Affäre

ÖVP bremst bei Telekom-U-Ausschuss

28. August 2011, 17:21
  • Artikelbild
    foto: apa/günter r. artinger

    Den Eurofighter-U-Ausschuss nahm Ex-Kanzler Schüssel (li.), beobachtet von Verfahrensanwalt Gottfried Strasser und Peter Pilz, locker. Werden weitere Vorfälle während seiner Kanzlerschaft geprüft?

Beinahe täglich werden neue Details über dubiose Vorgänge bei der TA bekannt. Noch ist nicht sicher, dass es einen U-Ausschuss geben wird

Beinahe täglich werden neue Details über dubiose Vorgänge bei der Telekom bekannt. Noch ist trotzdem nicht sicher, dass es einen Untersuchungsausschuss geben wird - vor allem die ÖVP will sich noch nicht festlegen.

***

Wien/Graz - Die Nervosität der Politik ist zweifellos hoch. "Das ist eine Telekom-Affäre, keine ÖVP-Affäre", betonte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf am Sonntag. Dabei tauchten in den vergangenen Tagen immer mehr Details über Korruptionsvorwürfe bei der Telekom auf, die weit in ÖVP-Kreise hineinreichen.

Am Wochenende berichtete das Profil, dass der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly für seine Dienste rund um die Vergabe des Blaulichtfunknetzes Tetron im Jahr 2004, also unter Innenminister Ernst Strasser (ÖVP), deutlich mehr kassiert haben könnte als bisher bekannt. Neben jenen 1,1 Millionen Euro, die die Telekom Austria an Mensdorff zahlte, könnten weitere bis zu 2,6 Mio. Euro vom damaligen Tetron-Konsortialpartner Motorola gekommen sein. Profil bezieht sich auf einen Deal über die panamesische Briefkastengesellschaft Valurex International SA, die Mensdorffs verstorbenen "Wahlonkel" Timothy Landon zugeschrieben wird. Mensdorff bestätigt nur die 1,1 Millionen und betont, dass es sich dabei nicht um Bestechungs- oder Provisionsgelder gehandelt habe.

Im Parlament ist nun eine Debatte entbrannt, ob beziehungsweise wann ein Untersuchungs-Ausschuss eingesetzt werden soll, um die Vorwürfe aufzuklären. Grüne, FPÖ und das BZÖ von Josef Bucher, das ebenfalls mehrere hunderttausend Euro von der Telekom erhalten hat, plädieren für eine sofortige Prüfung.

Wie dringend ein U-Ausschuss nötig sei, zeige die Aufregung um den Kabinettschef von VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Michael Kloibmüller, meint der Grüne Peter Pilz. Kloibmüller, der auch schon unter Strasser tätig war und im Zusammenhang mit Postenschacher-Mails bekannt wurde, soll sich laut einem Telekom-internen Protokoll über den offensiven Umgang der Telekom mit Korruptionsvorwürfen - vor allem rund um Mensdorff, beklagt haben. Kloibmüller stellt die Dinge etwas anders darf - und will vor allem niemandem gedroht haben.

SPÖ und ÖVP haben sich jedenfalls in Sachen U-Ausschuss noch nicht entschieden. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ist zwar "geradezu überzeugt, dass er kommen wird müssen", will aber vorerst die Ermittlungen der Justiz abwarten. Noch vorsich- tiger ist ÖVP-Klubchef Kopf: "Wenn sich am Ende der Ermittlungen Fragen nach politischen Verantwortlichkeiten stellen sollten, werden wir einem U-Ausschuss zustimmen."

Schieszler "ein toller Mann"

Viele publik gewordenen Telekom-Details gehen auf Ex-Manager Gernot Schieszler zurück, der hofft, als Kronzeuge anerkannt zu werden. Trotz möglicher Imageprobleme steht dessen aktueller Arbeitgeber, die steierische Christof Group, zu Schieszler. Aufsichtsrats-Chef Johann Christof im Gespräch mit dem Standard: "Er macht seine Aufgaben hier wirklich ausgezeichnet. Ich und auch mein Sohn, der Mitaktionär und Vorstand ist, stehen hundertprozentig hinter Schieszler. Ich kenne Herrn Schieszler schon von früher, ein toller Mann, wirklich."

Schieszler sitzt gemeinsam mit Johann Christof junior und dem ehemaligen steirischen SPÖ-Landesrat Günter Dörflinger im Vorstand. Die Christof Group ist ein eher abseits der Öffentlichkeit agierender, 1966 gegründeter, Anlagenbauer mit rund 2000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt rund 300 Mio. Euro. (APA, go, mue, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 571
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Ein Demokrat fordert!
00
29.8.2011, 15:48
Scharmlos und traurig zu gleich.

