Eric Schmidt: "Keiner zwingt Sie Google+ zu verwenden"
Andreas Proschofsky, 29. August 2011, 08:59
"Es wäre für das Internet besser, wenn wir wissen, dass hinter einem Namen eine echte Person steckt und kein Hund"
So sehr Google sich bemüht laufend an der technischen Seite seines - offiziell noch immer als "limitierter Feldtest" firmierenden - sozialen Netzwerkes zu feilen, so mehrdeutig gibt man sich bislang ausgerechnet beim bislang umstrittensten Punkt der Google+-Regeln: Geht es um den Zwang zur Verwendung von Klarnamen - und die massiv geäußerte Kritik an dieser Regelung - fallen Statements des Softwareherstellers bislang reichlich einsilbig aus.
Absage
Diese Phase des - relativen - Schweigens beendet nun Google-Vorsitzender Eric Schmidt: Andy Carvin von NPR (ehemals: National Public Radio der USA) konnte Schmidt im Rahmen des International TV Festivals in Edingburgh kurze Fragen zu dem Thema stellen, und bekam dabei Antworten, die an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig lassen. Google+ sei ein Service, der von Grund auf auf echte Identitäten ausgelegt sei, entsprechend sei es unumgänglich, dass die NutzerInnen ihren eigene Namen nutzen.
"Keiner zwingt Sie Google+ zu verwenden"
Wer Angst um seine Sicherheit habe, wenn er seinen echten Namen verwende, solle das Service einfach nicht nutzen: "Keiner zwingt Sie Google+ zu verwenden", so Schmidt. Und in den immer wieder angeführten Länder mit repressiven Regimen gebe es ohnehin keinerlei Privatsphäre. Schmidt zeigt sich aber auch jenseits von Google+ von den Meriten einer netzweiten Klarnamensregelung überzeugt: "Es wäre für das Internet besser, wenn wir wissen, dass hinter einem Namen eine echte Person steckt und kein Fake oder ein Hund", wird der ehemalige Google-CEO deutlich.
Widersprüchliches
So unmissverständlich die Aussagen auch sein mögen, für aufmerksame BeobachterInnen der Causa kommen sie zum jetzigen Zeitpunkt wohl trotzdem etwas überraschend. Hatte doch erst vor wenigen Tagen Bradley Horowitz, als Vizepräsident für Google+ zuständig, in einem Video-Interview mit Tim O'Reilly noch ganz andere Töne angeschlagen. Man wisse sehr genau um den Wert von Anonymität und Pseudonymität im Internet, so Horowitz. Dieses seien einfach derzeit von Google+ noch nicht abgedeckte Szenarien, ähnlich wie der fehlende Zugang für Jugendliche oder auch Google-Apps-NutzerInnen.
Nicht zuletzt aufgrund der massiven Kritik arbeite man aber mit Hochdruck an einer Möglichkeit, Pseudonym-Accounts zuzulassen, es gebe hier keinerlei grundlegende moralische Opposition, versichert Horowitz. Allerdings wolle man dies auf eine Weise vornehmen, von der die "gesamte Community" profitiere, betont der Google+-VP, ohne auf weitere Details einzugehen.
Unruhe
Beide Aussagen sind also nur schwerlich in ein stringentes Gesamtbild zu bringen, warum dem so ist, darf nur spekuliert werden. So waren in den letzten Tagen Berichte aufgetaucht, dass es auch innerhalb von Google massive Auseinandersetzungen zu dem Thema gibt, viel Angestellte intern schon seit Monaten Lobby-Arbeit für eine Richtungsänderung machen. So sollen etwa rund 10 Prozent aller Google-Angestellten eine Petition zur Änderung der aktuellen Herangehensweise unterschrieben haben, einzelne aus Protest gar dem Konzern den Rücken gekehrt haben. (apo, derStandard.at, 29.08.11)
man stelle sich so eine basisdemokratische debatte bei microsoft oder apple vor! das wäre dort undenkbar, dort würde der boss einfach über alles drüberfahren und fertig.
Eine interessante Beobachtung ad Privatsphäre bei Google:
Meine Schwester ist in Afrika und mehrere andere Personen verwenden ihren Computer um ihren Google Mail Account zu verwalten.
Da gab es noch nie "Zustellungsprobleme" - jeder hat ja seinen Account. Aber die G+ Einladungen von mir und anderen für sie gingen an andere Personen, die denselben Computer benutzen.
Dass die Konkurrenz Facebook z.B. auch schon eifrig die Daten von Nicht-Registrierten sammelt, wird Herr Schmidt bei der Gelegenheit natürlich nicht zur Sprache bringen.
Nein, nein, Google macht das alles viel besser und nur aus Menschenliebe und um ein bisschen Werbung zu schalten.
Schmidt, O-Ton:
"Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft versteht, was passiert"
Ich glaube, dass die meisten Menschen gar nicht wollen, dass Google ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen.
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 72,00.html
das ist Quatsch und hat mit big brother nix zu tun!
Ähnliche Diskussionen gab es in den 70ern beim CB Funk (v/s Amateurfunk wo quasi durch das Rufzeichen real-name-Zwang Voraussetzung ist). Bei google+ geht es sehr wohl um ein gewisses Qualitätsmerkmal. Es gibt 100derte Foren und soziale Netze wo sich "Peter Mustermann" hinter Uschi279 versteckt ... Und Google+ meint eben: wer sich auf unserem Netzwerk präsentiert, sollte wenigstens seinen echten Namen angeben, oder es sein lassen, was hat das mit big brother zu tun??
Es gibt auch im realen Leben durchaus Situationen, in den ich meinen Namen nicht verrate, geschweige denn meine Adresse. Warum sollte ich mich also grade im Internet zwingend mit meinen richtigen Daten registrieren? Vor allem in Anbetracht der Unsicherheit der Daten.
Und wenn Google meint, anders ginge es nicht... no problem - dann wird Google eben ohne mich auskommen müssen. ICH brauch Google nicht unbedingt.
wer das nicht mag, der muss G+ ja nicht nutzen. Die Tatsache alleine jedoch (nämlich die G+ Regel dass jeder seinen realname verwenden soll) bzw. die Idee ist grundsätzlich meiner Ansicht nach nicht verdammenswert. Wie schon vielfach bemerkt: man muss sich ja nicht auf G+ anmelden und wenn Peter weiterhin Uschi279 heissen möchte, dafür gibt es gaaaaanz viele "Portale" im Internet ...
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