"Human Rights Watch" forderte neues Verkaufsverbot für Diamanten aus dem Marangegebiet
Johannesburg - Im Marange-Diamantengebiet von Simbabwe werden nach
Angaben der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" weiter Menschen
misshandelt und brutal verfolgt. Polizei und private Sicherheitskräfte der
Diamantenkonzerne setzten Schusswaffen und scharfe Hunde gegen illegale
Minenarbeiter ein, heißt es in einer am Dienstag in Johannesburg
veröffentlichten Mitteilung. Die Sicherheitsleute würden "unmenschlich" und
"barbarisch" vorgehen.
Mediziner in den Krankenhäusern im Bezirk Chiadzwa würden von monatlich 15
bis 20 Arbeitern sprechen, die mit Schussverletzungen oder Bisswunden
eingeliefert würden, so die Organisation. Sie geht zudem von einer hohen
Dunkelziffer der Opfer aus, weil viele Verletzte eine strafrechtliche Verfolgung
fürchteten.
Verbot aufgehoben
Simbabwe hat die größten Diamantenvorkommen der Welt. Dem Regime des
autokratischen Präsidenten Robert Mugabe (87) wurde 2009 nach zahlreichen
Verstößen gegen die Menschenrechte der weitere Verkauf von Diamanten auf dem
Weltmarkt durch die internationale Gemeinschaft verboten. Im Juni wurde das
Verbot durch den derzeitig amtierenden Chef des sogenannten Kimberley-Prozesses
zur Bekämpfung des illegalen Diamantenhandels, Mathieu Yamba (Demokratische
Republik Kongo), überraschend aufgehoben.
"Human Rights Watch" forderte ein neues Verkaufsverbot für Diamanten aus dem
Marangegebiet. "Der Kimberley-Prozess scheint sein Ziel aus den Augen verloren
zu haben, zu verhindern, dass es Blutdiamanten bis zum Verbraucher schaffen",
meinte Afrika-Experte Tiseke Kasambala.
Der britische Fernsehsenders BBC hatte Anfang August von einem Folterlager
der Sicherheitskräfte in dem Diamantengebiet berichtet. Tägliches Auspeitschen
und die Vergewaltigung weiblicher Gefangener gehörten demnach zu den
umstrittenen Maßnahmen. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton
sagte in Brüssel, dass es für die Existenz des Folterlagers keine "fundierten
Beweise" gebe. (APA)