Veranstaltungsreihe für Spieleentwickler und Neulinge setzt auf praxisorientierte Wissensvermittlung - Betreiber Neufeld: "Viele wissen gar nicht, welche Berufsgelder es gibt"
"Es hat sich aus regelmäßigen Gesprächen mit Vertretern der Branche ergeben, dass man mehr braucht als eine Theorie-Reihe." Damit begründet Jogi Neufeld, Betreiber von Subotron im Wiener Museumsquartier, die Entscheidung des Vereins, die seit mehreren Jahren laufenden "Electric Meetings" durch die praxisorientierte Reihe "Pro Games" zu ergänzen. Ab kommenden Donnerstag lädt der Shop und Treffpunkt für Spiele-Fans und -Entwickler zum wöchentlichen Szenemeeting und setzt dabei neben Vernetzung der heimischen Protagonisten auch auf grundlegende Wissensvermittlung.
"Viele wissen gar nicht, welche Berufsfelder und -zweige es gibt"
Steht in der Theorie-Reihe die wissenschaftliche und künstlerische Erschließung von Computerspielen im Fokus, bietet "Pro Games" vier Eckpfeiler: Entwickler stellen sich vor, Ausbildungsstätten geben eine Überblick über die derzeitigen Lehrgänge und Arbeitsfelder der Branche werden vermittelt. Zusätzlich gibt es einmal im Monat das "Gamers gathering", bei dem sich Unternehmensvertreter und Interessierte in einem informellen Rahmen vernetzen können. "Viele wissen gar nicht, welche Berufsfelder und -zweige es gibt", kommentiert Neufeld im APA-Gespräch die Notwendigkeit einer stärkeren Branchenvernetzung.
Aber nicht nur direkt in der Szene Involvierte sollen die Veranstaltungsreihe nützen, auch klassische Wirtschaftsunternehmen gelten als Zielgruppe. Hier geht es u.a. um das Stichwort "gamification": Mittels Integration von Online-Spielen können beispielsweise neue Produkte lanciert werden. "Es gibt genug Potenzial, nur kennt man diese Unternehmen meist nicht", so Neufeld. Daneben will man auch "Lernen mit spielerischem Aspekt" stärker transportieren. Verschiedenste Kooperationen zwischen Spieleentwicklern und Wirtschaftstreibenden hätten gezeigt, "dass unsere langjährige Bestrebung, die Akzeptanz für digitale Spiele zu erhöhen, jetzt in alle gesellschaftlichen Bereiche einfließt. Hier handelt es sich um eine Branche, die es zu unterstützen gilt."
Gästeliste
Eröffnet wird die "Pro Games"-Reihe am Donnerstag mit einer Keynote-Speech von Frank Sliwka, Event Director der "GameDevelopersConference Europe". Dabei stehen die Entwicklung der Games-Szene in den vergangenen Jahren sowie mögliche zukünftige Trends im Mittelpunkt, wobei besonders der deutschsprachige Raum berücksichtigt werden soll. Weitere Gäste in den kommenden Wochen sind Alex Taube, Projektleiter bei Crytek in Frankfurt, oder Jeroen van Mastrigt, der an der Utrecht School of the Arts unterrichtet.
Zusätzlich stellen sich heimische Unternehmen wie Greentube oder Sproing vor. Platz gibt es aber für Projekte jeder Größe, "egal ob Ein-Personen-Unternehmen oder global agierende Player", wie Neufeld unterstreicht. Nach der Schließung der "Rockstar Vienna"-Studios im Mai 2006 sei ein enormes Potenzial frei geworden, immerhin saßen dadurch von einem Tag auf den anderen rund 80 Mitarbeiter auf der Straße. "Aus diesem kreativen Pool sind viele Kleinst- und Kleinunternehmen entstanden, die sich etwa mit Browser- und Online-Spielen etabliert haben."
Support
Finanziell unterstützt wird "Pro Games" von der Wirtschaftskammer Wien. Das Programm ist bereits bis Juni kommenden Jahres fixiert, nur im Dezember und Jänner wird die Reihe bis auf die monatlichen Branchenmeetings pausieren. Eine weitere Verschränkung mit kreativen bzw. künstlerischen Agenden sei vorerst nicht geplant. "Das wollen wir in der Theorie-Reihe belassen", erklärt Neufeld. (APA)