Fried Rat und gärender Teeblattsalat

Tobias Müller, 22. November 2011, 16:32

Rohes Obst und Würmer: Tobias Müller gibt Schmeck's die Ehre mit einem Ausflug in Burmas Wirtshäuser

Woher die burmesischen Wirtshausmöbel kommen, lässt sich nur vermuten. Ein gerissener chinesischer Spielwarenvertreter muss es geschafft haben, der burmesischen Junta mehrere Lagerhallen voll Kindermöbel aus buntem Plastik anzudrehen. Seither füllen sie sämtliche Gastgärten und Gehsteige (was meist das selbe ist) des Landes mit Farbe.

Fett hält Essen fit - meist

Mittags wird dort Curry verspeist, des Burmesen Nationalgericht, und eher indisch als thai interpretiert. Frühmorgens rühren die Frauen sie im Kessel über offenem Feuer zusammen, den Rest des Tages reifen sie in der Hitze nach. Eine dicke Fettschicht an der Oberfläche soll das Fleisch davor bewahren, zu verderben. Das klingt vernünftig, funktioniert aber leider nicht immer.

Eine Portion sind meist drei kleine Stücke Fleisch und reichlich fette Sauce. Was satt macht, sind die Beilagen. Sie kommen unbestellt und in großen Mengen - ein Segen bei Sprachbarrieren.

Gärende Teeblätter

Beliebt: Tomatensalat mit Chilli, geschmorte Okraschoten, getrocknete Fische, Bohnen oder Wasserkresse, dazu rohe Gurken, Melanzanie und Kräuter, die in eine scharfe Sauce aus Trockenfisch getunkt werden. Immer dabei: Fischsuppe mit Wasserkresse oder Bambussprossen, von der viele nur den Sud löffeln. Wer einmal erfolglos auf der grasigen Kresse gekaut hat, weiss warum.

Das Beste kommt zum Schluss: Der fermentierte Teeblattsalat. Teeblätter werden dafür dampfgegart und dürfen einige Tage in vergrabenen Körben vor sich hin gären. Dann werden sie mit Chilli, Sesam und Öl angereichert und mit gerösteten Erdnüssen, gehacktem Kraut und Gewürzen zum selber abmischen serviert - seltsam, delikat, schwer nachzukochen.

Tee aus der Untertasse

Vor und nach dem Mittagessen sitzen die Burmesen auf ihren Plastikmöbeln in Teehäusern und schlürfen Instant-Cafe oder Tee von ihrer Untertasse, auf die sie das Gesöff zuvor aus der Tasse gegossen haben. Wer einen Drink bestellt, bekommt automatisch Frittiertes mitgeliefert - Frühlingsrollen und Germkrapfen. Den hungrigen Touristen erfreut zwischendurch der unreife Mangosalat, den Frauen an kleinen Ständen verkaufen. Wer ihn länger genießen möchte, sollte mit Einheimischen nicht über rohes Obst und Würmer sprechen.

Sobald es dunkel wird, stellen Männer in Ruderleibchen verostete Kohlekisten mit Gittern auf die Straße und grillen für die nächsten Stunden alles, was ihre Gäste ihnen in kleinen Plastikkörben reichen: Fische (gern Karpfen, oft schlammig), scharf marinierte Ziegenspiese, Zwergkartoffeln oder Okraschoten. Daneben mischen die Frauen bunte Nudeln, schwarze Pilze und geschnippseltes Gemüse zu einem Salat oder kochen es in scharfer Suppe auf.

Ratte und Stroganoff

Was Rang, Namen oder ausländische Devisen hat, geht abends aber ins Chinarestaurant - zumal diese verlässlich an jenen Stellen stehen, die als romantisch gelten. Kein Flussufer, kein See im Park, an dem sich bei Sonnenuntergang nicht eines finden lässt.

Die Speisekarte der Nobelchinesen erinnert in Umfang und Inhalt meist an eine Mischung aus Meyers großem Tierlexikon und einem Weltatlas. Neben für Europäer Experimentalem („Fried Rat") gibt es Ente süßsauer, Kokoscurry mit Huhn, Pommes Frites und Boef Stroganoff. Oft schmeckt es wie Nachmittags am All you can eat Buffett in Floridsdorf und kostet zwischen 15 und 20 Euro - mehr, als des gemeinen Burmesen Wochenlohn.

What you read is not what you get

Das üppige Angebot entpuppt sich zudem oft als Täuschung: Wer im Landesinneren ganz Speisekartenkonform Shrimps in Kokosmilch bestellt, wird höflich belehrt, dass das Shrimp ein Meerestier ist, und daher hier keinesfalls zu bekommen.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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15 Postings
Fuhu
01
24.11.2011, 10:42

Wie ist das mit der "Fried Rat"? Ist das nicht sehr riskant bezüglich Krankheitsüberträger? Wahrscheinlich sind die Einheimischen ohnehin schon immun bei gewissen Bakterien.

Schnabeltierfresser
03
24.11.2011, 13:18

Fried geht es, rat carpaccio dagegen wäre zu überdenken.

Gehoarg
00
23.11.2011, 15:03
"Kindermöbel"

sind vor allem in Vietnam Standard.

Der Schinese um 15-20 Euro schreckt mich.
Kann mich an ein indisches Lokal in Rangon erinnern, Essen für 2, Beilagen all you can eat, inkl. 1l Wasser um 2 Euro

gxe10sc
00
23.11.2011, 10:57

das hört sich irgendwie alles ziemlich leiwand an :-)

is eh schon fast mittag

Frl. Sutterlüty
01
22.11.2011, 18:30

Melanzanie, fast wie Melanie.

sterngucker
 
03
23.11.2011, 08:18
Und zu den "geschnippselten" "Melanzanie" werden "Ziegenspiese" serviert

Daß noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, Computern das Prüfen der Rechtschreibung beizubringen ...

Spamboy
00
23.11.2011, 09:02

oldschool, wie korrekturlesen, würd auch helfen.

sterngucker
 
01
23.11.2011, 09:48
Dazu sind wir doch da!

Warum für etwas bezahlen, das man auch gratis haben kann, oder für das man womöglich sogar Geld bekommt?

agent provokateur
01
23.11.2011, 10:16

richtig, es gibt eh eine genügende anzahl oberlehrer hier im forum.

agent provokateur
00
23.11.2011, 14:37

:o)

a) ich wurde durch die letzte rechtschreibreform eingedeutscht.

b) ich wollte nicht mit einer dessous-marke verwechselt werden

sterngucker
 
02
23.11.2011, 11:14

Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, daß man "provocateur" mit c schreibt?

Spamboy
00
23.11.2011, 09:55

eh, aber wieso wird dann ned drauf ghört, wenn schon?
den unten angegeführten dilettantismus hab ich eigentlich aufs futtern bezogen.

i lass meine posts auch ned gegenlesen, aber i werd auch ned gefördert :)

sterngucker
 
00
23.11.2011, 11:15
Manchmal wird eh drauf gehört

Und zum Dank werden die aufzeigenden Postings kommentarlos gelöscht. Es gibt keinen Fehler, es hat nie einen Fehler gegeben ...

TheBigBoiler
00
22.11.2011, 16:47
Wohl bekomms...

Wer länger geniessen möchte, sollte mit Einheimischen nicht nur nicht über rohes Obst und Würmer reden, sondern vorallem nicht auf Wasserkresse rumkauen, außer er möchte sich ein paar kapitale Leberegel einfangen.

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