Tagung in Bregenz

Tragödien während der Schwangerschaft

30. August 2011, 16:05

Veranstaltung will Impulse für fachlichen und menschlichen Umgang mit krisenhaften Ereignissen rund um Schwangerschaft und Geburt setzen

Bregenz - Rund 300 Ärzte, Hebammen und Psychologen diskutieren am 2. und 3. September im Rahmen der Bodenseedialoge 2011 im Bregenzer Festspielhaus über existenzielle Krisen bei Schwangerschaft und Geburt. Medizinische Komplikationen, Fehl- oder Totgeburt bedeuten nicht nur für die betroffene Frau sondern auch für das Fachpersonal eine große Herausforderung. Die von der Schwangerschaftsberatung schwanger.li initiierte Veranstaltung will Impulse für den fachlichen und menschlichen Umgang mit diesen Krisen setzen, hieß es in einer Aussendung.

Unter dem Titel "Wenn Schwangerschaft zur Tragödie wird" werden in Vorträgen beispielsweise Krisenintervention bei Schicksalsschlägen, der Verlust eines Kindes aus psychoanalytischer Sicht, Kommunikationskonzepte bei schlechten Nachrichten, die Bedeutung von psychosozialer Beratung, Umgang mit Dilemmasituationen und Psychohygiene bei belastenden Ereignissen thematisiert.

Emotionale Belastung

Neben der medizinischen Seite wiesen krisenhafte Ereignisse rund um Schwangerschaft und Geburt psychologische, soziale und ethische Seiten auf. Trauer, Kränkung, Schuld- und Schamgefühl - die emotionalen Belastungen könnten sich bei der betroffenen Frau zur Traumatisierung auswachsen. Darum sei ein gemeinsames Vorgehen von Ärzten, Hebammen und Psychologen wichtig. "Denn Zusammenarbeit nützt der Frau in der Krise", so Hans Concin, Leiter der Frauenheilkunde-Abteilung am Landeskrankenhaus Bregenz.

Man erlebe bei der Arbeit bei schwanger.li, dass eine Begleitung durch psychosoziale Beratung den Frauen sehr helfe und die Ärzte entlasten könne, so Tagungsleiter Christoph Jochum, zugleich Geschäftsführer von schwanger.li. Um dies weiter zu verbessern, sei noch mehr Austausch und Vernetzung der verschiedenen Disziplinen nötig. Dass man mit dem Tagungsthema einen Nerv getroffen habe, bewiesen die vielen Anmeldungen und die Kooperation der Universitätsfrauenkliniken Zürich, Innsbruck und Ulm. 2012 wird zum Thema "Schwangerschaft und Psyche" diskutiert werden.

Die Beratungsstelle schwanger.li wurde 2006 von Erbprinzessin Sophie von Liechtenstein in Feldkirch gegründet. Stand zunächst eine Beratung in einem Schwangerschaftskonflikt im Vordergrund, verstehe man sich heute als psychosoziale Fachstelle für alle Fragen rund um das Thema Geburt, hieß es. Seit der Eröffnung wurden 1.585 Klienten betreut, elf Prozent stammten aus Liechtenstein. (APA)

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