Titelverteidiger siegt nach Sommerpause - Jubilar Schumacher vom letzten auf den fünften Platz - Hamilton nach Kollision aus dem Rennen
Spa-Francorchamps - Rund 500 Meter kam Michael Schumacher anno 1991
bei
seinem allerersten Grand Prix weit, dann war sein Jordan kaputt und der
deutsche Debütant nur noch Fußgänger in Spa-Francorchamps. 20 Jahre, 91
Rennsiege und sieben Weltmeistertitel später genoss der goldbehelmte
Jubilar volle 44 Runden in den belgischen Ardennen und holte im Mercedes
als Fünfter unmittelbar vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg zehn
Punkte.
Das war aller Ehren wert. Schließlich holte sie der 42-Jährige in
seinem
280. Formel-1-GP vom 24., also letzten Startplatz aus. Seine Crew hatte
vor dem Qualifying geschlampt, der Rekordchampion war schon in seiner
ersten Runde eines Reifens verlustig gegangen. "Das war ein sehr schönes
Rennen für mich, obwohl ich am Anfang Zweifel hatte, weil so viele Teile
herumgeflogen sind", sagte der Altmeister.
Auf den vorderen Plätzen wären ihm die Zweifel erspart geblieben.
Sebastian Vettel, zum neunten Mal in dieser Saison Trainingsschnellster,
musste zwar vorerst dem sensationell startenden Rosberg Platz machen,
kämpfte auch mit Reifenproblemen, fuhr aber schlussendlich ganz sicher
zu seinem siebenten Saisonsieg, dem ersten für Red Bull im belgischen
Klassiker.
Mark Webber bestätigte mit Rang zwei das Team, das ihn tags zuvor, an
seinem 35. Geburtstag, mit einem neuen Einjahresvertrag ausgestattet
hatte. Der Australier ist der letzte halbwegs ernstzunehmende Verfolger
des Weltmeisters. Ferrari war nur in der Anfangsphase des Rennens stark,
schließlich reichte es aber nur zu den Rängen vier (Fernando Alonso) und
acht (Felipe Massa).
McLaren hätte nach dreiwöchiger Rennpause vielleicht den dritten Sieg
infolge feiern können, wäre nicht Lewis Hamilton ein ebenso dummer wie
teurer Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, als er bei einem Überholmanöver
dem Japaner Kamui Kobayashi im Sauber gar keine andere Wahl ließ, als
ihn abzuschießen. Der WM-Titel, tröstete sich Hamilton, sei schon vor
dem Rennen nicht mehr drinnen gewesen. Die Ehre des Teams rettete Jenson
Button, der nach schwachem Training, aber klugem Rennen das Podest
erklomm.
Vettel hat nach 13 von 19 Saisonrennen und vor dem Grand Prix von
Italien in Monza am 11. September mit 259 schon drei Punkte mehr als er
für den WM-Titel im Vorjahr benötigt hatte. Der Vorsprung auf Webber
beträgt 92, jener auf den drittplatzierten Alonso 102 Zähler. "Juhu,
danke Jungs. Was für ein Rennen", ließ er über Boxenfunk wissen. Die
dreiwöchige Sommerpause hat ihm nicht geschadet. (red; DER STANDARD Printausgabe 29. August 2011))