Junge Politik

"Die EU und du" - der junge Europäer

29. August 2011, 16:55
  • Artikelbild
    foto: privat

    Stiegmaier sieht die Zukunft der Jugendlichen in der EU.

Thomas Stiegmaier fordert europäische Lösungen für die Jugendaufstände und ist genervt von "Krone"-Sagern

Thomas Stiegmaier ist 24 Jahre alt und steht kurz vor seinem Absprung nach Brüssel. Er setze sich seit langem mit der Europäischen Union, ihrer Zukunft und aktuellen Problemen auseinander. Derzeit macht er sich über ihr "angekratztes Image" Gedanken und findet drei Ursachen: "Das erste Problem stellen gewisse Massenmedien dar, vorneweg die Kronen Zeitung." Ein Beispiel sei ihre einseitige Berichterstattung nach Beschluss des Vertrags von Lissabon. In diesem Zusammenhang sei "allerlei Blödsinn" berichtet worden, nur über die wichtigen Neuerungen nicht. Wie etwa, dass seither das demokratisch gewählte Europäische Parlament in 90 Prozent der Gesetzgebungsverfahren dem Rat gleichgestellt ist - eine enorme Stärkung der Mitbestimmung jedes EU-Bürgers.

Das zweite Problem sei ein EU-internes: die Kommunikation aus Brüssel. "Ich habe in Praktika hautnah miterlebt, wie das Werkl funktioniert", sagt Thomas Stiegmaier. Er habe gesehen, wie schwer es sei, die Vorgänge und Beschlüsse der Bevölkerung zu vermitteln. Die dritte Ursache seien die österreichischen Politiker. "Wenn die Regierung glaubhaft den Mehrwert durch die EU darstellen würde, wäre das bestimmt in der Stimmung im Volk zu spüren." Leider werde sogar bei EU-Wahlen hauptsächlich nationales Kleingeld gewechselt. Dazwischen wettere die FPÖ mit unsachlichen Parolen: "Mit einer authentischen proeuropäischen Haltung könnten sich die anderen Parteien vom rechten Populismus abgrenzen. Ich weiß auch nicht, warum sie das nicht tun."

Ab nächstem Jahr wird Thomas Stiegmaier Assistent der SPÖ-Abgeordneten Evelyn Regner im Europäischen Parlament werden und nach Brüssel ziehen. Bis dahin will der gebürtige Steirer seine Diplomarbeit am Institut für Politikwissenschaften in Wien fertigschreiben. Seine Laufbahn in der EU hat im Jahr 2008 mit einem einmonatigen Praktikum im Europabüro des Österreichischen Gewerkschaftsbundes begonnen. Darauf folgten ein Praktikum im EU-Parlament und eine Fixanstellung in der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Dort war seine Hauptaufgabe, mit der Wanderausstellung "Die EU und du" Schulen zu besuchen und Schüler über die Europäische Union zu informieren. Anfänglich sei er oft auf Ablehnung gestoßen: "Natürlich wurden mir auch typische Krone-Sager an den Kopf geworfen", sagt er. Nachdem die Vorurteile aus dem Weg waren, hätte er aber sachlich mit den Jugendlichen diskutieren können. Auf diesen Touren habe er bemerkt, dass junge Menschen die EU grundsätzlich sehr schätzen. Sie hätten die nationalen Grenzen im Gegensatz zu den älteren Generationen längst überwunden.

"Die Jugendlichen in Europa sind im Grunde mit denselben gesellschaftlichen Problemen konfrontiert." Auch wenn Stiegmaier die derzeitigen Aufstände nicht über einen Kamm scheren wolle, sehe er: Sehr vielen fehlt es an Perspektiven. Die EU schaffe in Bereichen wie Jugendarbeitslosigkeit die Möglichkeit, Probleme länderübergreifend zu lösen. Der überzeugte Europäer richtet seinen Appell deshalb an die Jugend: "Wir junge Menschen sollten das europäische Projekt vorantreiben. Es geht schließlich um unsere Zukunft." (Katharina Mittelstaedt, STANDARD-Printausgabe, 30.8.2011)

EU - Die Europäische Union

96 Millionen Menschen unter 30 Jahren leben in der EU-27

550 junge Menschen absolvieren jährlich ein Praktikum im EU-Parlament, davon acht Österreicher

75 Prozent der heimischen Schüler stehen positiv zur EU

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3
Fischotter
00
Soviel zum bekannten Schauermärchen, ein Land ohne Euro-Teilnahme würde wirtschaftlich untergehen

"Rückblickend kann man wohl sagen, dass die Nichtteilnahme am Euro ein komparativer Vorteil für die schwedische Wirtschaft während der Wirtschaftskrise war."

www.boerse-express.com/pagesfoonds/15301

habib1
00
31.8.2011, 12:29

Den Namen Stiegmaier wird man sich merken müssen, endlich ein positives Beispiel zum Thema Jugend und Politik.

blackdeeper
22
30.8.2011, 14:58
powi ..dl

politikwisschenschaft - eines der überflüssigsten studien ...

mehr geschichtskenntnis würde den leuten mehr bringen

Reginald4
01
31.8.2011, 15:17

Das eine schließt doch das andere nicht aus.

Natchez
19
30.8.2011, 13:28

Herzig! Die wichtigste Information wurde natürlich unterschlagen: wer war denn der "Schieber", der die Rutsche nach Brüssel gelegt hat? So eine Stelle bekommt man normalerweise nicht, wenn man erst an der "Diplomarbeit am Institut für Politikwissenschaft" arbeitet. Da bräuchte es andere Qualifikationen als ein Praktikum und eine Diplomarbeit.

