Kompetenzerhebung

Tests für Bildungsstandards starten

31. August 2011, 10:50

Rund 80.000 Schüler der 4. Klasse Hauptschule, AHS und Neue Mittelschule werden im Mai 2012 ihre Mathematik-Kompetenzen unter Beweis stellen

Wien - In sogenannten Bildungsstandards wurde 2009 festgelegt, was Schüler in der vierten Schulstufe (4. Klasse Volksschule) in Mathematik und Deutsch bzw. in der achten Schulstufe (4. Klasse Hauptschule/AHS/Neue Mittelschule) in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wissen und können sollen. Im Schuljahr 2011/12 werden die Standards nun erstmal österreichweit abgeprüft: Alle rund 80.000 Schüler der achten Schulstufe werden am 23. Mai 2012 ihre Mathematik-Kompetenzen unter Beweis stellen, bis Dezember 2012 sollen die Ergebnisse vorliegen. Ab sofort werden jedes Jahr im Frühjahr die Kompetenzen aus einem bestimmten Bereich abgefragt.

Ziel der Standards ist es, dass statt flüchtigen Wissens der nachhaltige Aufbau von Kompetenzen im Mittelpunkt des Unterrichts gestellt wird. Sie wurden als Reaktion auf das schlechte Abschneiden heimischer Schüler bei internationalen Bildungsvergleichen wie der Pisa-Studie eingeführt. Um die Wirkung der Standards bewerten zu können, wurden vor ihrer Einführung Ausgangstestungen durchgeführt, mit deren Ergebnis das Abschneiden bei der ersten österreichweiten Standardüberprüfung verglichen werden kann. Lehrer können schon vor den Testungen durch spezielle Diagnose-Instrumente kontinuierlich überprüfen, wo ihre Schüler stehen - und bei Problemen gegensteuern.

Keine Auswirkung auf Noten

Bei den Testungen wird jeweils der gesamte Jahrgang geprüft. Ausnahme ist der mündliche Teil in Deutsch bzw. Englisch, wo nur eine Stichprobe von rund 100 Schulen getestet wird. Bei den Mathematik-Testungen im Mai werden insgesamt 48 verschiedene Kompetenzen abgefragt, über die die Schüler mit Ende der Sekundarstufe I verfügen sollten. Überprüft werden ihre Fähigkeiten etwa beim Rechnen, Interpretieren und Argumentieren. Die Erhebung dauert maximal 120 Minuten, wobei es dazwischen mehrere fünfminütige Pausen gibt. Am Ende müssen die Schüler noch Fragebögen zu statistischen Daten und ihrer Lernumgebung beantworten.

Auswirkungen auf Noten haben die Testergebnisse nicht - die Schüler haben bei Vorliegen der Auswertungen ohnehin bereits in eine andere Schulform gewechselt. Die Resultate sollen den Schülern einen Überblick geben, wo ihre persönlichen Stärken und Schwächen liegen, sie können diese im Internet einsehen. Lehrer, die nur die summativen Ergebnisse der Klasse bekommen, sollen damit ihren Unterricht reflektieren und anpassen können. Die Schulleiter bekommen die Ergebnisse von Klassen und Schule, um mit Qualitätsentwicklung oder Weiterbildungsmaßnahmen auf Mankos reagieren zu können.

2013 Kompetenzerhebung im Fach Englisch

Außerdem bekommt die Schulaufsicht die Daten über ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich und soll die Schulentwicklung entsprechend steuern - etwa durch Änderungen in der Lehreraus- und -fortbildung, der Lehrpläne, Bücher oder beim Stundenausmaß einzelner Fächer. "Die Ergebnisse dienen jedoch nicht zur Erstellung von Schulankings", wie das für die Abwicklung zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) betont. Es soll auch keine Reihung nach Bundesländern geben.

