Klimaschutz ist als politische Aufgabe immer noch unzureichend wahrgenommen
Wie ein Fähnchen im Wind ist die österreichische Klimaschutzpolitik.
Kaum springt der Wirtschaftsmotor ein bisschen an, ist das kleine Minus
beim Treibhausgasausstoß der Vorjahre schon wieder weg: 2010, in einem
Jahr, in dem sich die Konjunktur dank großzügiger staatlicher
Finanzspritzen besser hielt als allgemein befürchtet, hat Österreich
schon wieder mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gepustet.
Damit bestätigt sich, dass Klimaschutz als politische Aufgabe bislang
nicht wahrgenommen wurde. Und es zeigt sich, dass dieses politische
Betätigungsfeld bis heute nur unzureichend beackert ist. Es gibt die
langfristigen, nachhaltigen Weichenstellungen, die der Klimaschutz
benötigt, noch immer nicht.
Eigentlich ist es ja eine glückliche Fügung, dass die weltweite tiefe
Finanz- und Wirtschaftskrise in einigen wenigen Staaten Europas wie
Österreich im Vorjahr nicht ankam - und der Wirtschaftsmotor ganz
ordentlich brummte. Wenn dies jedoch dazu führt, dass sofort wieder mehr
Kohlendioxid emittiert wird, kann es nicht weit her sein mit der von
Umweltpolitikern vielgepriesenen Entkoppelung des Wirtschaftswachstums
vom Energieverbrauch.
Wenn in Österreich Klimaschutz nur dann erfolgreich ist, wenn
Fabriken
und privater Konsum wegen einer Wirtschaftskrise stagnieren, dann kann
man diesen Klimaschutz gleich vergessen. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.8.2011)