Mit einer halben Milliarde Dollar schaffte Google eine Untersuchung über illegale Pharma-Werbung aus der Welt
"Do no evil" , nichts Böses tun, ist das Firmenmotto Googles, das vielen Kritikern mit wachsender Macht hohl klingt. Dafür scheint es jetzt einen weiteren Beleg zu geben: Der frisch gebackene CEO, Mitgründer Larry Page, soll seit vielen Jahren darüber informiert gewesen sein, dass Google illegale Apothekenwerbung platziert. Das berichtete das Wall Street Journal.
Zahlungen
Vergangene Woche beendete der Konzern mit der Zahlung einer halben Milliarde Dollar überraschend seit 2009 laufende Untersuchungen der ungesetzlichen Inserate. Ausländische, vor allem kanadische Apotheken warben auf den US-Seiten Googles für den Direktverkauf ihrer Präparate, was nach US-Bestimmungen verboten ist. Das US-Justizministerium warf Google vor, dass es zumindest seit 2003 davon wusste, dass dies ungesetzlich sei. Aber erst als die Behörden 2009 eine verdeckte Ermittlung einleiteten, stellte Google diese Praxis ab.
"Larry Page hat gewusst, was gespielt wird"
Die jetzige Einigung dürfte jedoch nicht nur ein Schuldeingeständnis sein, um einen aussichtslosen Prozess abzubiegen: Sie soll auch dazu dienen, die Verwicklung Pages in die illegale Werbung zu verschleiern. Denn mit der Einigung werden alle vier Millionen Akten des Verfahrens versiegelt, darunter zahlreiche E-Mails, die zeigen, wer wann über die Werbung informiert war.
"Larry Page hat gewusst, was gespielt wird" , zitiert das Journal den Staatsanwalt Peter Neronha, der die Untersuchung leitete. "Wir wissen aus den Dokumenten, die wir durchkämmten, und den Zeugen, die wir befragten, dass Larry Page genau Bescheid wusste."
Kontrollen
In mehreren Anhörungen vor dem US-Kongress hatten Google-Vertreter stets betont, dass es "rigorose" Kontrollen gebe, um ungesetzliche Werbung auf Google-Seiten zu verhindern. Diese seien jedoch reine "Kosmetik" gewesen, sagte Neronha, verdeckte Ermittler wären von Google-Mitarbeitern bei der Umgehung dieser Kontrollen unterstützt worden. "Das waren nicht zwei oder drei Mitarbeiter, die außer Kontrolle waren. Das hatte System." Er habe jedoch nach der Einigung nicht die Absicht, Page oder andere Google-Manager strafrechtlich zu belangen, sagte Neronha. (spu)