"Die Wunden sind noch nicht verheilt"

26. Mai 2003, 17:31
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"Ohne vertrauensbildende Maßnahmen" wird der BA-CA-Börsegang schwierig - Das Vertrauen der Privatanleger nach dem HVB-Debakel wankt

Anfang Juli will die HypoVereinsbank (HVB) 25 Prozent ihrer Osttochter, der BA-CA, an die Wiener Börsenrampe geführt haben. Demnächst beginnt die so genannte Premarketing-Periode, bei der ein Stimmungsbild der Großinvestoren eingeholt wird und sich auch eine Spanne für den zu erzielenden Preis der Aktie abzeichnet.

Anspannung im Vorfeld

Die Anspannung im Vorfeld der Emission, die rund eine Mrd. Euro erlösen soll, ist groß. Einerseits geht es um eine riesige Bereicherung des Wiener Kurszettels, der inmitten besonders wunden Börsenumfeldes bei den großen Einkäufern, also internationalen Fonds, Pensionskassen und Versicherungen, nicht zu einem Flop geraten soll. Andererseits geht es um das Vertrauen der Privatanleger, die, wenn sie einstige BA-Aktionäre sind, auf den Trümmern ihrer HVB-Papiere sitzen.

Wilhelm Rasinger, Präsident des heimischen Privatanlegerverbandes IVA, hat einen sehr anspruchsvollen Forderungskatalog der Kleinanleger zusammengestellt, der "gezielt vertrauensbildende Maßnahmen" enthält und den Akteuren einiges abverlangen wird. "Die Wunden sind noch nicht verheilt", sagt Rasinger, der monatelang mit verärgerten HVB-Aktionären konfrontiert war und zuletzt einen sehr pointierten Auftritt bei der HVB-Hauptversammlung in München hatte.

Ausgabepreis "unter 30 Euro attraktiv"

Rasinger verlangt für Privatanleger einen Treuebonus von rund zwei Euro für derzeitige HVB- Aktionäre, begrenzt auf 1000 Stück der neuen Aktien. Die ÖIAG hatte solche Bonuszahlungen bei Austria Tabak und Telekom Austria eingeführt.

Als Ausgabepreis sieht der IVA einen Wert von "unter 30 Euro" als "attraktiv". Die Ostfantasie der BA-CA, sagt Rasinger, sei ja vor allem im Bankensektor nicht unbegrenzt. Gleichzeitig soll die BA-CA den heimischen Corporate-Governance-Kodex ernst nehmen. Das bedeutet: ein Vertreter der Privatanleger im Aufsichtsrat, Einzelveröffentlichung der Vorstandsentlohnungen, sämtliche Informationen über Aktientransaktionen der Vorstände und Aufsichtsräte auf der BA-CA-Website.

Zusätzlich soll der vorgesehene 15prozentige Abschlag für Privatanleger bei einer eventuellen Übernahme durch die Hauptversammlung ausgeschlossen werden. Zur Glaubwürdigkeit des Aufsichtsrates sollte jedes Mitglied selbst mindestens 2000 Stück der Emission zeichnen, verlangt Rasinger. Ein weiterer wichtiger Punkt für den IVA: Der Emissionserlös dürfe nicht für "konzerninterne Transaktionen", also zur Schuldentilgung der HVB, verwendet werden, sondern müsse nachweislich der Weiterentwicklung der Ostaktivitäten dienen. Und während derzeit meist lediglich die rote Welle der BA im Osten als Firmenschild diene, dabei aber "HVB Group" stehe, wünscht sich der IVA eine klare Firmierung unter BA-CA. (Karin Bauer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 27.5.2003)

  • Bereits im Vorfeld des BA-CA-Börsegangs wächst die Angst vor möglichen Turbulenzen.
    montage: derstandard.at

    Bereits im Vorfeld des BA-CA-Börsegangs wächst die Angst vor möglichen Turbulenzen.

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