Fusion kostete bisher rund 100 Jobs in Österreich, dafür werden mehr IT-Fachkräfte in Indien angestellt, das Halbjahres-Ergebnis ist tiefrot
Wien/London - Der börsenotierte Internet-Sportwettenanbieter bwin.party wartet nach wie vor auf die Öffnung des US-amerikanischen Online-Pokermarkts und hofft, vom Vorgehen der US-Justiz gegen die drei großen Konkurrenzplattformen Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker auch längerfristig profitieren zu können. Full Tilt musste seinen Betrieb bereits gänzlich einstellen - "wir glauben, das könnte so bleiben", sagte bwin.party-Co-CEO Norbert Teufelberger. Bisher seien rund 15 Prozent der Full-Tilt-Spieler zu bwin.party gewandert, der Rest sei wahrscheinlich zu PokerStars gegangen.
"Wir müssen abwarten, was sich bei PokerStars tut", so Teufelberger. PokerStars habe zwar wie Full Tilt sein US-Geschäft einstellen müssen, agiere aber in Europa "nach wie vor sehr erfolgreich". Von daher sei es "schwer abschätzbar", ob die früheren Full-Tilt-Kunden "auch bei uns weiterspielen".
In den USA ist Online-Glücksspiel eigentlich seit 2006 verboten, dennoch verzocken die Amerikaner Milliarden auf diversen Internetportalen. Am 15. April - der Tag gilt in der Branche als "Schwarzer Freitag" - wurden die drei großen Pokerportale zugedreht, Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker sind wegen Geldwäsche, Betrugs und illegalen Glücksspiels angeklagt. "Drei Personen wurden eingesperrt, acht sind nach wie vor flüchtig", sagte Teufelberger.
Suche nach einem Partner
Der austro-britische Anbieter bwin.party ist indes nach wie vor auf der Suche nach einem Partner für die USA. Konkretes wollte sich Teufelberger aber nicht entlocken lassen. "Wir werden einen starken Partner haben" und "verhandeln mit vielen". Genaueres wolle man erst bekanntgeben, wenn ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird. Bisweilen sei offen, ob Poker auf Basis eines Bundesgesetzes erlaubt wird oder auf Bundesstaatenebene. Heuer wird daraus aber eher nichts mehr werden. "Die Chance, dass es noch dieses Jahr kommt, liegt bei 30 Prozent", meinte Teufelberger.
Unklar - und daher für bwin.party nicht unbedingt zufriedenstellend - ist die gesetzliche Situation auch in vielen europäischen Märkten. In Deutschland etwa, wo seit Monaten um einen neuen Glücksspielvertrag gerungen wird, "kann es in alle Richtungen gehen", so Teufelberger. Im Juli äußerte die EU-Kommission Bedenken gegen den Entwurf von 15 deutschen Bundesländern - Brüssel will vor allem das deutsche Sportwettenmonopol knacken, an dem die Länder wegen der hohen Einnahmen vehement festhalten. "Wir nehmen an, dass es jetzt hitzige Diskussionen geben wird, wie man auf die Kritik reagiert", so Teufelberger. Fraglich sei auch, ob Schleswig-Holstein, dessen Gesetzesentwurf von der Kommission für gut befunden worden sei, "alleine den Vorstoß wagt und ein eigenes Gesetz beschließt oder versucht, in den anderen Ländern eine Mehrheit zu finden". Teufelberger bezweifelt mittlerweile, dass der Zeitplan, mit 1. Jänner 2012 einen neuen Glücksspielvertrag zu haben, hält.
Mittel- bis langfristig werde es jedoch auch in Deutschland "eine Lösung" geben müssen, so Co-Vorstand von bwin.party. In den umliegenden Ländern habe die Liberalisierung ja schon begonnen. Nun habe sich auch Spanien entschlossen, Internet-Sportwetten, -Casino, -Bingo und -Poker zu erlauben; in Dänemark werde es in Kürze so weit sein. In Italien, das schon früh mit der Öffnung des Glücksspielmarkts begonnen hat, seien seit Mitte Juli auch sogenannte Poker Cash Games im Internet erlaubt, was bwin.party kunden- und umsatzmäßig "sehr geholfen" habe. "70 Prozent des Pokergeschäfts kommen traditionell aus den Cash Games, der Rest aus Turnieren", erläuterte Teufelberger.