ThomasK.
11
30.8.2011, 14:57

Praktikum beim ÖGB, Stelle bei der SPÖ. Wird halt die richtigen Parteifreunde haben.

Waldorf
 
03
30.8.2011, 13:09

Wie etwa, dass seither das demokratisch gewählte Europäische Parlament in 90 Prozent der Gesetzgebungsverfahren dem Rat gleichgestellt ist - eine enorme Stärkung der Mitbestimmung jedes EU-Bürgers.

Tolle Demokratie. Das Parlament wird von jenen Geistesgrößen gewählt, welche schon für die jeweilige Landesregierung zu dumm waren.

felixat
02
30.8.2011, 15:32
???

wer als die buerger sollten denn sonst waehlen in einer demokratie... ich find ausserdem nicht das die oesterreicher zu dumm sind zum waehlen - nur zu denkfaul

Waldorf
 
00
31.8.2011, 14:59

Das EU Parlament wird nicht direkt von den Bürgern gewählt.

felixat
00
31.8.2011, 16:14
das hab ich befuerchtet...

die oesterreicher sind auch noch zu faul sich ueber die basics zu informieren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Euro... _Parlament
http://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl
was sonst is denn direkt? aber ueber geistesgroessen laestern...

Waldorf
 
00

Seit wann wird das in Österreich so praktiziert? Ich bekam noch keine Wahlaufforderung für das Europaparlament.

felixat
00
durften sie 2009 noch nicht waehlen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Euro... reich_2009

Waldorf
 
00

Ich wähle schon sei 90. Darum auch die Frage, da ich bis jetzt noch keine Aufforderung zur EU Wahl in meinem Postfach hatte.

felixat
00
da warn aber 46% wahlbeteiligung

nicht extrem viel... aber anscheinend haben doch einige was von der wahl mitbekommen... die naechste sollte dann so 2014 sein, wecker stellen ;) und sich notfalls selbst um eine eintragung bei der waehlerevidenz kuemmern. Ich weis nicht ob die nach hause schreiben, war da nicht in AT und hatte mir eine wahlkarte schicken lassen.

Waldorf
 
00

Bzw. wusst ich es doch dass es vorher anders gehandhabt wurde.

silverfinger
00
30.8.2011, 13:08

für dieses MINIMI Gehalt würd ich mich nicht an den Arsch von Europa hängen ...

sepp schilehrer
10
30.8.2011, 11:47

Wir müssen die Jugend ohnehin mehr nach Brüssel bringen. Wenn man bedenkt, dass die meisten Schullandwochen mittlerweile nach Hamburg oder Berlin gehen - Jede Schulklasse sollte einmal in Bxl gewesen sein.

Assisten im EP is a cooler Job, beneid eam a bissl....

W. Müller
 
25
30.8.2011, 11:40
Sehr gut.

Aufnahmsprüfung als Apparatschik mit Bravour bestanden.

net-diver
 
49
30.8.2011, 10:29
Wir...

... brauchen nicht weniger, wir brauchen dringend mehr EU. Unsere Provinzkasperln sind einfach nicht mehr in der Lage ihr eigenes Chaos zu managen.
Her mit einer Wirtschaftsregierung, her mit einem wählbaren Parlament, die besten Köpfe nach Brüssel, die Kommission sofort abschaffen. Dafür national ein Bundesland, keine Gemeinden kleiner als 2000 Leute etc. Ich bin es echt leid diesen lokalen Suderanten zuhöhren zu müssen.

Humtata
23
30.8.2011, 12:06

und was lässt dich glauben, dass es die anderen besser machen?

nur weil sie "ausländer" sind?

gebe zu bedenken, dass die anderen eu-länder genauso schlecht wenn nicht schlechter da stehen als österreich.

net-diver
 
33
30.8.2011, 12:23
Ihre ...

... Aussage an sich ist ja schon erschreckend. Österreich als einer der Exportkaiser in der EU ist davon abhängig leichten und einfachen Zugang zu den anderen Märkten zu haben. Das wird durch viele EU-Gesetze auch ermöglicht. Das ist nicht auf dem Mist unserer Kasperln gewachsen. FOS, freie Lizenzen, freier Export etc. sind Grundsäulen der EU, von den privaten Vorteilen mal abgesehen. Die Probleme der einzelnen Länder sind zu 99% nationale Miseren, hervorgerufen durch fürchterliche Wirtschafts- und Finanzpolitik. Hier kann und darf sich die EU aufgrund der bestehenden Verträge gar nicht einmischen. Eine EU-Wirtschaftsregierung würde mMn mit den ganzen protektionistisch, nationalen Schwachsinnigkeiten (siehe Länder Köst etc.) aufräumen.

Mahab
01
30.8.2011, 16:16
Ihre ach so tolle EU bricht aber gerade ihre eigenen Verträge!

net-diver
 
00
31.8.2011, 16:13
Genau...

... und aufgrund der augenscheinlichen Notwendigkeit wäre es doch besser hier gleich pragmatisch eine europ. Wirtschaftsregierung einzusetzen.

Hitower3
35
30.8.2011, 10:10
Auch wenn es dem Tenor dieses Forums nicht entspricht,

so möchte ich dennoch meine Zufriedenheit darüber äussern, dass nicht alle Jungen den Stache'schen Hetzparolen nachrennen!

int64
00
30.8.2011, 12:08
...jaja der Strache

ich bin einer dieser Jungen, und glauben Sie mir es sind weit weniger als man glaubt. Strache ist genau bei diesen Jugendlichen beliebt, bei denen er auch bei den Eltern gewählt wird.
Ich bin zwar ein Gegner von den Schubladenkategorisieren aber bei Strache passt es immer.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.