Mich würde interessieren ob sich Politiker bei diesen Gaunereien, bei welchen sogar die Camora rot wird, überhaupt noch in den Spiegel schauen können.
Was sind das für grausige und Geldgierige Säcke? Traurig das es noch Menschen gibt, die solch Politiker wählen. NUR? Was wählen? FPÖ? NEIN danke .. und Grün als Alternative? bahhhh wenn ich die nur reden höre. Also nicht wählen?...

Dreistein
 
03
29.8.2011, 16:33
Eine neue Partei gehört her

Genau das - nicht mehr wählen zu gehen - hat unseren Staat an den Korruptionsabgrund gebracht. Denn schon viel zu Viele verweigern sich der Wahl und sind inzwischen zur größten Partei geworden. Ihre Stimmen aber zählen nicht und daher wird es bleiben wie es ist. Eine leichte Mehrheit für die schwarzblauorange Korruptionstruppe, eine schwache SPÖ die sich vor sich selbst fürchtet und die in Realitätsfremde schwelgenden Grünen.

Daher sollten sich einige beherzte Frauen und Männer zusammentun und eine neue Partei gründen, eine Partei die nicht von igendwelchen Bünden, Kammern oder Gewerkschaften abhängig ist.

CyberCop
00
30.8.2011, 06:43
so eine partei würde ich sofort wählen!

aber wie der fordernde demokrat schon meint: momentan gibt es keine einzige wählbare partei.

andrerseits: die kommunisten sollen in der steiermark gute arbeit leisten - hab ich gehört.
ob das wirklich stimmt kann ich allerdings nicht sagen.

uncle sam3
00
29.8.2011, 15:13
das ich

jemals dieser haufen gewählt habe...

Dragomir
01
29.8.2011, 14:24

halloooooooooooooooooooo Lauuuuuuuurrrrrrraaaaaaaaaaaaaaaaaaaa auuufwaaaaacheeeeeeeeeeeeeeen!!!!!

CyberCop
00
30.8.2011, 07:44
pscht - net so laut - laura is grad min basti im sandkisterl

Black Widdow
02
29.8.2011, 14:23
Ich bin schon neugierig

wie es dieser glorreichen Partei wieder gelingen wird, möglichst viel vertuschen zu können.

herbst8
00
29.8.2011, 12:59
Schieszler ... hofft, als Kronzeuge anerkannt zu werden

"Kein Kronzeuge dient der Wahrheitsfindung, sondern nur dem eigenen Überleben."

Avv. Egone Floredan

schlechter Gutmensch
11
29.8.2011, 15:24
wobei:

wenn der Kronzeuge nicht überlebt (was schon des öfteren vorkam), ist der Wahrheitsfindung auch nicht wirklich geholfen....

ibindes arbeitet
02
29.8.2011, 12:43
Blockade muss ja sein

sonst könnte ja etwas herauskommen!

Naja wir gehen halt arbeiten und schufften und andere bedienen sich und die Hansl'n
werden dann auch noch gewählt
damit sie weiter machen können..........

Neue Heimat
01
29.8.2011, 12:38
Was ich nicht verstehe

Der Ametsreiter ist doch seit mehr als 10 Jahren dabei und was weiß ich wieviel im Vorstand! Alle sollen was gewusst haben nur er nicht, es gilt natürlich die Unschuldsvermutung! Aber alle und nur er nichts mitbekommen hat ist er sag wir mal " sehr einfach im Kopf" oder er weiß etwas und versucht sich mit allen Mitteln zu retten. Aus meiner Sicht kann nur einer von aussen den Vorgang zur Gänze aufklären, der Eigentümer sollte endlich reagieren!!!

Beobachterin
00
29.8.2011, 14:43
...und ich will meine 15 € "Servicepauschale zurückhaben

Weil, wenn die eh so viel Geld haben zum Schmieren von "Lobbyisten" und Konsorten haben, dann brauchens doch den armen Kunden nicht das Geld abknöpfen...lol

Fantastic Fox
02
29.8.2011, 13:01
Meine Rede.

Aber in Österreich wird die Presse mit Scheinermittlungs-Blendgranaten Marke Grasser abgelenkt, während über solch offensichtliche Missstände Gras wächst.

Der Ametsreiter wäre nicht Telekom-Chef, wenn er nicht eine ganze Reihe von Politikern in der Hand hätte. Die lassen den nicht fallen.

Rudine Karell
017
29.8.2011, 12:27
Was ich dabei nicht verstehe,

das die ÖVP bei den Sonntagsfragen noch über die 5% Hürde kommt?

Wenn man sich ansieht, wie die ÖVP in den letzten Jahren diesem Land geschadet hat, was sie alles verhindert oder zerstört haben, was die ganzen Privatisierungen an Werten vernichtet haben, und wie wenig für die kleinen Bauern rausspringt, dann frage ich mich, ob die letzten Bastionen der ÖVP, die Bauern, wirklich so dämlich sind und noch diese Partei wählen können?

