Pensionskonto

Rechnungshof klopft Politik kräftig auf die Finger

31. August 2011, 16:51
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    illustration: wilhelm busch

    Der Rechnungshof als Oberlehrer der Nation: Projekte wurden teurer, politische Vorgaben verwässert.

Pünktlich zu Ferienende legt der Rechnungshof ein Konvolut von Berichten vor, die politische Fehlsteuerung und daraus folgende Millionenkosten in der aufgeblähten Verwaltung belegen

Wien - Die Pensionsreform war ein Kernprojekt der Ära Schüssel - aber in der Rückschau stellt der Rechnungshof (RH) fest, dass das Vorhaben derartig verwässert wurde, dass das Pensionsalter entgegen den eigentlichen Plänen nicht gestiegen ist. Das Pensionskonto, das allen Versicherten Überblick über Beiträge und (zu erwartende) Leistungen verschaffen sollte, führt ein Stiefmütterchendasein.

Und das alles bei Kosten, die weit über den Erwartungen liegen. Konkret: Um die rund 5,1 Millionen Pensionskonten (90 Prozent davon bei der Pensionsversicherungsanstalt PVA) korrekt einzurichten, wurden von 2005 bis 2009 46,1 Millionen Euro ausgegeben - davon fast 40 Millionen für Personalkosten. Als der Großteil der Aufbauarbeit erledigt war, sollte wenigstens der Personalstand reduziert werden, aber das hat sich verzögert. 2009 waren noch 151 Mitarbeiter statt geplanten 109 in diesem Bereich tätig.

Nun könnte man meinen, dass dies besseres Service brächte - aber auch das ist laut RH eine Fehlanzeige: Das Pensionskonto, das eigentlich von jedem online abgerufen werden kann, wurde nur von 14.400 Versicherten überhaupt angeschaut. Denn für den Zugriff braucht man die Bürgerkarte - und diese ist wegen Streitigkeiten um Zuständigkeiten und Datenschutz nicht weit verbreitet.

Was wenige wissen: Man kann den Kontoauszug auch in Papierform beantragen - aber auch davon machten in den geprüften Jahren 2008 und 2009 nur 10.533 Personen Gebrauch - das waren 0,23 Prozent der 4,52 Millionen Konten bei der PVA.

Dabei anerkennt der Rechnungshof, dass die Grundsatzarbeiten für das Pensionskonto zeitgerecht und sogar unter den geplanten Kosten abgeschlossen werden konnten. Der Teufel steckt aber offenbar in den Details der Praxis.

Wobei das alles von einer generellen Entwicklung in den Schatten gestellt wird: Das wesentliche politische Ziel, die Österreicher nicht so früh in Pension gehen zu lassen, ist aufgrund der vielen Ausnahmen (die Hacklerregelung ist nur ein Beispiel, das Weiterwirken alter Rechtsbestände ein weiteres) völlig verfehlt worden.

O-Ton des Rechnungshofs: "Im Jahr 2009 lag das durchschnittliche Antrittsalter für alle Eigenpensionen (das sind Alterspensionen und krankheitsbedingte Pensionen) bei 59,1 Jahrn für Männer und 57,1 Jahren für Frauen. Der mit der Pensionssicherungsreform 2003 erwartete Anstieg des Antrittsalters zur Pensionsversicherung ist noch nicht eingetreten, im Gegenteil. Im Jahr 2009 gingen bereits 50,8 Prozent der weiblichen und 34,9 Prozent der männlichen Angestellten wegen psychiatrischer Erkrankungen vorzeitig in Pension."

Und: "38,3 Prozent der Männer gingen krankheitshalber im Durchschnittsalter von 53,6 Jahren in Pension."

Der Befund über die Sozialversicherung ist nur ein exemplarisch herausgegriffener Teil von insgesamt 15 Berichten, die der Rechnungshof am Mittwoch gelegt hat. Ein anderer Berichtsbereich betrifft die Immobilienverkäufe der Post und Telekom: "Vorgaben für eine einheitlich strukturierte Vorgangsweise zur Verwertung von Liegenschaften fehlten." So wurden etwa am Salzburger Bahnhof während laufender Projektentwicklungen Ziele geändert und Flächen freihändig verkauft. (Conrad Seidl, STANDARD-Printausgabe, 1.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 210
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cheap thrills
00
10.10.2011, 13:01
super, rohrstaberl-rhetorik.

ganz auf der höhe der zeit.

Selbständiger
37
Und: "38,3 Prozent der Männer gingen krankheitshalber im Durchschnittsalter von 53,6 Jahren in Pension

Ätsch.

Was die Postler, ÖBBler und die Beamtenhackler können, können wir auch.

Ich glaub wird wird grad schwindlig und bekomme ein psychisches Problem, dass mich in die Pension zwingt. Glauben diese dämlichen Politiker wirklich, dass alle anderen für die im Durchschnitt 53 jährigen Postler und ÖBBler länger arbeiten werden.

Holt vorher diese Sozialschmarotzer aus ihrer Frühpension zurück oder kürzt ihnen die Pension bis zum regulären Pensionsantrittsalter auf die Mindestpension.

