notabene: Lukits ist nun Chef der Sicon Unternehmensberatung und -beteiligung AG, sie gehört mehrheitlich Hochegger.
Der ist zwischenzeitlich aus Brasilien zurückgekehrt und schießt sich auf Möchte-Gern-Kronzeugen Gernot Schieszler ein. Der Exprokurist und spätere TA-Festnetz-Finanzchef hat laut TA mit Ex-TA-Vorstandsdirektor Rudolf Fischer mindestens 16 Aufträge an Valora abgezeichnet. "Was Schieszler sagt, entspricht nicht der Wahrheit", zitiert Österreich Hochegger.
Schieszler belastet auch die mit der Trockenlegung des Korruptionssumpfs betrauten TA-Chefs Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden. Beide hätten von Zahlungen an Alfons Mensdorff-Pouilly (MPA) im Kontext mit dem Blaulichtfunk Tetron gewusst, sie hätten Schieszler nach dem Grund für die Zahlung von 1,1 Mio. Euro an MPA/Infotech gefragt. Gemäß einem internen Bericht sei die Zahlung letztlich aber als "okay" befunden worden.
"Diese Darstellung ist unrichtig", kontert die Telekom, die von Behörden auf Infotech aufmerksam gemacht worden sein will. Der darauf folgende Prüfauftrag durch die personell erneuerte interne Revision habe bis Ende Juni 2009 gedauert. Dabei tauchte eine Erfolgsprämie über 300.000 Euro für MPA auf, was Schieszlers Abgang beschleunigte. (ung, gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)