Uni ohne Studierende gibt es nicht

Kommentar der anderen | Sara Scheiflinger
28. August 2011, 18:22

Töchterles Weise haben die Rechnung ohne ÖH gemacht - Von Janine Wulz

Der Weisenbericht von Minister Töchterle vergisst vor lauter wirtschaftlicher Verwertbarkeit von Hochschulen auf die größte Gruppe der Hochschulangehörigen, nämlich die Studierenden.

Zahlreiche Studien zeigen, welche Auswirkungen die im Bericht geforderten Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren haben: Studierende brechen ihr Studium am häufigsten aus finanziellen Gründen ab, Kinder aus einkommensschwächeren Familien trauen sich nicht mehr zu, überhaupt ein Studium zu beginnen, weil das finanzielle Risiko bei einem Scheitern zu groß wäre.

Im Expertenbericht kommt diese Realität nicht vor. Studierende sollen zahlen. Studiengebühren werden gefordert, Beihilfen werden zurückverlangt. Dass das für viele, auch nach einem Abschluss, nicht möglich ist, wird ignoriert. Damit disqualifiziert sich der Bericht selbst als ÖVP-Auftragswerk. Anstatt sich ernsthaft mit der Thematik der Hochschulen auseinanderzusetzen, kommt der Bericht über das Zitieren von Studien des Wissenschaftsministeriums nicht hinaus. Die Studierendensozialerhebung wird nur an passender Stelle in den Bericht einbezogen, aber deren Ergebnisse werden ignoriert.

Somit scheint klar: Die ÖVP will Studierende von den Hochschulen drängen, ungeachtet der ohnehin viel zu niedrigen AkademikerInnenquote in Österreich. Dieses Vorgehen ist unverantwortlich der Zukunft von jungen Menschen und der zukünftigen Gesellschaft gegenüber.

Die "Weisen" haben die Rechnung ohne uns gemacht - denn ohne Studierende gibt es keine Hochschullandschaft und ohne diese keine Wissensgesellschaft, von der die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft so stark abhängt. Es wurde einfach auf eine der wichtigsten Expertisen - die der Studierenden - und somit auf deren Erfahrungen und Ideen verzichtet.

An einer Ausfinanzierung der Hochschulen und an sozialer Absicherung der Studierenden führt kein Weg vorbei, ebenso wenig wie am Einbezug der Studierenden in die Diskussion. Dies sollte Minister Töchterle mittlerweile klar sein. (Janine Wulz, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2011)

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Janine Wulz ist im Vorsitz der ÖH-Bundesvertretung.

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Im Expertenbericht kommt diese Realität nicht vor:

"Studierende brechen ihr Studium am häufigsten aus finanziellen Gründen ab, Kinder aus einkommensschwächeren Familien trauen sich nicht mehr zu, überhaupt ein Studium zu beginnen, weil das finanzielle Risiko bei einem Scheitern zu groß wäre." Ein Faktum, das ich nur bestätigen kann - anhand eigener Erfahrungen und derer meiner Kinder und deren FreundInnen. Absurd daher die Forderung der offensichtlich gut verdienenden "Weisen": "Studierende sollen zahlen. Studiengebühren werden gefordert, Beihilfen werden zurückverlangt. Dass das für viele, auch nach einem Abschluss, nicht möglich ist, wird ignoriert. Damit disqualifiziert sich der Bericht selbst als ÖVP-Auftragswerk." Österreich in Geiselhaft der ÖVP, im Rücken gestärkt durch die FPÖ ...

JETZT IM ERNST: Diese primitive Schreibe sollen angehende Akademiker unterschreiben können?

Liest man diesen geistigen Tiefflieger, wundert man sich nicht mehr über die geringe Wahlbeteiligg bei ÖH-Wahlen: Nur ein Viertel wählte! Knappe 15% aller Wahlberechtigten weiß nun diese ÖH-Vertretung hinter sich, die sich den Mund übervoll nimmt und dabei in manipulativer Weise alle wissenschaftl. Untersuchungen, die ihre Ansichten als irrig auswiesen, unterschlägt.
Gott - oder wer immer - schütze uns vor solchen denkunfähigen Akademikern!

man kann sich auch so

selber disqualifizieren ...

ein paar honorare weniger an die hocheggers, gorbachs und mensdorffs dieser republik...