Bevor das nicht geschehen ist, können sich die Politiker mit ihrer Forderung nach einem späteren Pensionsantritt zum Teufel scheren.

CentralAI
20
Danke, Sie sprechen mir aus der Seele!

Bertel Mann
20
Genau - und "krankheitshalber" interessiert uns nicht

jane doe2
20

Danke,ich hätte es nicht besser sagen können!

chem
01
Auch eine 'Meisterleistung' der 'Wendehalsregierung' !!

Rauscher, der Hundefreund
00
Ja, der Lügenbaron, der hat viele eingeseift....

Wenn ich mir nur die vielen journalistischen Lobpreisungen des Machtzwerges in Erinnerung rufe, dann kommt mir heute noch ein Lacher aus.

JohnP
01

um bei den fakten zu bleiben:

die pensionsreform hat nicht die ära schüssel verwässert sondern die ära gusenbauer.

wählerstimmen auf kosten der jungen ist wohl das generelle motto der SPÖ!

Schnabeltierfresser
01
8.10.2011, 09:27
Bitte?

Schon mal was von 'Hacklerregelung' gehört? Die war Schüssels Geschoß, ein Zugeständnis an den ÖAAB.

Flo S.1
03
Ethik, Moral, Pflicht, etc,...

sollten die Verantwortlichen "Führer" von "Völkern" schon haben, zumindest im Ansatz. Seit ich die Politik aktiv verfolge, ca. 15 Jahre, hat das bis jetzt noch keiner/keine gehabt. Während des Wahlkampfes tun die zwar so, aber da wird der Durchschnittsmensch nur geblendet. Je mehr man liest und sich damit beschäftigt frage ich mich, wie lange sollen wir da noch mitspielen...dieses Problem ist ja nicht nur bei uns...und wenn der Kanzler zugibt, er kann in Wirklichkeit nichts entscheiden, da alles über die EU läuft (siehe Finanz Merkel-Sarkozy), da frage ich mich, wofür müssen wir den "Aufgeblähten Apparat" (siehe den Jungen Integratrionssekretär, oder so, S.K.) noch mitschleppen? Ich weiß es nicht...aber Konsequenzen sollten gesetzt werden.

Kelbo
13

für alle "Jungen" eine traurige Nachricht. Die Eltern gehen mit knapp 60 in Pension und die Kinder werden mit 70 gehen und die Hälfte der Pension bekommen... Toller Generationenvertrag!

mml1
10
26.9.2011, 17:52
Abgesehen davon, dass die bösen Alten....

...ihren Kindern und Enkeln eine sorglose lange Jugend in Luxus und Wohlstand finanziert haben.

Bertel Mann
02
Wenn die Enkel genau solche Egoisten sind wie die Kinder,...

...und der Produktivitästzuwachs weiterhin in die Taschen weniger fließt, und Einkommen aus Vermögen Zins, Verpachtung etc. weiterhin in geringerem Ausmaß zur Finanzierung herangezogen werden als Einkommen aus Arbeitsleistung, sprich: wenn die Kinder ebenfalls die neoliberalen Phrasen nachplappern, haben Sie recht.

ChefPrinzMichl
 
00
Was hat des Kabinett Schüssel eigentlich geschafft?

"MEIKA!" - macht das Würstchen
03
die FPÖ

regierunsfähig gemacht.

(Wobei das mit dem "fähig" dahingestellt sei)

zimbo
 
00
Mit Haupt hatten die aber einmal einen echten Sozialminister.

JazzPianist
00
10.10.2011, 09:25

haupt war einer der wenigen anständigen in dieser riege.
und das sage ich in aller deutlichkeit.

"MEIKA!" - macht das Würstchen
01
äääh...

wie jetzt. War das nicht der Herr Frauenminister der uns die "Rosinen aus dem Feuer holt"?

Chocoholic
00
Ich habe eines angefragt, aber sie wollten ALLE Unterlagen und Angaben noch einmal.

Aufmeine AAaussage, dass sie ja eigentlich wissen müssten, WAS ich eingezahlt hab, kam eine patzige Antwort so quasi, das brauchen sie nicht und das machen sie nicht. Wenn ich wo einzahl, zb einem Konto erwarte ich mir, dass die Bank darüber Aufzeichnungen führt.

Corno Primo
09
Wenn Schüssel gern von einem gro0en Wurf gesprochen hat,

muss man ihm recht geben: Es ist weit daneben gegangen.

Peter Hammer 06
01
Nicht der einzige "Wurf" des Herrn! ...

...Trotzdem hat er hier unbegreiflicherweise noch immer Bewunderer.

Angelika70
09
Lesemodus

Den ersten Satz gelesen "Die Pensionsreform war ein Kernprojekt der Ära Schüssel."

Soforterkenntnis gewonnen: Entweder Totalversagen oder gerichtlich anhängig.

Ab zu den Postings.

schneebrunzer
 
05
na geeeeh....

...schwarz-blau hat was in den sand gesetzt??? des glaub i jetzt oba net!!!

Franz Schwingenschrot
00

Hat die Schüssel Regierung in all den Jahren irgend etwas Positives geleistet, oder hat sie sich nur sehr viel geleistet.
http://gedaunknsplitta.blog.de

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