Nur der Idiot wirft's weg

26. September 2011, 16:59
  • "Es ist das Gebot der Stunde, unsere Lebensmittel des täglichen 
Gebrauchs nicht immer sofort wegzuwerfen, nur weil sie nicht mehr 
gemocht werden oder man sich schon gestern daran satt gegessen hat", sagt Tom Riederer.
    foto: apa/ulrich schaarschmidt

    "Es ist das Gebot der Stunde, unsere Lebensmittel des täglichen Gebrauchs nicht immer sofort wegzuwerfen, nur weil sie nicht mehr gemocht werden oder man sich schon gestern daran satt gegessen hat", sagt Tom Riederer.

  • Thomas RiedererNur der Idiot wirft´s weg!208 Seiten, € 24,95 Pichler Verlag
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    Thomas Riederer
    Nur der Idiot wirft´s weg!
    208 Seiten, € 24,95
    Pichler Verlag

Lebensmittel gehören nicht in den Müll - Wie man aus nahezu allem etwas Schmackhaftes machen kann, vermittelt Tom Riederer in seinem Kochbuch

Ein Viertel des Wiener Restmülls besteht aus Lebensmitteln. Täglich werden allein bis zu 40 Tonnen frisches Brot und Gebäck weggeworfen. Eine Menge, die dem Tagesbedarf von Graz entspricht.

Alte Äpfel, hartes Brot, ungeliebte Innereien, Krautstrunke, Marmeladereste, verschrumpelte Karotten... "Es ist das Gebot der Stunde, unsere Lebensmittel des täglichen Gebrauchs nicht immer sofort wegzuwerfen, nur weil sie nicht mehr gemocht werden oder man sich schon gestern daran satt gegessen hat", betont Haubenkoch Tom Riederer, der seine individuelle Küche "T.O.M. am Kochen" in Leutschach in der Südsteiermark pflegt. Sein Grundsatz - der richtige Umgang mit Lebensmitteln - beinhaltet eine effiziente Verarbeitung und Zubereitung von Speisen ohne Verschwendung wertvoller Rohstoffe.

Motivation und Mahnung

Sein Kochbuch mit dem harschen Titel "Nur der Idiot wirft's weg" ist Motivation und Mahnung zugleich. Riederer zaubert aus Resten, die wir meist gedankenlos im Abfalleimer verschwinden lassen, schmackhafte Kreationen: Brotschmarren, Zwiebelpolenta, Obstler-Semifreddo mit Roten Rüben oder schlicht und einfach Salat mit Herz. Überbleibsel stellen für den Haubenkoch eine kreative Herausforderung dar, denn gerade die sogenannten "Abfallprodukte" enthalten oft besonders viel Geschmack - wie etwa Apfelschalen in Kombination mit Innereien.

Kaffeesud und Himbeerkerne

Mit seinem Buch liegt Riederer voll im Trend. Was es von anderen Restlverwertungs-Publikationen unterscheidet? Vor allem der Ideenreichtum der Rezepte. Der Koch macht weder vor Himbeerkernen noch vor dem Saurüssel Halt. Kaffeesud verlkocht er mit Läuterzucker zu Bröseln, die bestens mit Vanilleeis harmonieren. Das Ei von der Panier kommt in der Eintropfsuppe zum Zug. Himbeerkerne als Rückstand eines Fruchtpürees werden getrocknet, vermahlen, mit Salz gemischt und für das Würzen von Fisch verwendet.

Popcorn-Schaumsuppe und Fischbeuschleintopf

Darüber hinaus gibt Riederer brauchbare Tipps, etwa für das Abbraten von bereits gekochtem Fisch oder Fleisch unter Erzielung des optimalen Geschmacksergebnisses. Die Kapitel gliedern sich nicht nach Speisefolge, sondern alphabetisch nach den jeweiligen Resten: Apfel, Birne, Bohnen, Brot...

Die Rezepte sind gut nachkochbar und tragen klingende Namen wie "Fortschrittliches Filet á la Wellington", "Popcorn-Schaumsuppe", "Falafel Austrian Style"oder "Falsche Schildkröteneier". In Szene gesetzt hat die Ergebnisse des Resteverwertens der Fotograf Michael Gries. (Eva Tinsobin, derStandard.at)

Zum Autor:

Tom Riederer, Jahrgang 1973, kocht in seinem Lokal "T.O.M. am Kochen" in Leutschach in der Südsteiermark. Seine Philosophie: Eine gute Küche benötigt drei Ingredienzien - ein gutes Produkt, eine gute Idee und vor allem Liebe zum Kochen. Für seine kreative, regional inspirierte Küche wurde er vielfach ausgezeichnet.

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Hab ein Glas Feigenmarmelade geschenkt bekommen; gut, aber viel zu süß. Sie landete anstelle von Zucker im nächsten Kuchen, dort kam sie bestens zur Geltung.

wenn ich meine bocciakugeln vergessen habe

dann verwende ich stattdessen himbeerkerne.

die sind so multifunktional einsetzbar, einfach ein wunderbares obst. leider in unserer kultur noch sehr unterschätzt.

