Das Darabos-Experiment

Kommentar |

Die Qualität des Präsenzdienstes wird noch einmal sinken, den Minister wird das klammheimlich freuen

Verteidigungsminister Norbert Darabos glaubt einen Ausweg aus der verfahrenen Diskussion gefunden zu haben: Wenn es schon keine Regierungsmehrheit für ein ganzes Bundesheer ohne zwangsverpflichtete Rekruten gibt, dann kann er ja immerhin bei ein paar Truppenteilen probieren, wie ein Soldatenleben ohne die ohnehin nur für einige Monate einberufenen Grundwehrdiener funktionieren würde. Das Ergebnis steht schon fest: Es funktioniert prächtig. Und es funktioniert schon längst, am Golan und im Kosovo sowieso, aber auch bei den Kaderpräsenzeinheiten, die für Auslandseinsätze bereitstehen. Um zu beweisen, dass die Berufskomponente des Bundesheeres intakt ist, bedarf es keines eigenen Experiments.

Stellt man ein solches Experiment unter den gegebenen Rahmenbedingungen dennoch an, dann führt es automatisch dazu, dass in jenen Einheiten, die weiterhin Grundwehrdiener ausbilden müssen, das entsprechende Kaderpersonal fehlt - dieses wird nämlich zur Auffüllung der Profi-Truppe für das Darabos-Experiment gebraucht. Die Qualität des Präsenzdienstes wird noch einmal sinken.

Darabos und seine Partei wird das klammheimlich freuen, denn ein noch schlechterer Grundwehrdienst ist ein weiteres Argument für die Abschaffung der Wehrpflicht. Aber wer so ein Experiment macht, muss auch wissen: Es ist nicht nur politisch heikel, es widerspricht auch der Verfassung, die Wehrpflicht und Milizheer vorschreibt. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2011)

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Simultane 180° Drehs

die Wehrpflicht ist die einzige, aktuelle politische Frage, in der die SPÖ zur Abwechslung mal die klassisch liberale Linie vertritt. Und die ÖVP die reaktionäre, gestrige, hinterwäldlerische.

Letzterer sollte das zu denken geben.

es wäre zu schön gewesen,

um wahr zu sein; jetzt hat man wochenlang nvon unserem burgenländischen Verteidigungsminister gehört,.... ein richtiger Segen. Wahrscheinlich war er damit beschäftigt den Enthebungsbescheid den General Entacher zu formulieren. Der Bescheid wurde zugestellt, und schon ist unser Burgenländer wieder mit hanebüchenen Vorschlägen in der Presse.
Gibt's denn niemanden, der ihm sagt, dass er im Burgenland viel besser aufghoben wär'?

ganz schön fad, der darabosch. wie als wären das die größten probleme in Ö. Erst spart die spö das BH komplett krank und dann wollen sie es als beschäftigungstherapie für unvermittelbare aufbauen. hier kann man wieder viele stellen in einem staatsnahen betriebe schaffen und dann hoffen die wählen alle spö. warscheinlich wählen die dann aber fpö - blöd gelaufen...

hurra, die regierung ist wieder zurück aus dem urlaub!

Darabosch hat die Saison wieder eröffnet. Nicht ein umfassendes Konzept ist die Devise, sondern politische Aktivität vorgeben, freut den Wähler, so nimmt er an, aber ändern wollen wir grundlegend auch nicht Besonderes. es geht widereinmal um den Populismus, liebe Freunde der politischen Kultur. a bisserl ein Berufsheer, ein bisserl Freiwillige, für jeden ist etwas dabei. Wo bleibt ein wirkliches Konzept?

Die Arbeiten, die von GWDs erledigt werden, sind ja häufig nicht der (geprobte) Kampfeinsatz sondern die "Systemerhaltung". Also werden hauptsächlich jene Aufgaben nachbesetzt werden müssen, die eine eher nur mittelbar militärische Betätigung darstellen. Wie wird man diese also nachbesetzen? Mit überqualifizierten Kadersoldaten? Oder (was wahrscheinlicher ist) mit Vertragsbediensteten/zivilen Angestellten, die aber statt der 300 Euro für den GWD ungefähr 1300 im Monat bekommen.

