Die Angst der Anrainer vor dem Fluglärmterror

31. August 2011, 18:03
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    foto: christian fischer

    Mitglieder einer Bürgerinitiative demonstrieren vor Beginn der Verhandlung über die dritte Piste in Schwechat. Sie fürchten durch mehr Flugverkehr um ihren Schlaf und ihre Gesundheit.

Am Mittwoch wurden bei der Verhandlung um die dritte Piste jene Punkte besprochen, die die Anrainer bewegen: Lärmschutz und Gesundheitsgefahren

Schwechat - Paul Sekyra ist es gewohnt, Grundsätzliches zu erörtern. Wo hören die persönlichen Freiheiten auf und wie sehr darf der Staat sie einschränken? Wie viel Willkür steckt in jeder Grenzziehung, wo liegt die Grenze jeder wissenschaftlichen Erkenntnis? Täglich diskutiert der kleine Mann mit dem stolzen Schnurrbart solche Fragen, um eine Antwort zu finden auf die große Frage, die dahinter steht: Darf der Flughafen Wien eine dritte Piste bauen?

Bis zu 100 Starts und Landungen sollen dann in Spitzenzeiten pro Stunden möglich sein, etwa ein Drittel mehr als jetzt. Nur so kann der Passagierstrom von und nach Österreich bewältigt und Wien als Drehkreuz für Osteuropa erhalten werden, argumentieren die Flughafenbetreiber.

Sekyra ist Mitarbeiter der niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Umweltrecht. Er leitet die öffentliche Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung des "Projekts Parallelpiste 11R/29L", die seit Montag abgehalten wird. Insgesamt acht Tage wird er auf einer Bühne in der Mehrzweckhalle Multiversum in Schwechat sitzen, umgeben von einer Phalanx aus 23 Wissenschaftlern, die erklären sollen, warum der Flughafen die Piste bauen darf. Im Parkett sitzen 100 erboste Anrainer, die das Gegenteil beweisen wollen. 13,7 Stunden Anhörung hat Sekyra bis Mittwoch bereits hinter sich.

Verhandlung

An diesem Tag werden jene Punkte verhandelt, die Flughafenanrainer am meisten beschäftigen: Lärmschutz und Umwelthygiene, die Frage also, ob Anrainer nachher noch schlafen können oder ob sie krank werden vom dauernden Lärm der Flieger.

Die Gutachten, die diese Fragen beantworten sollen, haben Klaus Scheuch und Engelbert Schaffert erstellt, zwei Professoren aus Berlin, führende Experten ihres Fachs, mit grauen Haaren, dünnen Brillen und der Aura gütiger Großväter. Schaffert redet über die Varianzen in Lärmprognosen, die nicht absehbare technische Entwicklung bei Flugzeugen, berücksichtigte Worst-Case-Varianten und die Lärmschutzvorschläge des Flughafens, die technisch auf dem neuesten Stand seien.

Scheuch erklärt das Problem der Wissenschaft mit Grenzwertsetzungen, wie der Durchschnitts- und wie der Maximalpegel bestimmt wird und warum manche Beschwerdeführer sich dabei vertan haben. Beide verweisen auf Studien, Tagungen und andere Autoren, im Publikum ernten sie immer wieder Kopfschütteln und bitter-hämisches Gelächter.

Ein Pensionist aus Zwölfaxing kommt während des Vortrags erbost zum Podium und teilt Verhandlungsführer Sekyra mit, dass er nur "50-Prozent-Schallschutzfenster" bekommen hat, weil er auf der falschen Seite des Flusses wohnt, dort, wo die Belastung ein Dezibel unter dem Grenzwert liegt.

