Die Salzburger Festspiele feiern mit 95 Prozent Auslastung eine ihrer besten Saisonen
Für Helga Rabl-Stadler war es schlicht "der beste Festspielsommer" in ihrer nunmehr 17-jährigen Präsidentschaft. Mit exakt 251.062 verkauften Karten für 248 reguläre Veranstaltungen, 36 Sonderveranstaltungen und drei Benefiz-Generalproben habe man eine Platzauslastung von 95 Prozent erzielt, bilanzierte Rabl-Stadler am Freitag die zu Ende gehende Saison 2011. Stolze 24,8 Millionen Euro konnten die Festspiele einnehmen, zwei Millionen mehr als budgetiert.
"Ein schöner finanzieller Polster" für Rabl-Stadler, die - Präsidentin und kaufmännische Leiterin in einem - freilich gleich einschränkt: Die zwei Millionen seien nicht als Reingewinn zu sehen. Mehrkosten wie beispielsweise Investitionen in die EDV-Anlage müssten abgezogen werden.
Und als ob die Bedeutung der Salzburger Festspiele für den Fremdenverkehr noch einer Erläuterung bedürfte, präsentierte Rabl-Stadler auch gleich auszugsweise Daten aus der jüngsten Besucherbefragung: Mehr als 62 Prozent der 2700 Befragten reisten heuer bereits zum zehnten Mal oder öfter wegen der Festspiele nach Salzburg. Und die Gäste bleiben lange: Rund eine Woche nächtigt ein Festspielgast, der durchschnittliche Städtetourist hingegen bleibt nur eineinhalb Tage.
"Kein Dauerpartyservice"
Die Präsentation der Erfolgsbilanz 2011 war gleichzeitig auch die mediale Abschiedsvorstellung von Kurzzeitintendant Markus Hinterhäuser (im Bild) und Schauspielleiter Thomas Oberender in Salzburg. Hinterhäuser übernimmt 2014 die Wiener Festwochen, Oberender ist ab Jänner Intendant der Berliner Festspiele.
"Der Sommer war gut" , resümierte Hinterhäuser, der vor knapp zwei Jahrzehnten mit dem Zeitfluss-Festival bei den Salzburger Festspielen begonnen hat und somit "der längste Festspieler weit und breit" (Rabl-Stadler) ist. Man wäre heuer "von Medien und Kritikern verwöhnt worden" , freut sich Hinterhäuser, und Salzburg habe ein "aufmerksames und mitdenkendes Publikum" , gibt er das Lob auch gleich an die zahlenden Gäste weiter. Salzburg habe heuer gezeigt, "dass es um die Kunst geht" und die Festspiele alles andere als ein "Dauerpartyservice" wären.
Auch für Oberender war 2011 ein besonderes Festival: Es sei die "am stärksten an Inhalten orientierte Saison" gewesen.
Den Medienvertretern auf der Abschlusspressekonferenz legte Ober-ender mit einem von ihm für die Frankfurter Rundschau verfassten Stadtporträt noch eine sehr persönliche Sicht auf die Stadt Salzburg in die Pressemappe. In dem äußerst dichten Text zeigt Oberender Salzburg jenseits des Festspielbezirkes mit Armut, städtebaulichen Missetaten, politischen Machinationen und einem vielfältigen Kulturleben außerhalb der Festspielsaison samt "festspielflüchtigen" Bürgern, die ihre Wohnungen über den Sommer vermieten.
Oberenders Nachfolger wird 2012 Sven-Eric Bechtolf, die künstlerische Leitung übernimmt ab Oktober Alexander Pereira. Die beiden wollen die Festspiele verlängern und die Zahl der Aufführungen erheblich erhöhen.
Rabl-Stadler bleibt noch bis einschließlich 2014 im Amt. Sie will keine wie auch immer geartete Präferenz für ihre Nachfolge haben. Bis auf eine: Er oder sie soll "in Salzburg verankert sein" und nicht "in Wien wohnen und einmal im Monat nach Salzburg kommen." (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 27./28. August 2011)