Und so wird das Heer billiger und effektiver gemacht!

Was ist das für ein Argument?

Es kann ja nicht der der wirtschaftliche Stein der Weisen sein, staatliche Leistungen (wie Landesverteidigung) dadurch billig anbieten zu können, dass man junge Menschen zur Zwangsarbeit heranzieht.
Für das Heer mag es teurer sein, wenn man Angestellte einstellen muss, anstatt Sklaven ausbeuten zu können. Volkswirtschaftlich ist es wahrscheinlich sinnvoller.

Das halbe Jahr schadet keinem, und mit Vertragsbediensteten wird das Heer noch wesentlich teurer. Dann a) wird das Heer ernsthaft teurer, oder wenn man das nicht zahlen will, b) verfällt die Qualität des Heeres ins Bodenlose.

Burgenländerwitz

"Nach Fred anno dazumal ist es auch im neuen Jahrtausend gelungen, mit Niki und Bertl wiederum zwei hochqualifizierte Bundespolitiker hervorzubringen"

Blödsinn dieser Kommentar. Nirgendwo in der Verfassung steht, dass in jedem Truppenteil GWD eingesetzt werden müssen.

Man erinnere sich, dass....

... die SPÖ aufgrund der Vorkommnisse in der Ersten Republik immer gegen ein Berufsheer war.

Auch wenn mir die rote Ideologie nicht liegt; die Art und Weise mit der die Roten ihre Prinzipien für den bloßen Machterhalt opfern, ist grauslich.

Und auch das könnte mir theoretisch egal sein, solange es nur die Roten betrifft. Leider werde auch ich von diesen Dilettanten regiert, die mit ihrer Negativperformance dafür sorgen, dass die blauen Dilettanten immer mehr an Gewicht gewinnen.

PS für unsere langsamen Mentalisten:
Das Nichterwähnen der ÖVP ist mit der Huldigung dieser Partei gleichzusetzen.

Windschiefe Argumentation. Wenn dir die "rote Ideologie" nicht liegt, dann sei froh dass sie nicht mehr existiert, und dass sich heute die "Roten" nach dem gesunden Menschenverstand richten, der eine Abschaffung der Wehrpflicht - wie in Nachbarländern - nahelegt

gesunder Menschenverstand?

Sich jeglicher objektiver Analyse der Erfahrungen anderer Länder mit Berufsarmee zu verweigern, hat wohl kaum mit gesundem Menschenverstand zu tun.
Und wenn man sich die Erfahrungen aller Länder mit Berufsarmee ansieht, ist es unmöglich noch für eine Berufsarmee einzutreten.

Hätten wir doch noch richtige ROTE!

gesunder menschenverstand

genau das ist mein problem mit der darabos-agitation: grundsätzlich bin ich natürlich für eine abschaffung der wehrpflicht (mir selbst kann's egal sein, hab's lange hinter mir, aber in hinblick auf die zukunft meines sohnes), ich krieg aber die krise, wenn ich sehe, mit wieviel verlogenheit und manipulation der sogenannte verteidigungsminister hier agiert.

und das alles nur, weil der wiener bürgermeister kurz vor der wahl die nerven weggeschissen hat und versucht hat, seine absolute zu retten.

lol, gesund, menschen, verstand - 3 begriffe, mit denen die sp nicht viel zu tun hat...

