Psychologie

Und führe mich nicht in Versuchung - Der irrationale Mensch

Gastkommentar | 29. August 2011, 10:53

Der Mensch ist kein rein rationales Wesen. In uns tobt ein Kampf zwischen Abwägung und Versuchung. Ziel muss es sein, unsere chaotische Seite zu domestizieren - Von Dan Ariely

Meine Arbeit beschäftigt sich damit, zu verstehen, was Menschen motiviert, wie sie funktionieren und Entscheidungen treffen. Eines unserer größten Probleme ist die Selbstbeherrschung. Es gibt eine sehr interessante kürzlich durchgeführte Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, wie viele Todesfälle durch eigene Fehler ausgelöst werden. Noch vor etwa hundert Jahren lag die Anzahl von Todesfällen dieser Art gerade mal bei zehn Prozent. Wie kam man vor hundert Jahren durch selbst verursachte Fehler ums Leben? Nun, vielleicht hatte man einen großen Stein ins Rollen gebracht, der einen dann selbst überrollte; oder man geriet in einen schlimmen Unfall.

Vor ein paar Jahren lag dieser Prozentsatz bei 45 Prozent. Warum das? Weil wir durch neu entwickelte Technologien auch neue Wege schufen, uns umzubringen. Denken Sie doch nur an Diabetes, an Übergewicht, denken Sie ans Rauchen und das SMS-Schreiben während des Autofahrens: Wir entwickeln technische Neuerungen, ohne uns im Klaren darüber zu sein, dass wir vielleicht nicht damit umgehen können. Moderne Technologien bringen uns oftmals in Situationen, in denen wir ein gewaltiges Aufnahmevermögen an den Tag legen müssen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Gelingt uns dies nicht, kann das fatale Folgen für uns haben.

Es mangelt uns an Selbstbeherrschung

Nehmen wir als Beispiel das SMS-Schreiben während des Autofahrens. Stellen Sie sich vor, Sie seien zu Fuß unterwegs und schrieben auf Ihrem Handy eine SMS. Was könnte passieren? Vielleicht würden Sie während des Schreibens gegen einen Pfosten laufen - not a big deal. Wenn das allerdings mit 100 km/h passiert, können Sie sich und andere umbringen. Durch neue Technologien wird also unser geistiges Aufnahmevermögen vor neue und größere Herausforderungen gestellt. Und wenn wir uns dann bewusst machen, dass uns mitunter die Selbstbeherrschung fehlt, stellt sich ziemlich schnell die Frage nach der Natur des Menschen.

Ich persönlich glaube, dass jeder Mensch Momente der Klarheit hat, in denen wir wissen, dass wir weder übergewichtig sein wollen, noch an Diabetes sterben oder uns durch das Schreiben einer SMS in Gefahr bringen wollen. In diesen Momenten wird uns klar, was wir auf lange Sicht hin vom Leben und auch von uns selbst erwarten. Aber dann kommt uns unser spontanes Ich in die Quere und wir erliegen der Versuchung: Wir essen Kuchen und gehen ins Kino anstatt ins Fitnessstudio. Und wenn unser Handy vibriert, nehmen wir selbstverständlich ab, ganz gleich, ob wir gerade im Auto sitzen oder nicht. Das alles sind die Momente, in denen wir uns der Versuchung hingeben, anstatt rational abzuwägen.

Das ist genau der Grund, warum wir Regulierung und technologische Hilfen brauchen: Sie beschützen uns vor uns selbst. Gute Vorsätze hat jeder von uns - doch was oftmals fehlt, ist der Weg, um diese auch umzusetzen.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Womit wir schon tief in der Diskussion um das richtige Menschenbild wären. Wir Menschen haben quasi zwei Seiten: Die eine Seite unseres Ichs funktioniert eher rational und handelt verantwortlich, die andere spontane Seite ist emotional und handelt kurzsichtig und nach Gefühl. Diese zweite Seite sorgt dafür, dass wir uns falsch verhalten und uns und anderen Schaden zufügen. Die Frage um Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist nun, welche Seite unseres Ichs die richtige ist. Und ich persönlich bin der Meinung, dass unsere Langzeit-Seite zumeist die richtige ist, da sie längerfristig denkt und immer zwischen verschiedenen Optionen rational abwägt.