... und schon ist der gegenwert der studiengebühr eingespart.

aber wir wissen, wie politik und wirtschaft mittlerweile durchgängig funktionieren: "unser geld für unsere leut."

Im sozialen Modell von wertkonservativen und neoliberalen

ist halt ein Fortschreiben von jetzigen gesellschaftlichen stabilen Zuständen der Hauptschwerpunkt.
Wir haben eine ausreichende Akademikerquote und eine reine Perpetuierung dieser Quote wäre für die ständischen Ideologen ideal.
Das Kind des Friseurs wird Friseur, das des Müllabführers wird Müllabführer und der Sohn des Arztes wird Arzt und die Tochter der Anwältin wird Anwältin (es ist ohnehin ein großes Zugeständnis an die Moderne das wir überhaupt AnwältINNen haben!)
Ein ständischer Berufszwang wäre überhaupt am Idealsten, aber das kann man so auch erreichen.
Es kann ja nicht angehen daß Bezüge von Akademikern fallen weil es zu viele Akademiker gibt!

nun

sie bschreiben das heute system, und argumentieren das eine aenderung (eignungstests/gebuehren mit stipendien) schlecht waere?

interessant ist es doch das die soziale durchmischung in oesterreich nicht gelingt, in laendern mit solchen 'huerden' schon.

ein grund ist das das traditionelle diplomstudium ja fuer kinder aus familien mit starken einkommen kein problem war. wenns 20 semester dauert macht das fuer jene ja auch nichts, fuer ein arbeiterkind ist das dann teurer als wenn es 10 semester moderate studiengebuehren zahlen muesste (welche es dann ohnehin bei talent voll erstattet bekaeme).

meine eltern haben uebrigens keine uni von innen gesehen, ausser bei meiner sponsion und promotion.

wer

macht den eignungstest, wie soll das vernünftig festgestellt werden???

gar nicht, darum schaffen die frauen ja auch nicht den medizineignungstest

die österreichischen männer übrigens auch nicht, sondern eher die deutschen.

bitte denken sie mal darüber nach!!!

eignungstest sind ein vollkommener unsinn, und laufen wieder nur darauf hinaus, dass schon die kinder von meist "reichen" eltern gedrillt werden, damit sie es auf eine uni schaffen.

siehe amerika, dort kann man sich letztlich dann sogar offiziel einen studienplatz kaufen, wenn der papa auch dort studiert hat.

was wir brauchen ist ein vernünftiger common body of knowledge, der auf fhs beigebracht wird und darauf basierend ein freier hochschulzugang.

ein studium muss auch wieder l

gegen eine stärkere Durchmischung

gibt es noch eine Vielzahl anderer Faktoren.
Es ist ja ein Irrglaube daß die diversen Kammern dazu eingerichtet wurden Unternehmertum zu fördern. Im Gegenteil!
Aber im Unternehmertum ist der ständische Gedanke stärker ausgebildet weil es um die Weitergabe von Produktionmitteln vermittels Vererbung geht.
Was spricht dagegen den Universitäten aus dem Budget ausreichende Mittel zu geben und keine Studiengebühren einzuheben - einfach aus dem Bildungsauftrag des Staates heraus?
Ich verstehe nicht wieso man dagegen sein kann - ausser man will die Stratifizierung der Stände!

Was spricht dagegen den Universitäten aus dem Budget ausreichende Mittel zu geben und keine Studiengebühren einzuheben - einfach aus dem Bildungsauftrag des Staates heraus?

Gar nichts.

Allerdings spricht ebenso nichts dagegen (bzw ist das absolut notwendig) Studienplaetze auf eine Hoehe zu deckeln die sinnvoll fuer die entsprechende studienrichtung sind und die auch mit der finanzierung korreliert. Auch wenn die Unis 10x mehr geld bekommen koennen sie nicht 100x mehr studenten ausbilden. Ganz abgesehen davon das eine mehrfinanzierung ohne zugangsregeln dazu fuehrt das oesterreich massiv deutsche studenten ausbildet.

Was studiengebuehren betrifft: Gekoppelt mit stipendien spricht auch dagegen nichts. Koennte auch ein nullsummenspiel sein, also studenten aus finanziell gut gestellten familien finanzieren das studium fuer arbeiterkinder 'quer' ...

Was spricht dafür die Anzahl der Studienplätze zu deckeln?

