Sparkassen kündigen Stellenabbau an

26. Mai 2003, 14:27
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Filialstraffung geht weiter - In zehn Jahren mehr als zehn Prozent weniger Geschäftsstellen - Große Fusionswelle vorbei

Linz - Nach jahrelangen Fusionen, die in Österreich die Zahl der Sparkassen auf mittlerweile 62 gedrückt hat, hat sich "die große Fusionswelle aufgehört zu drehen". Dies stellte am Montag der Präsident des österreichischen Sparkassenverbands, Josef Kassler, bei der Jahrestagung in Linz fest. Weiter gestrafft wird aber das Filialnetz. Binnen zehn Jahren soll die Zahl der Zweigstellen um mehr als 10 Prozent zurückgefahren werden. Im laufenden Jahr 2003 wird auch die Zahl der Mitarbeiter reduziert, im Schnitt der Institute zumindest aber "eingefroren".

"Das Ende der Fahnenstange" werde man mit 62 Sparkassen noch nicht erreicht haben, sagte Kassler vor Journalisten. Es werde die eine oder andere Fusion noch geben, entweder aus normaler Strukturbereinigung oder weil irgend eine Kasse vielleicht "nicht so glücklich gewirtschaftet hat".

Jeder Zweite steigt auf e-Banking um

Weil vor allem jüngere Kunden immer weniger die Filialen frequentieren - mittelfristig wird laut Verbands-General Erich Rebholz jeder zweite Sparkassenkunde auf e-Banking umsteigen - wird das inländische Filialnetz weiter gestrafft. "Es muss und wird zu einer Verringerung der Filialzahl kommen", hielt die Verbandsspitze fest. Genaue Zielzahlen wurde heute nicht genannt, eine Reduktion um 10 Prozent in den nächsten zehn Jahren werde dabei aber "sicher zu wenig sein", so Kassler.

Ende 2002 betrieb die Sparkassengruppe im Inland (Erste Bank in Österreich sowie 61 Bundesländersparkassen) 1.094 Filialen. 2001 waren es noch 1.108 gewesen. 2002 haben alle Banken in allen Bundesländern Filialen geschlossen, damit sank die Bankstellenzahl insgesamt um 1,6 Prozent auf 5.368. Österreichweit lag die - im EU-Vergleich überdurchschnittlich hohe - Bankstellendichte 2002 bei 1.496 Einwohnern je Bankstelle und damit schon etwas unter dem Jahr zuvor (1.479), wobei Wien mit 2.314 und das Burgenland mit 1.028 Einwohnern pro Bankstelle die Extremwerte aufwiesen.

Reduktion der Mitarbeiter

Während im Vorjahr die Zahl der Sparkassenmitarbeiter im Inland noch anstieg, ist für das laufende Jahr 2003 eine Reduktion vorgesehen. Die Erste Bank hatte heuer bereits zu Jahresbeginn bestätigt, im Inland heuer 6 Prozent der Stellen abbauen zu wollen. Laut Kassler wird es auch bei den Sparkassen außerhalb Wiens zu einem leichten Beschäftigtenrückgang kommen. In seinem eigenen Haus (Steiermärkische) laufe ein "Personalreduktionsprogramm". Der Stellenabbau solle aber durchwegs über natürliche Fluktuation erfolgen. Von deutschen Verhältnissen sei man weit entfernt.

Im Jahr 2002 ist der Personalstand im Sparkassen-Bankbetrieb in Österreich noch um 4,5 Prozent auf 15.718 gestiegen, wobei ein Drittel dieses Zuwachses auf die boomende Teilzeit entfiel.

Überaus starke Zuwächse verbuchte auch die Sparkassengruppe 2002 beim e-Banking. Allein von Dezember 2002 bis April 2003 sei die Zahl der e-bankberechtigten Kunden um ein Zehntel angewachsen. Nach Abschluss der Vereinheitlichung aller EDV-Systeme sei man nun bereit für das Bankgeschäft der Zukunft, sagte Generalsekretär Rebholz. Ab Juli 2003 brauchen die Kunden nur mehr eine einzige Zugangsberechtigung für die Anwendungen netbanking, phonebanking, mobilebanking, netpay und nettrading. Ab Juli kann bei den Sparkassen erstmals auch ein Sparbuch direkt über netbanking abgeschlossen werden.(APA)

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