Rechtsstaat in Toilettenpause

Ein Mann, der sich als "Anrainer aus Liesing" vorstellt, kommt ans Mikrofon und erzählt mit Grabesstimme und dramatischen Pausen von der "Lärmzumutung", die nun zum "Lärmterror" wird, von Gesprächen, die in seinem Garten durch das Flugzeugdröhnen "ersterben", und dass jeder herzlich eingeladen sei, bei ihm vorbeizukommen und es selbst zu hören. Kurz vor der Mittagspause kritisiert noch ein Wissenschafter des Instituts für Umwelthygiene das Scheuch'sche Gutachten als voreingenommen und fehlerhaft.

Am Weg zur Toilette passt der Zwölfaxinger Pensionist Verhandlungsleiter Sekyra ab und diskutiert mit ihm über Rechtsstaat, Korruption und die Praxis der Gemeinden, Flächen als Wohngrund zu widmen, bei denen absehbar ist, dass es über ihnen bald lauter wird. Sekyra bleibt ruhig, er hat mit deutlich mehr Leuten bei der Anhörung gerechnet. Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt. (Tobias Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2011)

Kommentar posten
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Proconsul
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Ich bin für die dritte Piste!

Wo kann ich unterschreiben??

fasziniert
00
Fragen Sie einmal Herrn Gemeinderat Erich Valentin von der Wiener SPÖ

der ist der Meinung, den Flughafenchef Hebst dafür kritisieren zu müssen, dass dieser gesagt hat, dass keine Bewiligung einer 3. Piste auch kein Genickbruch ist.

Auch laut anderen Aussagen des Flughafens ist Wirtschaftlichkeit einer 3. Piste mehr als fraglich, es gibt aber einen "öffentlichen Auftrag" für eine 3. Piste.

Also warum die gezielte Vermehrung von Fluglärm und krebserrenden Feinstaub? Wegen einer richtig großen und sehr, sehr teuren Baustelle?

Chocoholic
00
Na simma froh, dass wenigstens im Artikel die Meinung des Autors so gut zum Vorschein kommt:

der aaaarme Sekierer, unterstützt mit den grossväterlichen, gutmütigen und geduldigen Figuren, die den nervenden Ernsthaftigkeit Schauspielernden und (offenbar lt. autors Beiwortwahl zu Unrecht, denn warum sonst ist nur beim Anführen derer Ausführung unter Anführungsstrichen) erbosten und aufgeregten, man könnte ja fast meinen hier hysterische Paranoiker vorgeführt zu bekokmmen, Gegnern ausgeliefert werden.

Briefmarkenkleber
20
TERROR der Wort.

Trotz lärmloser Orte.

fasziniert
03
ganz schön empfindlich

die Fluglärmterroristen

OttotheBusdriver
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Die Windrichtung bestimmt die Abflugrichtung nur beschränkt

Gerade in der Früh, wenn viele Flüge Richtung NW (Deutschland) starten ist die Piste 29 beliebt (geringe Rollstrecke zur Startstelle, kürzere Flugstrecke.

Ich höre soeben den ATIS (Abfluginformation für Piloten) auf 121,725MHz, obwohl dzt. Windstille herrscht wird trotzdem über Wien gestartet, ganz einfach weil es bequemer ist. Selbst bei leichtem Rückenwind wird lieber in Richtung Wien gestartet als den Steigflug über Feldern, der Autobahn oder Industriegebiet durchzuführen.

Denen (ACG, Flughafen, Politik) ist nicht zu trauen!
Wer wird mal rausfinden was da für Bestechungen gelaufen sind? So wie SPÖVP die Bürger im Stich lassen, das MUSS Geld dahinter stecken.

Mahnende Stimme
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2.11.2011, 11:46

Schon mal was vom Mediationsverfahren und der zugehörigen Pistenverteilung gehört?
Beschwerden an ihre Vertreter im Dialogforum.

Graf Knoblauch, ein berühmter Vampir
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Weisst du, in die andere Richtung, also von Wien weg, da wohnen auch Leute. Da gibt's nicht nur "Felder" oder "Autobahn". Bist schon mal von Wien rausgefahren?

fasziniert
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Das der Flughafen die SPÖ-Veranstaltung Donauinselfest sponsert

stand schon letztes Jahr im Profil.