Ausser daß man weniger Studenten haben will. Warum zum Teufel weniger Studenten?
Sind Studenten irgendwie abzulehnen?
Ist Wissenserwerb grundsätzlich abzulehenen?
Niemand kann mir erzählen daß eine Begrenzung der Bildung andere Gründe hätte ausser Ideologische!

Niemand rede mir von ökonomischen Erfordernissen! In meinem (idealistischen) Gedankenmodell haben Ausbildungsstätten ohnehin genug Geldmittel. Und trotzdem spricht man von Beschränkung.

Warum? Warum?

Sie gehen ja nicht mal auf die argumente ein.

Ich bin davon ueberzeugt das man auch in Zukunft studien wie physik, mathematik udgl NICHT deckeln muss. Allerdings wenn ein Hoersaal nun mal nur fuer 500 studenten ausgelegt ist, und 2000 wollen studieren, macht das keinen sinn mehr. Es macht auch keinen Sinn 10000 mediziner auszubilden wenn nur 1000 einen job bekommen koennen.

Die Ideologischen Gruende Studienplaetze auszufinanzieren und damit unweigerlich auch zu begrenzen: Qualitaetssicherung. Und ja ich bin auch der Meinung man sollte jungen Menschen keine falschen Hoffnungen machen - so wie es jetzt der Fall ist - jeder 'darf' studieren, allerdings zu denkbar schlechten Bedinungen, und viele ohne Aussicht auch einen job zu finden.

Zu ihrem letzten Argument:

Ich denke genau das ist nötig! In einem freien Staat mit freien Bürgern und mit Freiheit der Wissenschaft! Studien nach rein utiliaristischen Grundsätzen zu beschränken wie nützlich sie für die Wirtschaft sind entspricht nicht diesem Geist, den noch die Gründerväter dieser Republik sogar in die Verfassung hineinreklamierten!
Freiheit der Kunst, der Wissenschaft, der Berufswahl! Es wird immer unangepasste Geister geben und gerade die braucht eine Wissensgesellschaft. Angepasste Herdentiere die "nützliche" Studien betrieben haben, in der Lage waren ihr Studium auf einer Privatuni mit ach und krach aber viel Mittel zu organisieren, haben wir eh genug!

Traurig ist es ...

wenn die OeH argumentiert wie ein populistischer politiker. Milchmaedchenrechnung a la 'mehr studenten/keine gebuehren/eignungstests -> hoehere akademikaquote'.

Was ausser Streit steht ist das die soziale Durchlaessigkeit in Oesterreich so gering ist, wie in fast keinen anderen Land, also der 'freie Hochschulzugang' hilft wohl nicht viel.

ÖH

Also auch wenn nur ca. 25% der Studierenden die ÖH-Wählen, hat sie Ihre Berechtigung. Warum die Wahlbeteiligung so gering ist sollte sich mal die ÖH selber fragen? Viele Stundenten fühlen sich einfach von keiner der Parteien wirklich ernsthaft vertreten. Der Wahlkampf ist meist Kasperltheater. Halt leider wie bei unseren Bundesparteien. Schade eigentlich!
Das nächste ist, dass ohne Geld die UNI's zu Grunde gehen werden. Wir Studenten können uns glücklich schätzen für diese relative geringen Kosten, eine gute Ausbildung zu bekommen. Andere müssen (wie unten beschrieben) um die Matura nachzuholen, oder für eine Weiterbildung jeglicher Art, etliche Tausend Euro für ein Studienjahr bezahlen.

"Warum die Wahlbeteiligung so gering ist sollte sich mal die ÖH selber fragen? Viele Stundenten fühlen sich einfach von keiner der Parteien wirklich ernsthaft vertreten."

Ich glaube, Sie machen es sich ein wenig zu leicht mit diesem Schluss. Ich weiß, dass es nicht repräsentativ ist von eigenen Erfahrungen zu sprechen, aber ich kann sagen, dass ich im Laufe meines Studiums sehr sehr vielen Studierenden begegnet bin, denen es einfach egal war. Die meisten haben nicht einmal (trotz der unzähligen Plakate etc.) mitbekommen, dass es Wahlen gibt. Der Fokus lag für diese KollegInnen vor allem auf dem eigenen (schnellen und möglichst komfortablen) Vorankommen - alles andere war nebensächlich oder absolut unwichtig.