Schauen wir einmal, ob der gesunde Menschenverstand

den Entscheidungstraegern auch sagt, wieviel Geld die Nachbarlaender fuer ihre Armee ausgeben, damit diese funktioniert.
Michael

wie man seit Jahren keine Schulreform sondern Schulversuche durchführt, so jetzt auch beim BH. Nicht das es notwendig wäre, aber man spart sich Neuinvestitionen, da man als Ausrede hat man müsste doch erst die Versuche abwarten...
Nicht Bananen- nein: Knödelrepublik, aber solche die einem im Hals stecken bleiben: zum Kotzen!

und jetzt mal ernst...für was?

brauchen wir ein heer?

katatrophenschutz --> zivile org.

grenzschutz --> polizei

auslandseinsätze --> da hängen wir unsere blauhelme einfahc bei deutschland mit dran.

innere Sicherheit --> polizei

und wenn uns echt wer angreift und keienr aus der EU hilft uns...(was ich für sehr unwahrscheinlich halte^^) sind wir so und so erledigt...

was wollt ihr denn in den krieg werfen? 90% des kaders sind entweder alt oder fett oder dumm (zivilversager) das ist eine tatsache!

also bleien uns 10% vom kader die überhaupt aus der kaserne raus kommen + GWDS (also kinder mit waffen ohne bzw. mit sehr mangelhafter ausbildung)

Es wird oft Unsinn zum Thema ÖBH im Standard-Forum geschireben,

aber ihr Kommentar gehört definitiv zu den Spitzenreitern.
Wenigstens machen sie mit dem Satz "90% des kaders sind entweder alt oder fett oder dumm (zivilversager) das ist eine tatsache!" gleich selbst klar, dass es ihnen nur um das widerkäuen von dümmlichen Vorurteilen geht.

ohne jetzt detailiert auf ihre punkte einzugehen - nur kurz, der katastrophenschutz wäre gänzlich ohne heer in der derzeitigen form nicht machbar - sollte eine diskussion über sinn und unsinn des heeres am anfang stehen, erst danach kann man sich über die organisationsform gedanken machen.

ohne jetzt detailiert auf ihre punkte einzugehen - nur kurz, der katastrophenschutz wäre gänzlich ohne heer in der derzeitigen form nicht machbar - sollte eine diskussion über sinn und unsinn des heeres am anfang stehen, erst danach kann man sich über die organisationsform gedanken machen.

1) Das mit 90% ist kompletter Schwachsinn. Natürlich gibt es einen gewissen Prozentsatz, aber der ist erstens nicht so hoch und zweitens gab es in den letzten Jahren ordentliche Professionalisierungsbestrebungen.

2) Wer uns angreift, macht das nicht ohne Grund. Wenn es sich nicht auszahlt, dann greift ein Aggressor uns auch nicht an. Haben wir keine Armee, zahlt es sich sehr schnell aus.

3) Können Sie garantieren, dass wir in 10, 20 Jahren noch eine EU haben? Ich persönlich garantiere das ja nicht einmal die nächsten 3 bis 5 Jahre.

4) Auslandseinsätze und Deutschland... und wo kommen unsere Blauhelme her? Aus dem All? Oder doch wieder aus unserem Heer? Außerdem ist das gleichbedeutend mit einem militärischen Bündnis.

Echt? Ist das so?

Hab bei der letzten Katastropheneinsatz kein fettes dummes Kader gesehen, sondern professionelle Hilfe wahrnehmen dürfen.

Ich glaub Sie treiben sich zuviel am AMS herum!

beim katatropheneinsatz

werden sie onehin kaum jemanden vom kader sehen, das ist arbeit und arbeit wird von rekruten erledingt...

vielleicht geht es nicht ausschließlich um das "warum" wir ein heer brauchen.

vielleicht schadet es keinem ein paar monate für sein land zu "arbeiten". egal ob männlich oder weiblich.

mMn bietet österreich, auch wenn es jetzt unmengen roter schricherl geben wird, jedem einzelnen von uns ein hohes maß an sozialer sicherheit, medizinischer versorgung, ausbildung etc.

da wäre es doch nicht zu viel verlangt ein paar monate dem heer, der feuerwehr, der rettung, etc. zu "opfern". und ein paar kameraden würde es nicht schaden wenn sie sich einmal mehr als 100m täglich bewegen würden.

wie der dienst momentan jedoch zu versehen ist, ist jedoch bei weitem nicht optimal.

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