Weniger Mitarbeiter in Wien

Bwin.party will bald in den USA pokern

31. August 2011, 10:19
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    foto: apa

    Bwin.party hat seinen Firmensitz auf der britischen Mittelmeerenklave Gibraltar und notiert an der Londoner Börse. Die über 3.100 Mitarbeiter des Konzerns sind verstreut über Europa, Israel, die USA und Indien.

Fusion kostete bisher rund 100 Jobs in Österreich, dafür werden mehr IT-Fachkräfte in Indien angestellt, das Halbjahres-Ergebnis ist tiefrot

Wien/London - Der börsenotierte Internet-Sportwettenanbieter bwin.party wartet nach wie vor auf die Öffnung des US-amerikanischen Online-Pokermarkts und hofft, vom Vorgehen der US-Justiz gegen die drei großen Konkurrenzplattformen Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker auch längerfristig profitieren zu können. Full Tilt musste seinen Betrieb bereits gänzlich einstellen - "wir glauben, das könnte so bleiben", sagte bwin.party-Co-CEO Norbert Teufelberger. Bisher seien rund 15 Prozent der Full-Tilt-Spieler zu bwin.party gewandert, der Rest sei wahrscheinlich zu PokerStars gegangen.

"Wir müssen abwarten, was sich bei PokerStars tut", so Teufelberger. PokerStars habe zwar wie Full Tilt sein US-Geschäft einstellen müssen, agiere aber in Europa "nach wie vor sehr erfolgreich". Von daher sei es "schwer abschätzbar", ob die früheren Full-Tilt-Kunden "auch bei uns weiterspielen".

In den USA ist Online-Glücksspiel eigentlich seit 2006 verboten, dennoch verzocken die Amerikaner Milliarden auf diversen Internetportalen. Am 15. April - der Tag gilt in der Branche als "Schwarzer Freitag" - wurden die drei großen Pokerportale zugedreht, Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker sind wegen Geldwäsche, Betrugs und illegalen Glücksspiels angeklagt. "Drei Personen wurden eingesperrt, acht sind nach wie vor flüchtig", sagte Teufelberger.

Suche nach einem Partner

Der austro-britische Anbieter bwin.party ist indes nach wie vor auf der Suche nach einem Partner für die USA. Konkretes wollte sich Teufelberger aber nicht entlocken lassen. "Wir werden einen starken Partner haben" und "verhandeln mit vielen". Genaueres wolle man erst bekanntgeben, wenn ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird. Bisweilen sei offen, ob Poker auf Basis eines Bundesgesetzes erlaubt wird oder auf Bundesstaatenebene. Heuer wird daraus aber eher nichts mehr werden. "Die Chance, dass es noch dieses Jahr kommt, liegt bei 30 Prozent", meinte Teufelberger.

Unklar - und daher für bwin.party nicht unbedingt zufriedenstellend - ist die gesetzliche Situation auch in vielen europäischen Märkten. In Deutschland etwa, wo seit Monaten um einen neuen Glücksspielvertrag gerungen wird, "kann es in alle Richtungen gehen", so Teufelberger. Im Juli äußerte die EU-Kommission Bedenken gegen den Entwurf von 15 deutschen Bundesländern - Brüssel will vor allem das deutsche Sportwettenmonopol knacken, an dem die Länder wegen der hohen Einnahmen vehement festhalten. "Wir nehmen an, dass es jetzt hitzige Diskussionen geben wird, wie man auf die Kritik reagiert", so Teufelberger. Fraglich sei auch, ob Schleswig-Holstein, dessen Gesetzesentwurf von der Kommission für gut befunden worden sei, "alleine den Vorstoß wagt und ein eigenes Gesetz beschließt oder versucht, in den anderen Ländern eine Mehrheit zu finden". Teufelberger bezweifelt mittlerweile, dass der Zeitplan, mit 1. Jänner 2012 einen neuen Glücksspielvertrag zu haben, hält.

Mittel- bis langfristig werde es jedoch auch in Deutschland "eine Lösung" geben müssen, so Co-Vorstand von bwin.party. In den umliegenden Ländern habe die Liberalisierung ja schon begonnen. Nun habe sich auch Spanien entschlossen, Internet-Sportwetten, -Casino, -Bingo und -Poker zu erlauben; in Dänemark werde es in Kürze so weit sein. In Italien, das schon früh mit der Öffnung des Glücksspielmarkts begonnen hat, seien seit Mitte Juli auch sogenannte Poker Cash Games im Internet erlaubt, was bwin.party kunden- und umsatzmäßig "sehr geholfen" habe. "70 Prozent des Pokergeschäfts kommen traditionell aus den Cash Games, der Rest aus Turnieren", erläuterte Teufelberger.