Wir sollten also darüber nachdenken, wie wir unsere spontanen Gelüste und Sehnsüchte besser in den Griff bekommen können. Mein Rezept für die Menschheit ist, herauszufinden, wann uns unsere spontanen Wünsche und Sehnsüchte vom Weg abbringen und Wege und Möglichkeiten zu ersinnen, diese zu überwinden. Wenn wir das schaffen, wird unsere Welt ein Stück weit besser. (Dan Ariely, derStandard.at, 29.8.2011)

Autor

Dan Ariely, The European, ist Professor für Verhaltensökonomik an der Duke University. Auf seiner Webseite danariely.com betreibt er einen Blog, in dem er Thesen aus seinem Buch "Predictably Irrational" weiterentwickelt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
Pimpi
00
30.8.2011, 11:19
Und führe mich nicht in Versuchung

Bah! ein zäher Artikel

sysiphos
 
00
31.8.2011, 11:51
sondern erlöse uns von dem bösen.

amen. es lebe die heilige katholische triebunterdrückung.

Tycho Brahe
00
30.8.2011, 10:08
Als "gelernter Eletroniker"

kann ich nur über die wirren Thesen eines "Verhaltensökonomikers" grinsen. Ich muss jeden Tag den Wahrheitsbeweis für meine Schaltungen antreten, manche Leute nie, das ist zutiefst ungerecht!
Lasst aber die Theologen, Ökonomen, Meteorologen weiterwursteln, denen glaubt eh niemand mehr, ggg

her wig
00
30.8.2011, 10:03

Wie im Religionsunterricht.

laurelundhardy
00
30.8.2011, 10:00
Habe den (tatsächlich sehr interessanten) Blog TROTZ obigen Teasers besucht!

Obiger Artikel lässt einen geistig doch stark unterfordert zurück. Wurde der Text zu stark gekürzt, oder ist er nur für sehr einfache Gemüter verfasst?

Chocoholic
00
30.8.2011, 09:46
Was erregt wohl die Gemüter der posting Gemeinde an dem Artikel so?

Ist es möglicherweise, dass niemandem anderen die Schuld fürs eigene Handeln in die Schuhe geschoben werden kann? Ist es das, was hier am harmlosen Status quo Artikel fehlt und den Zorn der poster auf sich zieht? Ich finde die Beschreibungen und Erklärungen des Verfassers absolut adäquat.

sysiphos
 
00
31.8.2011, 11:46
die ärger erregende dummheit ist es,

die aus jeder zeile dieses artikels trieft, weswegen verständlicherweise drauf eingeprügelt wird. so einen stuss liest man wirklich nicht alle tage. die elementarsten erkenntnisse der psychologie werden hier nicht einmal mit füßen getreten, sondern völlig ignoriert. (ja der mensch HAT wünsche und sehnsüchte und DAS macht ihn zum MENSCHEN!!! die samt und sonders zu unterdrücken ist krank, dumm und gefährlich!!). dinge werden in einen zusammenhang gestellt und verglichen, die nicht zusammenhängn und nicht verglichen werden können. (damals 10% todesfälle durch eigenverschulden, hjeute 45% ?? was für ein unfug!!! gab es damals kein übergewicht und rauchen? oder hat damals der standardeintrag im totenschein nur: "allgemeines übel" gelautet?)

Adams, 42 Adams
00
30.8.2011, 09:06
Ja dürfen´s denn des überhaupt

ins Kino gehen und Kuchen essen???

bibabo
00
30.8.2011, 08:41
Die Kommentare hier sind ja noch schlimmer als sonst...

http://www.amazon.de/Predictab... 387&sr=1-1

buch lesen, nachdenken, verstehen!

wurm83
 
00
30.8.2011, 09:43
he sry aber

der Schreiberling des Artikels hat mich und vermutlich alle andern Menschen des Planeten als falsch(schlecht) bezeichnet, da wir wohl alle des öfteren täglich intuitiv handeln.

und wenn jemand mein ganzes leben als falsch bezeichnet, dann muss er sich auchbz kritik anhören vor allem wenn er argumente bringt die ABSOLUTER schwachsinn sind.

