Uni-Voranmeldungen

Maximalthrill in Minimundusland

Kommentar | Lisa Nimmervoll, 31. August 2011, 18:23

Unverbindliches Voranmeldesystem bringt weder Unis noch Studierenden etwas

Soundtrack zur aktuellen Etappe der Uni-Politik gefällig? Thriller von Michael Jackson! Der Song passt gut zum Ende der erstmals verpflichtenden Voranmeldung an den österreichischen Universitäten. "It's close to midnight and something evil's lurking in the dark." Schlag Mitternacht gingen die Türen zum gelobten Land nämlich wieder zu. Frist verpasst? Bitte warten, zumindest ein halbes Jahr, und pünktlich sein. Wer klug war, hat sich besser einmal mehr als einmal zu wenig angemeldet für ein Studium. Hauptsache drin, egal wo.

Gut für die Angemeldeten, schlecht für die Unis, denn die müssen damit zurande kommen. Alleine. Aber das kennen sie ja. "'Cause this is thriller, thriller night. And no one's gonna save you from the beast about to strike."

Dieses im Jänner 2011 von SPÖ und ÖVP erfundene und denUnis erstmals vorgeschriebene Voranmeldesystem für Neueinsteiger oder Umsteiger funktioniert nach dem Handtuch-Prinzip: Handtuch auf die gewünschte Sonnenliege am Strand legen. Und sicherheitshalber auch auf eine im Schatten. Und noch eine in der Nähe des Eisverkäufers. Man weiß ja nie, was man nachher wirklich will.

Das zeigt die Absurdität dieses Anmeldesystems. Denn jede/r Studierwillige konnte an jeder Uni, oder auch an mehreren, einen Studienplatz, oder gern auch mehrere, virtuell reservieren. Quasi auf der nach oben offenen Anmeldeskala.

Das führt den Plan, den Unis damit mehr Planbarkeit zu Semesterbeginn zu bescheren, von vornherein ad absurdum. Denn der Haupteffekt ist ein Spiel mit dem Thrill der Maximalzahl. Das ist die einzige Information, die die Unis bekommen. Huch! So viele Studierende! Und die wollen alle zu uns? Vielleicht. Wer letztlich wo wirklich studiert, ist erst am Ende der Zulassungsfrist Mitte/Ende Oktober (plus Nachfrist bis Ende November) fix.

Bleibt die berechtigte Frage, die der designierte Rektor der Uni Wien, Heinz Engl, im STANDARD-Interview formuliert hat: "Was bringt es, wenn ich schon im August weiß, dass im September das Chaos ausbricht?"

Ein Voranmeldesystem macht natürlich Sinn, aber dazu muss es sinnvoll gestaltet sein: Es muss einigermaßen verbindliche Informationen liefern, mit denen die Unis kalkulieren können. Es muss aber auch den Studierenden einen realistischen Blick auf ihre universitäre Zukunft ermöglichen. Was droht mir an der Uni? Ein Massenevent mit unzumutbaren Betreuungsverhältnissen oder luxuriöse Lerngruppen in "Klein, aber fein" -Fächern? Also: Endlich Kapazitätswahrheit! Dann darf man den Studierenden auch rechtzeitiges Nachdenken über ihr Wunschstudium abverlangen.

Aber, und das ist die große Leerstelle in all der unverbindlichen Verbindlichkeitsprosa der Politik: Sie selbst hält ihre Verbindlichkeiten den Studierenden und den Unis gegenüber nicht ein, und das seit vielen Jahren.

Es ist nun einmal eine Kernaufgabe eines - intelligenten, aufgeklärten - Staates, die Universitäten adäquat zu finanzieren und die Kluft zwischen Kapazitäten und Nachfrage intellektuell zu bewältigen, anstatt die Unis dauernd am Rande des Kollapses, der in den schlimmsten Zonen des Systems droht, alleine zu lassen.

Dazu müsste sich diese Regierung - als nationales Projekt - zu guten Unis bekennen. Wenn sie denn welche will. Muss sie natürlich nicht. Sie kann auch weiter die geistige Verzwergung Österreichs vorantreiben. Minimundus-Politik geht auch ohne Unis. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2011)

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Adolf Ogi
00
Frage

woher wolln's des alles wissen? Das neue Semester hat noch nicht einmal angefangen. Wie will man da abschätzen, ob es was gebracht hat oder nicht?

smea_gol
00

der artikel ist prinzipiell richtig, aber hat im unterton die forderung nach verbindlichen anmeldungen...

und das entspricht im eigentlich sinne zugangsbeschränkungen.

jeder der bei sinnen ist, will das nicht.
denn dann haben wir das schlechteste aller systeme:
idiotisch beschränkte und dazu unterfinanzierte unis, die von der Politik mit den Worten "Was wollts denn noch jetzt?" abgekanzelt werden.

her mit einer ausfinanzierung, nicht mit dem klein klein ablenken.

indie kniescheibe
01

auf einigen unis gibts bereits zugangsbeschränkungen, und zwar mit strengem auswahlverfahren(angewandte--med.-vet. med.)
und eine verbindliche anmeldung ist vielleicht auch nicht sooooo schlecht...kann ja wohl nicht sein, daß ich mich für 5 verschieden studien anmelde, um mich dann fürs 6te zu entscheiden, oder?

system1
02
man muss schon im vorfeld, also in der maturaklasse,

umfassende infos für die studenten bereitstellen. wie in der privatwirtschaft: man muss seine kunden kennen. geht recht einfach wenn man es mal begriffen hat. haben die aber leider noch lange nicht.