Steigende Steuern

Die von privaten Anbietern massiv lobbyierte Marktöffnung hat aber auch eine Kehrseite für die Unternehmen, und zwar mehr Steuern. bwin.party bekam dies im ersten Halbjahr massiv zu spüren, fielen doch heuer gleich in Frankreich, Spanien und Österreich neue Abgaben an. Die meisten Online-Wettanbieter bieten ihre Dienste nicht nur aus rechtlichen, sondern aus steuerlichen Gründen von Ländern wie Gibraltar oder Malta aus an - rein technisch gesehen.

bwin.party etwa hat seinen Firmensitz auf der britischen Mittelmeerenklave Gibraltar und notiert an der Londoner Börse. Die über 3.100 Mitarbeiter des Konzerns sind verstreut über Europa, Israel, die USA und Indien. In Indien beschäftigt bwin.party derzeit rund 600 Personen - hauptsächlich IT-Spezialisten - und es sollen noch mehr werden, bekräftigte Teufelberger. Befürchtungen, dass der Standort Wien, die Heimat von bwin, mit der Fusion sukzessive ausgedünnt wird, zerstreute Teufelberger erneut. Er räumte aber ein, dass der Personalstand "leicht gesunken" sei, und zwar um rund 100 Mitarbeiter. Es arbeiteten aber immer noch rund 700 Personen für bwin.party in Wien. "Natürlich hat es Veränderungen gegeben. Wien ist nach wie vor ein großer Standort der Gruppe", zum Beispiel seien die Sportwettentechnologie, die Zahlungsabwicklung sowie ein Teil des Marketings in der Bundeshauptstadt angesiedelt.

Hoher Halbjahresverlust

bwin.party hat im ersten Halbjahr 2011 einen hohen Verlust eingefahren und auch weniger umgesetzt. Die harte Konkurrenz im Pokerbereich, die Schließung des Online-Casinos für französische User sowie gestiegene Steuern machten dem Unternehmen zu schaffen, darüber hinaus fand heuer keine Fußballweltmeisterschaft statt. Die Aktionäre sollen dennoch eine kleine Zwischendividende von 1,56 Pence je Aktie bekommen - insgesamt sollen 15 Mio. Euro ausgeschüttet werden. Seit Ende Juni hätten sich die Erträge gut entwickelt, man blicke zuversichtlich aufs Gesamtjahr, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch hieß.

Wettanbieter nicht an heimischen Glücksspiellizenzen interessiert

Bwin.party hat sich auch zu den österreichischen Glücksspiellizenzen geäußert. Aber weder für die Spielbankkonzessionen oder die Lotterlizenz noch für die Bundesländerlizenzen für Automatensalons gedenkt das austro-britische Unternehmen ins Rennen zu gehen. "Würde es in Österreich eine eigene Onlinelizenz geben, würden wir uns natürlich bewerben", sagte Teufelberger. Die Bewerbung des kleinen Konkurrenten bet-at-home für die Lotterielizenz, an der auch die Berechtigung für Online-Zocken hängt, "interpretieren wir eher als PR-Gag".

Synergieeffekte durch Fusion kommen erst

Im ersten Halbjahr belief sich der Pro-Forma-Umsatz auf 398 Mio. Euro, das sind drei Prozent weniger als in der Vergleichsperiode 2010. Rückläufig waren die Erträge sowohl im Sportwettenbereich (pro forma 125,7 Mio. nach 128,1 Mio. Euro) als auch bei Poker (104,9 Mio. nach 116,5 Mio. Euro) und Bingo (33 Mio. nach 36 Mio. Euro). Im Casinos&Games-Bereich sind die Einsätze von 121,9 Mio. Euro auf 124,3 Mio. Euro gestiegen.

Das Pro-Forma-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebtida) aus fortgeführten Geschäften sackte um mehr als ein Fünftel von 104,1 Mio. Euro auf 81,9 Mio. Euro ab, das bereinigte Ebitda (pro forma) schrumpfte von 92 Mio. auf 72,4 Mio. Euro. Unterm Strich blieb ein Pro-Forma-Verlust von 41 Mio. Euro nach einem Gewinn von 35,0 Mio. Euro. Der Verlust auf fortgeführten Geschäften (pro forma) wurde mit 29 Mio. (+56,4 Mio.) Euro ausgewiesen.

bwin.party erwartet nun höhere Synergieeffekte aus der Fusion, nämlich 65 Mio. Euro statt 55 Mio. Euro im Jahr 2013. Das Unternehmen ist aus der Fusion des Wiener Sportwettenanbieters bwin mit der britischen PartyGaming entstanden. (APA)

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11 Postings
alexia1
 
00
14.9.2011, 09:26
viel Konkurrenz?