Ich gebe zu ich spreche auch nur aus Erfahrungen und Ja, ich kenne auch Studenten die mit verschlossenen Augen durch die Welt rennen. ;=)
Und wie Sie schon gesagt haben, agieren halt auch einige nach dem Gedanken "hinter mir die Sintflut". Trotzdem ist das schnelle Vorankommen, finde ich, wiederum keine Ausrede dafür nicht wählen zu gehen. Denn das Wählen hat kaum einen Einfluss auf meine Leistung. Das es immer eine Prozentsatz geben wird die nicht wählen gehen, ist nicht zu vermeiden. Aber bei einer so geringen Wahlbeteiligung muss man sich schon fragen, woher diese Ambitionen kommen. Meiner Meinung nach eben, wegen der Art wie Politik betrieben wird. Es ist halt leider wie auf Bundesebene, dass geringste Übel wählt man.

'der fokus lag am eigenen vorankommen'

kann ich bestaetigen, war zu meiner zeit auch so.
aus der aussage kann man zwei dinge ableiten:
- die studenten sind nicht der meinung das 'das eigenen vorankommen' sich in irgendeiner form verbessert oder verschlechtert wenn es in der OeH einen machtwechsel gibt.
- jene die sich fuer die OeH engagieren gehoeren oft zur gruppe fuer die das 'eigenen vorankommen' nicht immer so eine grosse rolle spielt. man braucht sich in den zusammenhang auch nur ansehen woher die politik die jungpolitiker rekrutiert ... von der OeH ohne arbeitserfahrung direkt ins parlament.

ich habe uebrigens obowhl mein fokus ebenfalls am eigenen vorankommen lag trotzdem gewaehlt.

Ich hätte es zwar nicht ganz so direkt geschrieben aber ich gebe Ihnen vollkommen recht (vl. bis auf einige Ausnahmen). ;=)

Nur was ich zu sagen versuchte war nicht, das sich die Studenten nicht bei irgendeiner der Parteien engagieren. Was sicher Zeit intensiv ist und hier halt das schnelle "Vorankommen" im Studium (vor allem in den MINT-Fächern) gefährdet.
Sondern das sie nicht wählen gehen.

schon.

Nur sie gehen halt auch nicht waehlen weil die OeH ja teilweise wirklcih so weit weg ist von jeder realitaet. Die predigien ihren 'freien hochschulzugang' und meinen das loese alle probleme...

meine erfahrung

als in österreich erstmals studiengebühren eingeführt wurden, haben etliche liebe kollegen und kolleginnen endlich ihr endlosstudium beendet. das hat sie zwar etwas gekostet - nämlich die studiengebühren für 2 semester -, ihnen aber auch einiges gebracht, naemlich ein fertiges studium. letztlich hat sich das auch finanziell gelohnt. klar, das ist jetzt eine isolierte beobachtung, aber man soll nicht immer so tun, als würden moderate studiengebühren die bedürftigen vom studium abhalten. und bessere studienbedingungen würden auch nicht schaden - auf einer überlaufenen massenuni hat man die einfach nicht.

ganz so als ob das fertigwerden ausschliesslich

von den studenten abhängt.

Schon sehr wesentlich. Bummelstudenten müssten sich klar werden ob sie wirklich und ernsthaft studieren wollen. Wenn nicht haben sie an der Uni ohnehin nichts verloren.

offenbar ist es jetzt eine überraschung

wenn ich ihnen mitteile, dass studierende tatsächlich etwas zu ihrem studienende beitragen können. aber es ist so. das kann ich mit langjähriger erfahrung als lehrende sagen. und das können sie jetzt glauben oder nicht.

Dass die Studierenden

etwas zum Abschluss ihres Studiums beitragen können steht außer Frage. Genaugenommen müssen sie das auch, da es schließlich um ihren Titel geht und nicht um ein Almosen der Republik.

Wesentlich ist jedoch der Umstand, dass dieses "Beitragen" durch die Bedingungen an den Hochschulen einen gewissen Rahmen nicht oder nur schwer sprengen kann. Von der alleinigen Schuld der Studierenden kann also nicht die Rede sein. Und wenn Keilermentalität für einen Abschluss in Mindestzeit erforderlich ist geht das am eigentlichen Sinn von Hochschluen meilenweit vorbei.

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