Manchmal denke ich, mit den Bauern kann man wirklich jeden Blödsinn machen und die wählen bis in den Tod die ÖVP?

Komische Leute die Bauern? Denn ohne die Bauern müßte die ÖVP ja schon weg sein vom Fenster so unwählbar wie die derzeit sind?

Ichmeine
01
29.8.2011, 17:22
Nicht nur die ÖVP

scheinbar vergessen die meisten, dass es sich damals nicht um eine ÖVP-Alleinregierung gehandelt hat.
Da die Gehirne des Stimmviehs - nicht nur Bauern sondern auch der großen Masse wie etwa dem Viktor Adler Platz Mob - so klein ist wie die Formate, die sie täglich lesen, ist nicht mit einer Veränderung zu rechnen.
Die "eigenen" Leute der gen. Parteien hingegen wissen was sie wählen und warum. Sie wollen weiterfladern und auf dem Rücken der vielgerühmten Fleissigen und Anständigen schmarotzen. Auch wollen sie keine Steuern zahlen, da sie ja angeblich die Leistungsträger sind, die die Arbeitsplätze schaffen - oder doch eher vernichten, damit die Dividenden für ihresgleichen und arbeitslose Großvermögen weiter maximiert werden, usw.

ikarus08
 
04
29.8.2011, 12:43

Die Bauern allein sind nicht für das noch immer stabile Abschneiden der ÖVP bei den meisten Wahlen verantwortlich. Diese machen nämlich nur 5% der Gesamtbevölkerung aus. Es gibt einfach noch immer viel zu viele, die aus rein tradtionellen bzw. berufsständischen Gründen ÖVP wählen.

hosenwurm
01
29.8.2011, 14:35

Dazu die 5% Reichsten und ein großer Teil der Beamten ohne Kiwara (wieviel sind das? 10%?).

Mit Überscheidungen unter den Gruppen wären das vielleicht 15%? Also so das Wahlergebnis das die ÖVP bei Wahlen in Wien einfährt, durchaus realistisch der Klientelpolitik entsprechend.

Außerhalb Wiens bzw. bei NR-Wahlen wird's wohl ÖVP aus Tradition (okay, die sterben langsam weg), oder solche denen erfolgreich eingeredet werden kann dass sie von der Klientelpolitik selber profitieren.

aunty
05
29.8.2011, 12:40

ich erinnere mich an einen wahlkampf, wo ein paar bauern mit ihren traktoren nach wien gefahren sind mit dem slogaqn

"gusenbauern für schüssel"

auf die frage des reporters, warum sie für schüssel seien, hat einer geantwortet, sinngemäß, "weils immer schon so war"

noch fragen?

supersepp
00
29.8.2011, 12:40
das denkt man sich doch immer

und am ende machen die doch noch immer ein gutes ergebnis. die wähler wollen das so.

Cuchullain
00
29.8.2011, 12:25
Schieszler "ein toller Mann" ...

... Schieszler sollte sich langsam einen Bodyguard besorgen ...

supersepp
00
29.8.2011, 12:41
naja

der wird wohl wirtschaftlich fertig gemacht werden. in china wäre er schon wegen steuerhinterziehung verschwunden. vielleicht wird das ja noch...

Schinkenfleckerl 3000
04
29.8.2011, 12:19
Viel zu kompliziert...

Warum blockiert die ÖVP den Untersuchungsauschuss statt einfach gleich per Presseausendung und ZIb-Interview zu sagen: "Ja, wir haben da ein bissi was zu verbergen"? Die Botschaft ist ohnehin die gleiche....

Hans Funkelfels
03
29.8.2011, 12:33

Tut sie doch eh. Wieso sollte sie zB sonst so vehement gegen die Offenlegung von Parteispenden sein?

aereo
015
29.8.2011, 12:17
Falls Herr Dr. Schüssel

angenommen in einem Forum des Standards einmal lesen würde: 'Schüssel war bzw ist der schadenbringendste Politiker der 2.Republik' (könnte ja theoretisch der Fall sein) wird er achselzuckend an die richtig roten Säue denken die dort posten.
Er wird an den Vitrinen mit den Ehrenzeichen der Republik vorbei in sein Schlafgemach wandeln und zufrieden lächelnd in dem Macchiavelli-Buch 'Il Principe' lesen das er eh schon auswendig kennt. So hat er das politisieren ohne Sitte und Moral erlernt.

sir osis of liver
 
00
29.8.2011, 17:16

ich bezweifle, ob herr schüssel der lektüre des machiavelli wirklich intellektuell gewachsen ist. er ist ein übler opportunist, mit krankhaftem roten-hass.
um intellektuell zu wirken: il principe
um menschlich zu wirken: le petit prince

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 571
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.