das bedeutet nicht, das die ganze these müll ist, aber kurzfristiges handeln = automatisch falsch...wie gesagt... ich denke, dass uns kurzfristiges handeln oftmals das leben rettet, zB.: das du ausweichst wenn ein auto auf dich zufährt...der schreiber des artikels empfiehlt uns zu überlegen....das halte ich für weniger sinnvoll ausser man will sterben...

bibabo
00
30.8.2011, 11:33

also wo alle menschen als schlecht bezeichnet werden habe ich jetzt nicht gefunden...

natürlich soll man kurzfristig, emotional und spontan handeln, das ist wichtig.

es gibt nur bereiche wo uns dieses verhalten in (grobe) schwierigkeiten bringt.
und spätestens wenn es um menschenleben, wirtschaftskrisen, etc.etc. geht sollten wir uns vllt. überlegen ob an dieser ecke nicht handlungsbedarf besteht.

wurm83
 
00
30.8.2011, 12:47
nicht?

"Wir Menschen haben quasi zwei Seiten: Die eine Seite unseres Ichs funktioniert eher rational und handelt verantwortlich, die andere spontane Seite ist emotional und handelt kurzsichtig und nach Gefühl. Diese zweite Seite sorgt dafür, dass wir uns falsch verhalten und uns und anderen Schaden zufügen"

kurzichtig, falsch, schaden zufügen! (sind für mich ziemlich negative kriterien...)

ach ja und die these ist müll, früher wurden leute auch fett wenn sie genug zu essen hatten sie wurden nciht deshalb nciht fett weil sie klüger waren sonder ärmer, geraucht haben sie natürlich auch, und autofahren mag durch sms riskanter werden dafür durch das airbag und gurte sicherer.

Aung San Suu Tschi
 
04
30.8.2011, 08:27
Nicht nur dumm, sondern auch noch größenwahnsinnig

"Mein Rezept für die Menschheit ist, herauszufinden, wann uns unsere spontanen Wünsche und Sehnsüchte vom Weg abbringen und Wege und Möglichkeiten zu ersinnen, diese zu überwinden. Wenn wir das schaffen, wird unsere Welt ein Stück weit besser."

Dieser "Professor" ist ein Beispiel dafür, wohin die Ökonomisierung & weitere Privatisierung des Hochschulwesens führen kann: Zur Anstellung von irgendwelchen Berühmtheiten, die akademisch völlige Nullen sind.

Der Artikel hat nicht einmal Oberstufen-Niveau. Der Mensch spricht von Trieben & fällt hinter Freud zurück & er spricht von "unserer Welt", als ob es keine verschiedenen Interessen & keine Politik gäbe.

Erbärmlich, dass so Jemandem eine Bühne geboten wird.

Jake Gittes
03
30.8.2011, 08:26

Mir scheint Herr Ariely ist ein Wiedergänger. Er ist die säkularisierte Variante der christlisch-abendländischen Lustfeindlichkeit die überall das Böse vermutet wo etwas mit Lust zu tun hat.

Quintus Beckloeffel
111
30.8.2011, 07:23

Und morgen präsentiert uns Stanley McCullough, Professor für biotrhythmische Physiologie an der Fordham University New York, seine These:
"Manchmal schlafen wir und manchmal sind wir wach."

rabe wunderbar
00
30.8.2011, 01:25

also gut: mein rezept für die welt ist ...

ah ja, und bevor ich's vergesse ... selbst der subjektivste wahrnehmungsinhalt ist ein objektiver beweis, für das vorhandensein von existenz ...

roland rathwallner
 
01
30.8.2011, 00:59

"Aber dann kommt uns unser spontanes Ich in die Quere und wir erliegen der Versuchung: Wir essen Kuchen und gehen ins Kino anstatt ins Fitnessstudio."

Da ist dem Herrn Ariely sein spontanes Ich aber gewaltig in die Quere gekommen: Er verfasst einen Gastkommentar für den Standard, anstatt seine seichten "Weisheiten" für sich zu behalten.

