München steigt auf Linux um

27. Mai 2003, 19:13
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Trotz Einsatz von Microsoft-Chef Ballmer und weit reichender Rabattangebote

München wird seine Computer trotz weit reichender Rabattangebote von Microsoft-Chef Steve Ballmer voraussichtlich auf das Konkurrenzprodukt Linux umstellen. Noch vor wenigen Tagen schien der Zug Richtung Microsoft abgefahren zu sein – der WebStandard berichtete. Politiker des rot-grünen Rathausbündnisses sprachen nach den Fraktionsentscheidungen an Montag von einem Signal in dem prestigeträchtigen Duell zwischen den Betriebssystemen Windows und Linux.

Eine Bresche in die monopolartige Stellung des Marktführers

Die Verwaltung der Millionenstadt schlage damit eine Bresche in die monopolartige Stellung des Marktführers Microsoft, sagte der Vizechef der Grünen-Fraktion, Boris Schwartz.

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Die Rathausfraktionen von SPD und Grünen lehnten es am Montag in ihren Sitzungen ab, die veralteten Windows-NT-Computer in der Stadtverwaltung durch neue PCs mit Microsoft-Programmen (Windows XP und Microsoft Office) abzulösen. Stattdessen setzten beide Parteien in der Landeshauptstadt auf das freie Betriebssystem Linux und ein Office-Paket aus dem Open-Source-Bereich.

Weniger Kosten, größere Herstellerunabhängigkeit und Flexibilität

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Christine Strobl sagte, das Betriebssystem Linux garantiere eine größere Herstellerunabhängigkeit und Flexibilität. Zudem verursache diese Lösung deutlich geringere haushaltswirksame Kosten. "Wir sind uns voll darüber bewusst, dass unsere Entscheidung Signalwirkung hat. Die Beraterfirma Unilog bewertete zunächst das nachgebesserte Microsoft-‚Angebot’ als vorteilhafter. Doch hier gab es nach unserer Ansicht noch ungeklärte Fragen, zumal ein neues ‚Angebot’ von IBM vorlag. Schließlich führte die erneute Bewertung praktisch zum Gleichstand zwischen beiden Lösungsvarianten. Da aber die Kombination Linux und Open-Source-Office- Lösung qualitativ-strategisch eindeutig die Nase vorn hat, entschied sich die SPDFraktion für diese Alternative als langfristige Weichenstellung."

Ski-Urlaub unterbrochen

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte im Frühjahr für ein Gespräch mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) eigens seinen Ski-Urlaub in der Schweiz unterbrochen und der Stadt 15 Prozent Rabatt angeboten. Damit schien Microsoft zunächst die Nase vorn zu haben. Bei dem Auftrag geht es um die Umstellung von rund 14 000 Computern.

Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat am 28. Mai. SPD und Grüne haben im Rathaus eine Mehrheit von insgesamt 43 der 80 Sitze. Auf die CSU entfallen 30, auf die FDP drei und auf weitere Parteien vier Sitze. (APA/dpa/red)

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