Steigende Steuern
Die von privaten Anbietern massiv lobbyierte Marktöffnung hat aber auch eine Kehrseite für die Unternehmen, und zwar mehr Steuern. bwin.party bekam dies im ersten Halbjahr massiv zu spüren, fielen doch heuer gleich in Frankreich, Spanien und Österreich neue Abgaben an. Die meisten Online-Wettanbieter bieten ihre Dienste nicht nur aus rechtlichen, sondern aus steuerlichen Gründen von Ländern wie Gibraltar oder Malta aus an - rein technisch gesehen.
bwin.party etwa hat seinen Firmensitz auf der britischen Mittelmeerenklave Gibraltar und notiert an der Londoner Börse. Die über 3.100 Mitarbeiter des Konzerns sind verstreut über Europa, Israel, die USA und Indien. In Indien beschäftigt bwin.party derzeit rund 600 Personen - hauptsächlich IT-Spezialisten - und es sollen noch mehr werden, bekräftigte Teufelberger. Befürchtungen, dass der Standort Wien, die Heimat von bwin, mit der Fusion sukzessive ausgedünnt wird, zerstreute Teufelberger erneut. Er räumte aber ein, dass der Personalstand "leicht gesunken" sei, und zwar um rund 100 Mitarbeiter. Es arbeiteten aber immer noch rund 700 Personen für bwin.party in Wien. "Natürlich hat es Veränderungen gegeben. Wien ist nach wie vor ein großer Standort der Gruppe", zum Beispiel seien die Sportwettentechnologie, die Zahlungsabwicklung sowie ein Teil des Marketings in der Bundeshauptstadt angesiedelt.
Hoher Halbjahresverlust
bwin.party hat im ersten Halbjahr 2011 einen
hohen Verlust eingefahren und auch weniger umgesetzt. Die harte
Konkurrenz im Pokerbereich, die Schließung des Online-Casinos für
französische User sowie gestiegene Steuern machten dem Unternehmen zu
schaffen, darüber hinaus fand heuer keine Fußballweltmeisterschaft
statt. Die Aktionäre sollen dennoch eine kleine Zwischendividende von
1,56 Pence je Aktie bekommen - insgesamt sollen 15 Mio. Euro
ausgeschüttet werden. Seit Ende Juni hätten sich die Erträge gut
entwickelt, man blicke zuversichtlich aufs Gesamtjahr, wie es in
einer Mitteilung vom Mittwoch hieß.
Wettanbieter nicht an heimischen Glücksspiellizenzen interessiert
Bwin.party hat sich auch zu den österreichischen
Glücksspiellizenzen geäußert. Aber weder für die Spielbankkonzessionen oder die
Lotterlizenz noch für die Bundesländerlizenzen für Automatensalons
gedenkt das austro-britische Unternehmen ins Rennen zu gehen. "Würde
es in Österreich eine eigene Onlinelizenz geben, würden wir uns
natürlich bewerben", sagte Teufelberger. Die Bewerbung des kleinen Konkurrenten bet-at-home
für die Lotterielizenz, an der auch die Berechtigung für
Online-Zocken hängt, "interpretieren wir eher als PR-Gag".
Synergieeffekte durch Fusion kommen erst
Im ersten Halbjahr belief sich der Pro-Forma-Umsatz auf 398
Mio.
Euro, das sind drei Prozent weniger als in der Vergleichsperiode
2010. Rückläufig waren die Erträge sowohl im Sportwettenbereich (pro
forma 125,7 Mio. nach 128,1 Mio. Euro) als auch bei Poker (104,9 Mio.
nach 116,5 Mio. Euro) und Bingo (33 Mio. nach 36 Mio. Euro). Im
Casinos&Games-Bereich sind die Einsätze von 121,9 Mio. Euro auf
124,3
Mio. Euro gestiegen.
Das Pro-Forma-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(Ebtida) aus fortgeführten Geschäften sackte um mehr als ein Fünftel
von 104,1 Mio. Euro auf 81,9 Mio. Euro ab, das bereinigte Ebitda (pro
forma) schrumpfte von 92 Mio. auf 72,4 Mio. Euro. Unterm Strich blieb
ein Pro-Forma-Verlust von 41 Mio. Euro nach einem Gewinn von 35,0
Mio. Euro. Der Verlust auf fortgeführten Geschäften (pro forma) wurde
mit 29 Mio. (+56,4 Mio.) Euro ausgewiesen.
bwin.party erwartet nun höhere Synergieeffekte aus der Fusion,
nämlich 65 Mio. Euro statt 55 Mio. Euro im Jahr 2013. Das Unternehmen
ist aus der Fusion des Wiener Sportwettenanbieters bwin mit der
britischen PartyGaming entstanden. (APA)