André Lant
02
30.8.2011, 00:20
Was'n das für ein flacher Wissenschafter?

wurm83
 
02
30.8.2011, 00:02
was für ein unsinn....

wie kann man davon ausgehen, das technische neuerungen zu häufigeren unfällen führt? das stimmt zwar einerseits, anderseits verhindern sie aber mindestens genau so viele...

du fragst an was man vor 100 jahren sterben konnte, was durch fortschritt verhindert wird?

zb: geschlechtskrankheiten und gummis

ALLEINE das rauchen anzuführen, hat man vor 100 jahren nicht geraucht? Oo und damals noch ohne filter..

warum sollte übergewicht heute tödlicher sein als vor 100 jahren?

und intuitive entscheidungen sind automatisch falsch????
leg mal deine hand auf die heisse herdplatte und fang an zu überlegen.....

TheSkinny
01
29.8.2011, 19:01
unbeschreiblicher quatsch,

wenn man bedenkt wie rational die entscheidungsfindung unserer politiker, unterstützt von bestens bezahlten lobbyisten und beraterwixern, abläuft.
wenn das wirklich das resumee der wissenschaft ist, sollten wir uns wohl oder übel über eine abschaffung unserer universitäten den kopf zerbrechen.
@standard: diesen quatsch würde nicht mal die krone veröffentlichen !!! - ich bin empört

panda rage
00
29.8.2011, 19:34

wie rational sind denn die entscheidungsfindungen unserer politiker und ihrer netzwerke ihrer meinung nach ? rational like "mir sind die langfristigen konsequenzen meiner entscheidungen bewusst und ich handle nach bestem wissen und gewissen" oder eher "ich entscheide so, wie es MIR (bzw der partei für die altruisten) am meisten nutzen bringt und nach mir die sintflut" ?

TheSkinny
00
29.8.2011, 23:39
zum quatsch

schon allein auf grund der ergebnisse der gegenwärtigen politik ist mir bewusst, dass die entscheidungen die getroffen wurden und werden herzlich wenig mit rationalität am hut haben - vielmehr regiert da egomanie und megalomi.
selbstverständlich ist mir bewusst, dass entscheidungen getroffen werden müssen, ebenso dass es irrläufer geben muss. als bürger vermisse ich den mut der politik, irrläufer zu erkennen und gegenzusteuern. ob die entscheidungen nun wirklich rational sind, kann ich beim besten willen nicht erahnen - was ich aber primär ausdrücken wollte, ist, dass ich mit diesem artikel im standard nichts anfangen konnte. hier ist die rationalität sehr wohl durchschaubar - die rationalität eines fauler journalisten, dem offensichtlich n

chkrall
01
29.8.2011, 16:50
Mehr Professuren für Verhaltensökonomik braucht die Welt - Teil 1

****!!! Jetzt hat er auch noch die Frage nach dem Richtig und dem Falsch in einem Nebensatz beantwortet: falsch ist, was wir spontan und emotional tun. Es hat sich nämlich noch nie jemand aus einer rationalen Erwägung heraus falsch entschieden!

Bitte, ich möchte auch Professor für Verhaltensökonomik werden!

chkrall
00
29.8.2011, 16:46
Mehr Professuren für Verhaltensökonomik braucht die Welt - Teil 1

"Womit wir schon tief in der Diskussion um das richtige Menschenbild wären. Wir Menschen haben quasi zwei Seiten."
So schnell ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild beantwortet!
"Die eine Seite unseres Ichs funktioniert eher rational und handelt verantwortlich, die andere spontane Seite ist emotional und handelt kurzsichtig und nach Gefühl."
"Unser Ich" ist jemand, mit dem ich gerne mal auf einen Kaffee gehen würde. Selbst wenn er/sie mit nur zwei Seiten ein wenig facettenarm sein dürfte.

chkrall
01
29.8.2011, 17:33
Mehr Professuren für Verhaltensökonomik braucht die Welt - Teil 2

"Diese zweite Seite sorgt dafür, dass wir uns falsch verhalten und uns und anderen Schaden zufügen."
Genial! Jetzt entscheidet er auch noch im Handumdrehen die Frage nach dem Richtig und dem Falsch! Falsch ist, was wir spontan und emotional entscheiden. Es hat sich nämlich noch nie jemand aus rationalen Erwägungen heraus falsch entschieden.

Bitte, ich möchte auch Professor für Verhaltensökonomik werden!!!

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