Nach dem Mathematik-Test im Mai 2012 folgt 2013 die Erhebung der Kompetenzen im Fach Englisch in der achten Schulstufe. Gleichzeitig sollen erstmals die rund 83.000 Schüler der vierten Schulstufe in Mathematik getestet werden. Für 2014 sind Überprüfungen des Fachs Deutsch in beiden Altersgruppen angesetzt. 2015 beginnt der Drei-Jahres-Zyklus mit Mathematik in der achten Schulstufe von vorne, die Volksschulen sind erst 2016 wieder dran. Die Gesamtkosten für das Projekt von der Entwicklung über die Ausgangstestungen bis zu den Standardüberprüfungen liegen zwischen dem Start 2009 und dem Ende des ersten Durchgangs 2014 laut Unterrichtsministerium bei rund 42 Mio. Euro. (APA)

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15 Postings
Penelope11
01
10.9.2011, 13:11

Jaaa, das wird sicher ganz viel helfen und zur Steigerung des Niveaus beitragen, wenn getestet wird bis zum Abwinken! Der Normierungs- und Testwahn hat leider seine Spitze noch nicht erreicht. Hier werden Unsummen in etwas hineingebuttert, was man viel, viel einfacher und GRATIS haben könnte: jeder Lehrer/jede Lehrerin kann kompetent und ohne großen Aufwand darüber Auskunft geben, ob seine/ihre SchülerInnen sehr gut, gut, durchschnittlich oder schwach/zu schwach im Lesen, in Mathe etc. sind. Das Testergebnis meiner Klasse hat mir keinerlei neue Einsichten verschafft. Wozu das Ganze? Es kostet Geld, das viel sinnvoller in echte Fördermaßnahmen investiert werden könnte und hält den Schulbetrieb durch den administrativen Aufwand sinnlos auf.

Markus Freyberg
00
Das wird gewaltig in die Hose gehen.

Ich freu mich schon auf die Diskussion ob man mit 6 oder 7 Fünfern die Matura kriegt....

soisteshalt
02
Wird nicht in die Hose gehen - ganz im Gegenteil:

Da alle Aufgaben vorher ja schon mehrfach in Pilottests getestet wurden, weis man ja schon, welche Aufgabe von wie vielen im Schnitt gelöst wird.

Also kann man bequem den Test so zusammenstellen, dass das Ergebnis wie gewünscht aussieht. Z.B. 80% durchschnittliche Lösungswahrscheinlichkeit - Spitzenergebnis!

Sollte es günstige NMS-Beispiele geben (also die besonders gut von NMS-Schülern gelöst wurden) kann man die auch gleich alle reinpacken, damit die Überprüfung auch POLITISCH korrekte Ergebnisse liefert.

Cerrmet
 
00
Mein kleiner Bruder hat im Juni die 4. Klasse HS beendet,

hatte all die Jahre eine 1 in Mathe in der 1. Leistungsgruppe und hat keine Ahnung davon, wie man den Umfang eines Kreises berechnet oder eine einfache Gleichung löst, vom Umgang mit Brüchen oder Prozentzahlen braucht man erst gar nicht reden. Es ist im Unterricht einfach nicht vorgekommen, weil sie stoffmäßig noch in der 2. Klasse festhingen. Das war 1. LG, man kann sich vorstellen, was in der 2. oder 3. los war. Dabei war das noch eine HS am Land, die i.d.R. noch ein höheres Niveau als jene in Wien aufweisen. Alles andere als ein Desaster dürfte auf eine gefälschte Studie hinweisen.

Aber egal, die können ja alle Wolfsforscher werden, da braucht man ja schließlich kein Mathe, wie uns der Herr Professor kürzlich erläuterte....

D/E
02
Manchmal scheint die Kontrolle durch Schulleitung

und Schulaufsicht komplett zu versagen.

Ich glaube Ihnen die Geschichte, die ein Skandal ersten Ranges ist. Interessant dabei ist, dass gerne so getan wird, als ob Hauptschulen viel besser für das Fortkommen der Kinder sorgen und nur die bösen AHS-Lehrer/innen alles falsch machen würden.