Verd......

...und ich hab die Himbeerkerne geschluckt!

morgen hast du sie eh wieder, mußt sie dann nur aus dem lokus klauben..

Mogeltitel

Die Idee klingt ja gut, aber die Rezepte unterscheiden sich nur sehr geringfügig von einem völlig "normalen" Kochbuch.
Bis auf ein paar Tipps wie Apfelschalen trocknen und die zitierten Himbeerkerne (die man im Normalfall ja nicht besonders oft als Abfall in der Küche hat) sowie dem Hinweis, sich doch zu überlegen, was man einkauft ist es nicht mal ein empfehlenswertes Kochbuch.

Es gibt schon sehr viele Tricks und Methoden von früher ... im 19.Jh. allerdings haben viele Leute noch Mehl, Hülsenfrüchte, also Rohmaterialien gekauft.
--- und nicht wie heute ein Styroportray "Hackfleisch" und ein Sackerl Giftchemie -- also die Standardzutaten vieler, die eigentlich gar nicht kochen können.

Meine Urgroßmütter zB mischten gern Brösel in ALLES rein ... Brösel sind früher halt, wo eine Brotrinde was wertvolles war und man die dann halt getrocknet und gerieben hat, in größeren Mengen übrig geblieben. Daher: Spaghetti mit Paradeis und geschmalzenen Bröseln drauf, Fisolen mit geschmalzenen Bröseln drauf, Karfiol mit geschmalzenen Bröseln drauf, Erdäpfelpürree ditto, danach eine Mehlspeis. Mit geschmalzenen Bröseln drauf :-)

Aslo in dieses Lokal werde ich wohl nie gehen. Reste kann ich überall essen. Besser: Kompostieren und eine gute Erde für das nächste Jahr bekommen. Darin dann wieder Obst und Gemüse züchten...

Also ich bin ein leidenschaftlicher Resteverwerter

und hasse es, Lebensmittel wegzuwerfen. Aber Himbeerkerne - das ist unfreiwilliges Kabarett.

ab jetzt is misstrauen angesagt, wenn man bei dem herrn einkehrt. stellt euch nur vor was mit dem passiert, das die gäste übrig lassen...

erinnert mich an meine bundesheerzeit.

Das mit dem Kaffeesatz klingt gut

Weiß jemand von euch Genaueres?

Den verwerte ich bei den Rosen, als Dünger.
Allerdings wird er afaik in Japan auch als Peeling für Gesicht und Körper verwendet (schmäohne).

Danke für die Antwort!

(aber siehe mein posting ein bisserl weiter unten, und
gemeint war eigentlich das Rezept mit den Kaffeesatzbröseln, von dem im Artikel die Rede ist ;-)

Thomas Riederer
Nur der Idiot wirft´s weg!
208 Seiten, € 24,95
Pichler Verlag

Danke für den Tipp,

aber für ein klitzekleines Rezept is mir diese ausgabe zu hoch! ;-)

wenn man es mit ein bisschen wasser anrührt ein gutes körperpeeling. haut ist danach ganz weich und seidig. noch dazu reinigt der kaffesatz den abfluß.

Mach ich oft

Kaffeesatz mit Olivenöl angerührt (dann is man gleich eingschmiert, hihi). Koffein ist übrigens auch in sündteuren Anti-Cellulite-Cremes. Logisch, es wirkt anregend, auch auf die Haut. Also warum nicht zum Nulltarif? :-)

letzteres

zähle ich zu den Urban Legends. Gerade durch die Konsistenz, die der Kaffeesatz so über nacht im abfluss annimmt führt dieser eher zu verstopfungen als zu reinigung

abfluss

na gut dann geb ich einfach beim nächsten mal einen kaffeefiltern in den abfluß :)

Für Altes Schwarzbrot:

Zwei Zwiebel in neutralen Öl rösten, eine kleine Sellerie, gorb in Würfel geschnitten dazu, rösten, gutes Roggenbrot dazu, rösten, mit Gemüsesuppe (wenn selbstgemacht:starker Karotten, Pastinaken, Lauch-Anteil) aufgießen. Wenn es gar ist mit Kürbiskernöl und Majoran toppen. Letztens acuh wilden Thymian probiert, auch sehr toll.

und dann noch eine frage

braucht man fürs mahlen von himbeerkernen eine eigene mühle? oder geht das mit der mohnmühle oder der flockenquetsche?
eine himbeerkernmühle, das wär doch echt was für meine sammlung der nur-einmal-im-jahr-benutzten-küchengeräte!

ich würd das ja gern meiner schwiegermutter schenken

die hat restlverwertung nämlich als lieblingshobby.

aber ich weiss nicht, ob sie so ein buch dann nicht doch krumm nimmt - wie übrigens jede/r potentielle beschenkte... ich würd mich jedenfalls wundern, wenn mir jemand sowas offeriert ;-)

steht in dem buch auch was man daraus machen kann, wenn man es nicht mehr braucht?

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