Causa Stradivari

Himmel voller Geigen im Internet

Renate Graber , 31. August 2011, 18:02

Händler Dietmar M. vernetzt sich vom Schweizer Gefängnis aus auf Facebook mit allerlei Freunden

Wien - Die virtuelle Welt macht es möglich: Während die Staatsanwaltschaft Wien in Sachen Geigenhändler Dietmar M. ermittelt, dessen kreditgebende Banken nach den ihnen zustehenden Instrumenten fahnden, die Masseverwalter nach Verwertungsmöglichkeiten suchen, sitzt der Kaufmann selbst in der Schweiz in Auslieferungshaft - wo er inzwischen einen Facebook-Account eröffnet hat. Oder eröffnen hat lassen.

Offenbar hat der Mann, der mit wertvollsten Instrumenten wie Stradivaris und Guarneris ein Riesenrad gedreht und laut Masseverwalter einen Schaden von 155,6 Mio. Euro verursacht hat, zumindest virtuell etliche gute Freunde. Laut Facebook zählt der EDV-Spezialist Mathias Seyfert dazu, mit dem bis vor einiger Zeit auch M.s Frau und sein Sohn per Facebook befreundet und somit vernetzt waren.

Aber auch Gläubiger des Deutschen gehören zu M.s Facebook-Freunden, die sich per Internet austauschen können. Etwa William L., der in der realen Welt im vorigen November eine Betrugsanzeige gegen M. eingebracht und in der Insolvenz etliche hunderttausend Euro an Forderungen geltend gemacht hat.

Auch die Frau von M. steht in Kontakt mit Freunden ihres seit Mitte März in der Strafanstalt Sitten inhaftierten Mannes - wobei nicht klar ist, wer die Facebook-Eintragungen, die den Blick in die Welt außerhalb schwedischer Gardinen erlauben, eigentlich betreut. Im "Prison des Iles" im Walliser Sion/Sitten war für den Standard für diese Frage bisher niemand zu erreichen.

In der Staatsanwaltschaft Wien weiß man nichts von den Internet-Aktivitäten von oder für M., für den die Unschuldsvermutung gilt. Die Aufarbeitung des Falles geht eher schleppend voran.

Auf der ganzen Welt spielen Künstler mit von M.s zur Verfügung gestellten Geigen, deren rechtmäßige Eigner zum Teil unklar sind. Beim Konzertreigen des "Ö1 Musiksalon" im Herbst, wo in Kooperation mit der Notenbank aufgegeigt wird, ist das nicht der Fall. Die Stradivaris und Guarneris, die dort zum Einsatz kommen, gehören der OeNB - gekauft hat sie diese von Dietmar M. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)

hobsch
00

Ich verstehe den letzten Absatz nicht.

Wenn M. Geigen herleiht, sind "deren rechtmäßige Eigner zum Teil unklar". Wenn M. Geigen verkauft (zB an die ÖNB) dann nicht?

Georg K1
00
31.8.2011, 21:20
mathias seyfert

spannend, dass der herr mittlerweile nicht mehr unter macholds fb freunden aufscheint. kalte füße?

Georg K1
00
31.8.2011, 21:33

jetzt ist der herr edv experte wieder drinnen, seltsam...

Mister X11
02
31.8.2011, 20:54

schon mal dran gedacht, dass Herr Machold vor seiner Inhaftierung den Account eröffnet haben könnte? Die Schlussfolgerung, dass er den Account in der Auslieferungshaft eröffnet hat, zeugt nicht gerade von qualitativ anspruchsvollem Journalismus.
Ich selbst habe im Winter 2010 (als noch keine Rede von Haft oder ähnlichem war) interessenshalber nach einem Facebookaccount von Herrn Machold gegoogelt und diesen auch gefunden...

An dieser Stelle eine Bitte an die Standard-Redaktion: nur weil es zu einem Thema keine Neuigkeiten gibt, bitte nicht um jeden Preis etwas schreiben wollen/müssen; es könnte sonst alles etwas boulevardesk werden...

john the miracle
00
31.8.2011, 23:13
naja,

wissen sie, bei diesen facebook einträgen steht unten immer ein datum dabei. und auch wenn sie den standard redakteuren skeptisch gegenüberstehen können sie glaube ich getrost davon ausgehen dass die des lesens mächtig sind...

Mister X11
03

Beim Lesen des Artikels entsteht der Eindruck, Herr M. habe den Facebook-Account während seiner Haft eröffnet: "wo er inzwischen einen Facebook-Account eröffnet hat. Oder eröffnen hat lassen. "
Dies ist definitv falsch > siehe mein voriges Posting.

Und weiters verwundert mich, wie die Standard-Redakteure Zugang zu den angeblich geposteten Nachrichten aus dem Gefängnis erhielten. Das Profil ist auf "privaten Modus" gestellt und somit können nur Facebook-Freunde etwaige Nachrichten lesen. Es sei denn einer der 13 "Freunde" von M. ist ein Informant des Standards... ;-)
Naja, abgesehen davon hätte sich der Standard diesen ganzen Artikel sparen können...

lagrangian
00
31.8.2011, 20:00

Ein Artikel weil jemand eine Facebookaccount eingerichtet hat... Wo ist der Reissack?

Rupert Grafendorfer
00
14.9.2011, 21:16

umgefallen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.