baender23
00
ein vorschlag

wie wäre es, wenn die universitäten bei der voranmeldung ganz klar machen was sache ist.
z.b.
eine tabelle mit:
1) note von 1-5 entsprechend der qualität (betreuungsverhältnis, platz, ....)
2) anzahl der hypothetischen studierenden von - bis
und als letztes die derzeitigen anmeldungen

bsp:

1 <500
2 501 - 800
3 801 - 1000
4 1001 - 1100
5 >1100

derzeitige anmeldungen 50.000 -> 5-------

und das von allen studien übersichtlich auf einer seite, so dass jeder potentielle student sich vorstellen kann was passieren wird

vielleicht könnte man so studenten leichter verteilen, dass am ende alle studienrichtungen zwischen 1 und 2 sind

nur so ein vorschlag (bin übrigens für 4 richtungen vorangemeldet)

Mister Magister
 
07

Schade dass man Artikel nicht mit grün bewerten kann...dieser hätte es SO sehr verdient.

"Dazu müsste sich diese Regierung - als nationales Projekt - zu guten Unis bekennen."
Oh, bekennen tut sich sich...bis zur Vergasung. Und sie wird auch nicht müde unsere Bildungsmisere schönzureden, und trotz aller Abstürze im Internationalen Vergleich unsere Unis als Big Player und Weltweit führend hinzustellen.

Nur mit dem Tun siehts halt von Seiten unserer Politik ganz mies aus.

trollvottel
00

Geh bitte, wann war von unseren Spitzenpolitikern je ein eindeutiges, inhaltlich oder emotional überzeugendes Bekenntnis zur Uni zu hören?

tock tock tock
00

Ich kann mich da nur anschließen! Der Beitrag hätte ein grünes Stricherl verdient! :-)

Kondratjew -Zyklus
 
21
Tut nicht so, als hätte es an Universitäten je etwas gegeben, das die Bezeichnung "Planung" auch nur im entferntesten verdienen würde !

Mister Magister
 
12

der gesamte staat in dem du lebst, die technik die du jeden tag benutzt, die medizin die deinen ws. übergewichtigen leib am leben erhält, die materialen aus denen dein haus besteht, die organisation die dir strom, gas, wasser, nahrumgsmittel und alles was du sonst willst liefert....

...ist das produkt planvollen denkens von akademisch gebildeten menschen.

Also zieh entweder in eine Höhle oder halt die Klappe.

system1
10
das mit staat und gebildet lass ich aber aus bekannten, erwiesenen gründen, nicht gelten.

Kondratjew -Zyklus
 
20
Und das alles leisteten Akademiker/innen, obwohl es an keiner Universität auch nur die geringsten Anzeichen von Planung gibt.

Und in einer Höhle bliebe mir wenigstens Ihre besserwisserischer Sermon erspart. Dennoch bleibe ich lieber Entwicklungsingenieur (promoviert).

trollvottel
00

Lass mich raten: Die blaubraune Bergbau-Schule in Leoben? *auslach*

Kondratjew -Zyklus
 
00
Daneben, daneben, daneben.

Allerdings ist Leoben einer der anstrengendsten und selektivsten Akademischen Grade.

Mister Magister
 
00

keine ahnung an was für einer uni, oder in was für einem studiengang du warst, aber von hickups in der orga eines instituts auf ALLE Universitäten weltweit zu extrapolieren, ist wissenschaftlicher unsinn (sollte ein Dr. wissen)

wenn du auf sermon verzichten kannst, dann solltest du dich aus diskussionsforen fernhalten, denn genau dafür sind diese da...meinungen auszutauschen, und zu kommentieren.

Kondratjew -Zyklus
 
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Beachten Sie die Begriffe "Streitschrift", "Überspitzung", "paradoxe Intervention" oder vielleicht sogar "Demagogie".

Mister Magister
 
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darf ich auch "empfindlich", "leicht reizbar" und "beleidigte leberwurst" beachten?

Kondratjew -Zyklus
 
00
Wir leben in einem halbwegs (meinungs-)freien Land.

walter helfmann
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"macht natürlich Sinn"

sinn kann man nicht machen = herstellen.

hat in ösistan vor der germanisierung noch es ist sinnvoll geheissen.

das unverbindliches voranmeldesystem verursacht den unis zusätzlichen verwaltungsaufwand und somit höhere kosten.

(unser - meins ist er nicht) töchterle's forderung zur wiedereinführung von studiengebühren wird untermauert.

wie wars doch noch bei der liesl: wir brauchen keine studiengebühren, schon werden sie eingeführt.

X Y
01
Wie hat man den Genetiv

noch schnell vor der Germanisierung gebildet?

sterngucker
 
01
Genitiv

hieß es vor der Germanisierung.

Menny
01

Gerade gestern über das Absurde an diesem Anmeldesystem diskutiert. "Das Handtuch-Prinzip" - das trifft den Nagel auf den Kopf! :-)

Dr. Viktor Frankenstein
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Wenn man eine kleine Summe,

sagen wir mal 50 Euro pro Anmeldung verlangen wuerde, dann waere das Problem schnell geloest ...

zauberlehrling85
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das problem wäre damit nicht gelöst. auch wenn man ende august richtige zahlen hat, kann man mit diesen nichts anfangen, weil die lehrplanung da schon längst abgeschlossen ist.

system1
00
planung, genau!

die ist natürlich essentiell.... von praxis keine ahnung aber planen....

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