Aber wen stört diese "Wohltätigkeit" der FWAG schon? Und wer hat etwas gegen großformatige Anzeigen, deren scheinbare Sinnlosigkeit einer guten Presse sicher nicht hinderlich ist?

Dass aber nur aus Geldgier und Bequemlichkeit über dicht besiedeltes Gebiet gestartet wird, ist den Leuten nicht egal!

Dass wird auch Thema der Podiumsdiskussion der BI "Liesing gegen Fluglärm und die 3. Piste" - dieses Mal am 22.9. um 19 Uhr im Haus der Begegnung.

eze eze
 
00

Wird man dort am 22.9. auch gegen den Fluglärm unterschreiben können?

fasziniert
14
Dialogforum belegt die eigene Sinnlosigkeit mit Evaluierungsbericht

Der wochenlang entgegen der offiziellen Ankündigung per Presseaussendung verheimlichte Evalierungsbericht des Dialogforums belegt, was man bei der Austro Control von dort getroffenen Vereinbarungen hält. So fanden laut Bericht 2010 10% aller Starts über das dicht besiedelte Liesing statt. Damit wurde der 2005 vereinbarte Werte von 6,84% beinahe um das 1,5 fache überschritten.

Daher stellt sich die Frage, warum man sich im verantwortlichen Infrastrukturministerium auf das Dialogforum ausredet, dort getroffene Vereinbarungen aber nur gelten, wenn diese im Interesse der Airlines sind. - Ganz in Übereinstimmung mit der niederösterreichischen Umweltanwaltschaft, die das Fluglärmproblem durch "faires" Verteilen (nach Wien) lösen will.

Michael Bakunin
15

auffallend ist, dass sei beginn der verhandlung vor ein paar tagen praktisch keine flieger über wien zu hören sind. da will wohl jemand die anrainer beruhigen, bis alles genehmigt ist.

Nee-Chee
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Geh bitte nehmts euch doch

nicht so wichtig. Wegen vier Hanseln, die sich aufpudeln, werden jetzt auf einmal die Flugrouten verlegt?! In der Hoffnung, dass sie das Aufpudeln dann wieder aufs Bellen von Nachbars Flocki verlegen und den Flughafen in Ruhe lassen?
ich darf auch daran erinnern, dass ich vorgestern mit eigenen Augen ein Flugzeug über Meidling gesehen habe.

Michael Bakunin
02

zum thema 4 hanseln: 10.000 Unterschriften.
http://liesing.fluglaerm.at/

4321
02

wenn Ihnen das schon stress bereitet, was machen sie in ein paar wochen, wenn auch die bezirke 5., 6. (+ weitere?) ihre initiativen haben werden, ein unabhängiges beschwerdetetelefon installiert ist das die wirkliche anzahl anrufe zählt, vor jedem supermarkt flyer verteilt werden, und eine prof. pr sich an immobilien..., mieter,..., medien wendet? ich wiederhole mich ungern, aber glauben sie ernsthaft, dass eine dreiviertel million menschen sich ihren lebens, arbeits, wohnraum zerstören lässt? was sollten die denn noch zu verlieren haben frag ich sie?! nochmal: flughafen + die politik sollten sich des themas seriös annehmen.

fasziniert
02
nicht 4 Hansl sondern 3 Parteien im Wiener Gemeinderat die einen Antrag auf Rücknahme der Flugroutenverlegung nach Liesing zugestimmt haben

plus eine weitere Patei, die immer behauptet, sie habe nur unter der Bedingung zugestimmt, dass es durch Abflugroute zu keiner Lärmbelastung kommt!
Vor allem aber 10.000 Menschen die innerhalb kürzerster Zeit für die Einstellung der Abflugroute unterschrieben haben!

Also immer schön bei der Wahrheit bleiben und sich selbst nicht so wichtig nehmen.