Gibt es wirklich so viel Konkurrenz auf dem Markt, dass es bwin so schlecht geht oder woran liegt das, dass der Verluste verzeichnet? Ich dachte mir eigentlich, dass viele Menschen Poker spielen, noch mehr als Online Bingo, oder täusche ich mich? Kenne mich ehrlich gesagt mit Poker gar net aus, hab zwar auf win2day mal reingeschaut, aber das wars dann auch :-).

ATHARAXIS
 
00
31.8.2011, 17:28

Kein Wunder, bei der Software, Rakedeals, Promos, die besonders lachhaft sind, laufen alle zu Jokerstars, mal schauen ob sich das das nächste Jahr ändert und wer etwas anderes als Poker spielt hat sowieso mit seinem Leben etwas falsch gemacht.

Neues Österreich
01
31.8.2011, 16:57
Wer von Österreich Arbeitsplätze ins billigere Ausland

verlagert, der braucht auch von den Österreichern keine Einnahmen. Also Aufruf zum Spielerboykott! Das ist wieder typisch für den Nadelstreifsozialisten Hannes Androsch. In Ö sämtliche Vorteile ausnutzen und dann die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Rücksichtslos der Typ.

randy handsome
00
31.8.2011, 17:09
Dann müssten sie für...

...alles was nicht made in austria ist genau so zum boykott aufrufen weil die gewinne (das geld dass die österrreicher ausgeben) ins ausland gehen....sie übersehen aber, dass hierzulande steuern gezahlt werden die dem staat und somit sozialsystem zugute kommen. Klar kann man nicht für den totalen abbau von arbeitsplätzen sein, solange eine firma gewinne macht. Bei bwin allerdings gehts um viel, da sie in den miesen sind und immerhin noch 700 arbeitsplätze in wien sind...bwin selbst stellt sich übrigens positiver dar als sie unterwegs sind...

Neues Österreich
00
31.8.2011, 19:57
Ich übersehe gar nichts, denn durch

die Gruppenbesteuerung, zahlen wir für ausländische Arbeitsplätze doppelt. Doppelt deshalb, weil von uns Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden und Verluste die im Ausland erwirtschaftet werden, werden mit den Gewinnen im Inland gegenverrechnet. Durch die glorreiche Politik eines Herrn Schüssel mit seinem Finanzminister Grasser ist es heutzutage ganz einfach den Staat um seine Einnahmen zu bringen. Auch gbt es keinerlei Verantwortung der Unternehmer gegenüber ihren AN, den beim geringsten Hauch von Umsatzeinbussen, werden die AN auf die Straße gesetzt. Daher meine Ungehaltenheit gegen Unternehmer die sich sofort von ihrem Heimatland verabschieden, aber die Infrastruktur sehr wohl zu nutzen wissen.

erwin meier
00
25.9.2011, 21:23

sie benutzen aber hoffentlich keinen ausländischen browser mit einem ausländischen betriebssystem auf ausländischer hardware, um hier zu posten, denn die schaffen alle keine arbeitsplätze hier! oder sind diese unternehmen besser, weil sie nie arbeitsplätze hier hatten? oder gelten ihre regeln sowieso nur für die anderen?

Neues Österreich
00
26.9.2011, 09:00
Wahrscheinlich habe ich mich falsch ausgedrückt,

aber zur Richtigstellung: Ich habe nichts gegen ausländische Produkte oder überhaupt etwas gegen Ausländer im Allgemeinen.Wogegen ich etwas habe ist, dass eine Politik wie von dem unseligen Kanzler Schüssel mit seinem Vasallen Grasser die österr. Steuerzahler begaunert. Die Gruppenbesteuerung ist nämlich eine aufgelegte Gaunerei. Ich mache im Ausland Verluste - nichts leichter als das - dann zahle ich keine Steuern für die Gewinne in meinem Ursprungsland. Gibt es noch eine sichere und risikolosere Investitionsgrundlage ? So züchtet man satturierte Unternehmer, die für alle Fälle abgesichert sind. Beim Arbeitnehmer liegt das Risiko klar auf seiner Seite, denn macht ein unfähiger Unternehmer Verluste, stehen die AN auf der Straße. so schauts

awien
00
31.8.2011, 12:28
Der IT-Fachpersonal-Mangel ist eklatant

Kommt der Verlust vielleicht daher?
Oder die "Spezialisten" kommen wegen der Verluste nicht.

lichaot
01
31.8.2011, 13:13

15% weniger Leute in Ö- Waren das keine Fachkräfte? Warum hat er die nicht weiter beschäftigt?

mond / möndin
03
31.8.2011, 10:20
Das waren die Typen, die gestern ein Interview über fehlende IT Kräfte hatten?

mephisto666
00
31.8.2011, 15:11

ja und zwar wiedermal häneringend

http://derstandard.at/131051179... t-eklatant

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