Mit uns ist zu rechnen

4. Juni 2003, 14:34
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Das Österreichische Sozialforum wird kein Diskussionszirkel, sondern eine Kampfansage an den Neoliberalismus - Klaus Werner, ATTAC Austria

Was haben Katholische Jugend und KommunistInnen, Attac und „Die Bunten“, ÖVP-Bürgermeister Christian Stöckl und Gewerkschaftsboss Hans Sallmutter gemeinsam? Sie werden von Donnerstag bis Sonntag in der Salzburger Stadt Hallein sein, um dort gemeinsam mit mehreren tausend Menschen über eine gerechte Gestaltung der Globalisierung zu diskutieren, vor allem aber, um sich kennen zu lernen und für die Umsetzung neuer Ideen zu vernetzen.

Rückblende

Es begann vor drei Jahren im brasilianischen Porto Alegre: Während sich im Schweizer Bergdorf Davos die Wirtschaftsmächte der Welt zum World Economic Forum versammelten, gründeten soziale Bewegungen aus allen Teilen der Erde das World Social Forum als Vernetzungstreffen des globalen Widerstands gegen die Übermacht der Konzerne und der neoliberalen Regierungen. Der lebensfeindlichen Resignation vor der angeblich immerwährenden globalen Ungerechtigkeit, ausgedrückt durch Margret Thatchers „There is no alternative“, setzten sie ein Glaubensbekenntnis an das Leben entgegen, das zugleich Kampfansage ist: Eine andere Welt ist möglich!

Erstmals in Österreich

Diese Woche findet erstmals auch ein Österreichisches Sozialforum statt. Auch bei uns droht das soziale Auseinanderdriften der Gesellschaft. Vor allem MigrantInnen und Frauen sind von der Teilhabe an Macht und volkswirtschaftlichen Ressourcen weitgehend ausgeschlossen. Die Entsolidarisierung der Pensions- und Sozialsysteme, der mehr oder weniger offene Rassismus seitens politischer SpitzenvertreterInnen (etwa durch die Verschärfung der Asylgesetze), des Staatsapparates und der Medien, die Delegitimierung von Demokratie und Öffentlichkeit und die Vermarktung menschlicher Grundbedürfnisse zerstören auch hierzulande den sozialen Zusammenhalt.

Es reicht uns. Wir lassen uns die Zerstörung von Demokratie und Freiheit nicht mehr gefallen. Das erste Austrian Social Forum, das vom 29.5. bis 1.6. in Hallein stattfindet, ist nur der Anfang. Als Teil einer weltweiten Bewegung werden wir Alternativen zur herrschenden Weltordnung entwickeln und gemeinsam umsetzen. Mit uns ist zu rechnen!

Nachlese

--> Vergessene Schrauben der Pensionen
--> Gender im neuen Budget
--> Venezuela: Erstes Land mit Tobinsteuer
--> Die geraubte Wunschfigur
--> Haftung für Diktaturen
--> Wege aus der Schuldenkrise
--> Synergien für Renditejäger
--> Bankgeheimnis und Globalisierung
--> Das schwarze und das blaue Gold
--> Lokal denken, global handeln – zur Kriegslogik der USA
--> GATS oder der Angriff auf die armen Länder

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Unter dem Motto "Globalisierung braucht Gestaltung" schreibt ein Team von ATTAC Austria ab sofort jeden Montag einen Kommentar.

"ATTAC ist ein globales Netzwerk von Globalisierungs- kritikerInnen, das 1998 in Frankreich entstanden und seither in 40 Ländern weltweit aktiv geworden ist. In dieser Kolumne nimmt ATTAC Stellung zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen und stellt Alternativen zur neoliberalen Globalisierung vor."

Links

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Socialforum.at

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    montage: derstandard.at
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