Selbstverständlich geht es hier um eine Menge Geld für die Airlines, die Gesundheitskosten durch das Überfliegen dicht besiedelter Gebiete sind aber noch um einiges höher. Und warum soll das der Steuerzahler zahlen?

4321
12

man redet sich auf den wind aus, von dem das abhänge. schlimmer finde ich den umstand, dass wien mangels eigenem beschwerdetelefon einfach so die anrufer zahlen der austrocontrol glauben muss. ohne irgendeine möglichkeit der überprüfung zu haben wie hoch diese zahl wirklich ist. ob das klug ist? praktisch ist es sicher, weil man ja sagen kann man habe von nichts gewusst. aber so bitte kann doch kein mensch seroös in verhandlungen gehen!

fasziniert
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Freitag 9h gibt es nochmals eine interessante Stellungnahme eines Mediziners im Multiversum!

fasziniert
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Wenn ich lese was die Wahrheitsverdreher aus der Flughafenecke wieder gerade von sich geben, muss doch nochmals kurz meine Arbeit unterbrechen

In Liesing stört der Fluglärm enorm viele Menschen. 10.000 Unterschriften innerhalb kürzester Zeit gegen die Verlegung einer Abflugroutenach Liesing belegen das. Objektive Lärmmessungen ebenfalls.

Die die sich wehren mache das neben ihrer Arbeit oder Ausbildung oder in ihrer Pension, während man am Flughafen eine eigene Abteilung hat, die sich Umweltcontrolling nennt plus ein "Dialogforum". Dazu kauft sich der Flughafen Gutachter die haarsträubenden Unsinn wissenschaftlich zu begründen versuchen.

Dass nicht jeder Zeit hat, sich eine Anhörung zur 3. Piste deren Hauptthema einmal gleich auf 3 Tage geplant wurde, anzuhören ist wohl auch klar. Aber nicht weil er in der nicht vorhandenen Villa sitzt sondern weil er arbeiten muss!

4321
10

der flughafen wird dort viel geld reinstecken und eine dreiviertel million wienerinnen wird dafür sorgen, dass ruhe herrscht. als anleger würde ich mir was erfolgversprechenderes suchen. das projekt ist bereits jetzt zum scheitern verurteilt. die eigentlich spannende frage ist, warum versucht man es trotzdem?

eamonclever
43

also wer der poster war vor ort? Ich habe mir das gegeben - eine kleine gruppe von selbstdarstellern und kleinbürgern - viel weniger als sie vorgeben zu vertreten, versuchen pseudowissenschaftliche abfolgen darzustellen.
einfach peinlich!
Halb wien hat beeinträchtigungen durch fluglärm und ist das schlimm. Ich wohne direkt in der einflugschneise - bis auf ein paar tage ist es erträglich.

sally
01
ja, der Herr Sekira

der lässt sich durch nix aus der Ruhe bringen - ob Umfahrung oder Deponie - es gibt IMMER einen positiven Bescheid.

Quim Barreiros
03
Der Lärm

wird in den nächsten Jahren sicher generell zu einem großen (politischen) Thema werden, und zwar nicht nur der Fluglärm, der in einigen Stadtteilen ein gewisses Problem darstellt. Im 23. Bezirk kenne ich zwar Leute, die aber anscheinend damit kein Problem haben, dafür ist es aber im 14. Bezirk recht arg.

Ich bin ja auch gespannt, was passiert, wenn die Leute, die an stark befahrenen Straßen wohnen, einmal beginnen, sich über den vielen Lärm zu beschweren. Dass der Gürtel eine Autorennbahn ist, wird zwar jetzt noch als gottgegeben hingenommen, das könnte sich aber auch bald ändern.

Michael Bakunin
16

Ja, ich fände es gut, wenn die Menschen den Lärmterror nicht mehr einfach so hinnehmen. Immerhin ist das eine strake Beeinträchtigng der Lebensqualität und eine große Gesundheitsgefährdung.

Proconsul
00

Der AUtolärm wird sicher als letztes dransein, erst wird man sich über zu laute Tramways aufregen....

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