Aus der Sicht eines "Abnehmers" (Ich unterrichte an einer HTL.) kann ich nur bestätigen, dass Schüler/innen aus beiden Schulformen mit de facto allen denkbaren Kenntnisständen kommen. Das reicht z. B. in den Fremdsprachen von Niveau A1 bis B2. Entscheidend ist nicht der Schultyp, sondern die Schule (und die unterrichtenden Lehrer).

Der Kompetenz-Test in Englisch letztes Jahr hat das nicht aufgezeigt, da er schlicht und einfach unbrauchbar war.

stall
00
sie werden beim lügen

nicht rot, gell.

Cerrmet
 
00

Ob mir irgendein Random-Typ im Forum hier das glaubt oder nicht interessiert mich nicht wirklich-aber ich versteh, dass du sowas nicht glauben willst, ich wills ja selber nicht wahrhaben.

stall
00
sollte das wirklich stimmen

dann läuft zumindest in dieser schule einiges schief.

Cerrmet
 
00

Ja, es läuft so einiges schief. Ich befürchte aber, dass das kein Einzelfall ist. Wie er im Vergleich zu anderen abschneidet, wird sich jetzt zeigen, wenn die HTL beginnt.

soisteshalt
00

Warte nur bis eure HS zur NMS umgetauft wird, dann wird alles besser, denn die NMS ist die Lösung für diese Bildungsmisere ... oder doch nicht?

der grammatik
03
Solche Tests sind derartig unnötig

Wie gut sich ein Kind in der Schule tut, wird zu 95% vom familiären Hintergrund bestimmt. Interessieren sich die Eltern nicht für die Schule, tun dies die Kinder auch nicht.

Und da die Tendenzen immer weiter dahin gehen, dass die Eltern sämtliche bildungsrelevanten Aufgaben an die LehrerInnen weitergeben, únd sich die Eltern in Sachen Schule immer weiter aus der Affäre ziehen, braucht es nicht wundern, wenn sich Kinder in der Schule immer schwerer tun und LehrerInnen immer mehr überfordert sind.

Aber lieber nicht mit der Materie auseinandersetzen, sondern teure und nutzlose "Pakete schnüren" und den Hass der Gesellschaft auf Schule und LehrerInnen lenken.

Penelope11
00
10.9.2011, 13:13
So ist es!

komajo
00
Wenn

man etwas weiß, dann ist man kompetent. Wenn man nichts weiß, dann ist man inkompetent. Wer das nicht weiß, kann Aussagen wie in diesem Artikel machen.

blackdeeper
13
31.8.2011, 19:01
kein faktenwissen?

zugegeben, das derzeitige auswendiglernen für tests und dann vergessen ist nicht besonders toll.
aber die demonstrative abkehr von konkretem wissen - mit dem argument "wer will, kann es ins internet schauen" - und diesen diffusen "kompetenzen" führt nur hin zu einer kultur in der der schein mehr zählt als das sein. präsentieren, sich verkaufen können, wichtig schwafeln ... DAMIT werden wir in der konkurrenz zu asien keinen blumentopf gewinnen können.

soisteshalt
13
31.8.2011, 16:29
Da wird nichts böses herauskommen! Wie auch!?

Da alle Aufgaben vorher ja schon mehrfach in Pilottests getestet wurden, weis man ja schon, welche Aufgabe von wie vielen im Schnitt gelöst wird.

Also kann man bequem den Test so zusammenstellen, dass das Ergebnis wie gewünscht aussieht.

Sollte es günstige NMS-Beispiele geben (also die besonders gut von NMS-Schülern gelöst wurden) kann man die auch gleich alle reinpacken, damit die Überprüfung auch POLITISCH korrekte Ergebnisse liefert.

Es wird halt alles nichts helfen, irgendwer wird sich mal trauen müssen zu sagen, das wir festlegen, was gekonnt werden soll und das auch abprüfen und auf das Ergebnis gespannt warten.
Jetzt wissen die Ersteller das Ergebnis mit +-1% eh schon.
-> sinnlose Geldvernichtung ohne Wert für das Schulsystem.

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