Händler Dietmar M. vernetzt sich vom Schweizer Gefängnis aus auf Facebook mit allerlei Freunden
Wien - Die virtuelle Welt macht es möglich: Während die Staatsanwaltschaft Wien in Sachen Geigenhändler Dietmar M. ermittelt, dessen kreditgebende Banken nach den ihnen zustehenden Instrumenten fahnden, die Masseverwalter nach Verwertungsmöglichkeiten suchen, sitzt der Kaufmann selbst in der Schweiz in Auslieferungshaft - wo er inzwischen einen Facebook-Account eröffnet hat. Oder eröffnen hat lassen.
Offenbar hat der Mann, der mit wertvollsten Instrumenten wie Stradivaris und Guarneris ein Riesenrad gedreht und laut Masseverwalter einen Schaden von 155,6 Mio. Euro verursacht hat, zumindest virtuell etliche gute Freunde. Laut Facebook zählt der EDV-Spezialist Mathias Seyfert dazu, mit dem bis vor einiger Zeit auch M.s Frau und sein Sohn per Facebook befreundet und somit vernetzt waren.
Aber auch Gläubiger des Deutschen gehören zu M.s Facebook-Freunden, die sich per Internet austauschen können. Etwa William L., der in der realen Welt im vorigen November eine Betrugsanzeige gegen M. eingebracht und in der Insolvenz etliche hunderttausend Euro an Forderungen geltend gemacht hat.
Auch die Frau von M. steht in Kontakt mit Freunden ihres seit Mitte März in der Strafanstalt Sitten inhaftierten Mannes - wobei nicht klar ist, wer die Facebook-Eintragungen, die den Blick in die Welt außerhalb schwedischer Gardinen erlauben, eigentlich betreut. Im "Prison des Iles" im Walliser Sion/Sitten war für den Standard für diese Frage bisher niemand zu erreichen.
In der Staatsanwaltschaft Wien weiß man nichts von den Internet-Aktivitäten von oder für M., für den die Unschuldsvermutung gilt. Die Aufarbeitung des Falles geht eher schleppend voran.
Auf der ganzen Welt spielen Künstler mit von M.s zur Verfügung gestellten Geigen, deren rechtmäßige Eigner zum Teil unklar sind. Beim Konzertreigen des "Ö1 Musiksalon" im Herbst, wo in Kooperation mit der Notenbank aufgegeigt wird, ist das nicht der Fall. Die Stradivaris und Guarneris, die dort zum Einsatz kommen, gehören der OeNB - gekauft hat sie diese von Dietmar M. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)