Präsident Piñera lädt Studenten zu Gesprächen ein

28. August 2011, 18:52

Nachdem Demonstrationen am Freitag mit einem Toten und 1400 Festnahmen endeten

Santiago de Chile - Nach massiven Demonstrationen, die am Freitag mit einem Toten und rund 1400 Festnahmen endeten, hatte Chiles konservativer Präsident Sebastián Piñera eingelenkt und zum Gespräch über eine eventuelle Reform des Erziehungssystems eingeladen. Die chilenische Studentenbewegung hat den Aufruf zu einem direkten Dialog angenommen - ein erstes Treffen im Palacio de la Moneda, dem Regierungssitz in Santiago de Chile, ist bereits für Dienstag geplant, meldete Radio Cooperativa.

Zum Abschluss eines zweitägigen Generalstreiks war es in der Hauptstadt am Freitag erneut zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Ein 16-jähriger wurde in Santiago von einem Polizisten unter bisher ungeklärten Umständen erschossen, Piñera hat eine Untersuchung angekündigt. Es war das erste Todesopfer seit Beginn der Demonstrationen. In Santiago de Chile und anderen Städten gingen nach Schätzung der Regierung 175.000 Menschen auf die Straße, während die Gewerkschaft die Zahl der Demonstranten auf 600.000 bezifferte.

Studenten, Schüler und Lehrer fordern seit Mai eine Reform des Erziehungssystems, unter anderem um die hohen Gebühren für die Studiengänge abzuschaffen. Ein Studium in Chile kann bis zu 40.000 Euro kosten. Laut OECD ist studieren nirgends auf der Welt so teuer wie in Chile. (red, STANDARD-Printausgabe, 29.8.2011)

Adam Markus
11
29.8.2011, 00:15

Es lebe das neoliberale Wunderland Chile! Friedman und den "Chicago Boys" sei dank, die gleich nach der Ermordung des demokratisch gewählten Präsidenten Allende, dabei halfen dieses damals neue Wirtschaftssystem in Chile auszuprobieren.

Wenn's nach den neoliberalen Propagandisten geht, die wir auch bei dieser Zeitung (und erst Recht in der Regierung)haben, werden wir auch bald dort sein.

Ernst Guevara
11
28.8.2011, 19:06
interessant,

dass jetzt immerhin offiziell schon zugegeben wird, dass der mörder ein polizist war. anfangs wurde sogar dies von der regierung bestritten und wie üblich irgendwas von "organisierter kriminalität" geplappert. übrigens sind die umstände gar nicht so ungeklärt: die "Santiago Times" haben unter berufung auf augenzeugen berichtet, dass der 16-jährige nicht an den demos beteiligt war und aus einem vorbeirasenden auto der carabineros erschossen wurde.

Miriam Lang
00
aufgelöst

stimmt nicht ganz, daß die Regierung dies abgestritten hat (diese hat die Untersuchung erst in die Wege geleitet). Hauptsache mal wieder draufgehauen, gell?

Es war der Polizeipräsident, der dies zuerst bestritt, der deswegen mittlerweile seinen Hut nehmen musste, sowie auch 3 andere Kollegen. Nach Ermittlungen des PDI (das chilenische FBI) wurde der Polizist aber überführt, da die Kugel eindeutig der Waffe zugeordnet werden konnte. Dieser ist jetzt vom Dienst suspendiert und muss sich vor dem Gericht verantworten (Potentielle Strafe: 20 Jahre).
Der Polizist behauptet, er habe 2 Warnschüsse in die Luft gefeuert, von dem 1 unglücklich sehr weit abkam und den unbeteiligten Jungen traf. Mal schauen...

Ernst Guevara
00
was soll schon dabei herauskommen?

natürlich wird der typ freigelassen, schliesslich wird sein verbrechen nicht von einem gewöhnlichen gericht sondern von einem militärtribunal verhandelt. im übrigen hat sich der carabinero als handfester lügner geoutet: seine ursprüngliche angabe, er habe in die luft geschossen, musste er inzwischen selbst zurücknehmen und er behauptet nun, er habe schüsse in diagonaler richtung abgegeben. wahrscheinlich wäre es auch blöd gewesen, bei seiner ursprünglichen version zu bleiben, da die forensische untersuchung erwiesen hat, dass er nicht in die luft geschossen hat.
http://www.santiagotimes.cl/chile/hum... -by-police

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.