Ein Mann, ein Fisch und eine Mission

Yoshihiko Noda wird neuer japanischer Ministerpräsident

Yoshihiko Noda überrascht Freund und Feind mit einer Fähigkeit, die ihm niemand zugetraut hätte - mit Humor. Er sei eine Schmerle, ein im Schlamm wühlender Süßwasserfisch, sagte er Montag vor der Stichwahl um die Präsidentschaft der Demokratischen Partei Japans (DPJ). "Es gibt ein Sprichwort, dass eine Schmerle sich nicht wie ein Goldfisch benehmen kann" , witzelte Noda in Anspielung auf sein Knautschgesicht. "Ich sehe so aus, und wenn ich Premier werde, dürfte die Unterstützung für das Kabinett nicht sofort steigen."

Die Lockerheit zahlte sich zumindest in seiner Partei aus, deren Vorsitz er Montag ohne weiteres gewann. Noda wird damit am heutigen Dienstag zum sechsten Ministerpräsidenten Japans in fünf Jahren gewählt. Doch kaum einem Premier ist schon zum Amtsantritt so viel Skepsis entgegengeschlagen. Er sei nur eine Marionette des Finanzministeriums, meinen viele Japaner.

Die Charakterisierung wird dem 54-Jährigen nicht gerecht. Aber Noda ist es gewohnt, unterschätzt zu werden. Als er 1987 als 29-Jähriger für das Parlament der Präfektur Chiba antrat, beschrieb ihn eine Zeitung als "der ewige Kandidat, der nie gewählt werden wird" . Er gewann dennoch.

Seine Karriere als Reformer begann Noda in den 1980er-Jahren mit Hof-Kehren und einem 100-Kilometer-Lauf. Noda ist einer der ersten Absolventen einer weltweit einmaligen Kaderschmiede für Reformer, des legendären Matsushita-Instituts für Regierung und Management. Der Gründer des Elektronikkonzerns Panasonic, Konosuke Matsushita, hatte es für Hochschulabsolventen ins Leben gerufen. Mit Disziplin, intellektueller Diskussion und der Vernetzung der jungen Möchtegerns mit mächtigen Politikern und Bürokraten wollte Matsushita Japans Führer erziehen.

Er wolle gegen die Korruption in der Politik ankämpfen, sagte Noda damals. 1992 gehörte er zu den Mitgründern der Neuen Japan-Partei um den konservativen Reformer und späteren Premier Morihiro Hosokawa. 2000 wurde er nach zwei gescheiterten Anläufen erstmals für die 1996 gegründeten Demokraten ins Unterhaus gewählt.

Nach deren Wahlsieg 2009 wurde er Vize-, 2010 dann Finanzminister - als sein Vorgänger Naoto Kan zum Premier befördert wurde. Noda hofft nun, sich länger als Kan im Amt zu halten. "Schmerlen haben eine Stärke" , sagte er. "Es kümmert sie nicht, dass sie sich dreckig machen, um vorwärtszukommen." (Martin Koelling aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2011)

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    foto: reuters/nakao
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