Das Darabos-Experiment

Kommentar |

Die Qualität des Präsenzdienstes wird noch einmal sinken, den Minister wird das klammheimlich freuen

Verteidigungsminister Norbert Darabos glaubt einen Ausweg aus der verfahrenen Diskussion gefunden zu haben: Wenn es schon keine Regierungsmehrheit für ein ganzes Bundesheer ohne zwangsverpflichtete Rekruten gibt, dann kann er ja immerhin bei ein paar Truppenteilen probieren, wie ein Soldatenleben ohne die ohnehin nur für einige Monate einberufenen Grundwehrdiener funktionieren würde. Das Ergebnis steht schon fest: Es funktioniert prächtig. Und es funktioniert schon längst, am Golan und im Kosovo sowieso, aber auch bei den Kaderpräsenzeinheiten, die für Auslandseinsätze bereitstehen. Um zu beweisen, dass die Berufskomponente des Bundesheeres intakt ist, bedarf es keines eigenen Experiments.

Stellt man ein solches Experiment unter den gegebenen Rahmenbedingungen dennoch an, dann führt es automatisch dazu, dass in jenen Einheiten, die weiterhin Grundwehrdiener ausbilden müssen, das entsprechende Kaderpersonal fehlt - dieses wird nämlich zur Auffüllung der Profi-Truppe für das Darabos-Experiment gebraucht. Die Qualität des Präsenzdienstes wird noch einmal sinken.

Darabos und seine Partei wird das klammheimlich freuen, denn ein noch schlechterer Grundwehrdienst ist ein weiteres Argument für die Abschaffung der Wehrpflicht. Aber wer so ein Experiment macht, muss auch wissen: Es ist nicht nur politisch heikel, es widerspricht auch der Verfassung, die Wehrpflicht und Milizheer vorschreibt. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2011)

Share if you care