Der Krieger in mir

28. August 2011, 18:20
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    foto: reuters/bogdan cristel

    Schielen, bis die Gegner um Gnade jaulen: Maori-Kämpfer in vollem Ornat.

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    Böse schauen auf virtuose Art.

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    grafik: der standard

    Anreise: Rotorua liegt auf der Nordinsel Neuseelands, in der Region Bay of Plenty. Am besten man reist mit Campervan. Zum Beispiel mit Wilderness Motorhomes (www.wilderness.co.nz). Nach Neuseeland fliegt Air New Zealand täglich von London via Los Angeles. Flüge ab ca. 1400 Euro (Economy) pro Person. In der Economy-Klasse bietet Air NZ neuerdings für Paare eine Sky-Couch an, die sich zu einem Bett umfunktionieren lässt.

    Unterkunft: Die Koura-Lodge liegt direkt am See Rotorua. Die Zimmer sind mit Maori-Kunst und -Design eingerichtet. Die Zimmer gibt es ab ca. 170 Euro pro Nacht (inkl. reichhaltigem Frühstück).

In der Stadt Rotorua kann man den Haka lernen, einen Maori-Kriegstanz, den die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft weltbekannt gemacht hat

Ich bin ein Krieger, groß und stark. Meine Frau, meine Kinder, mein Stamm stehen hinter mir. Die Geschichte meines Stammes zieht an meinem inneren Auge wie in einem epischen Kinofilm vorüber, vergangene Schlachten, vergangene Kriege. Der Geist meiner Ahnen strömt durch mich hindurch. Meine Sehnen sind angespannt, meine Muskeln straff (zumindest gefällt mir dieser Gedanke). Ich schlage mit den Handflächen auf meine schmerzenden Oberschenkel, dann auf meine Brust, im Rhythmus der Melodie, im Rhythmus der Worte. Ich aber spüre keine Schmerzen mehr. Denn ich bin ein Krieger, groß und stark. Ich habe keine Angst, ich spüre den Rausch des Adrenalins, den Rausch des Blutes. "Ka mate, ka mate! Ka ora, ka ora!", Das ist der Tod, das ist der Tod! Ich aber werde leben, ich aber werde leben! Ich bin bereit, meinem Gegner im Kampf gegenüber zu treten. "Stopp, Stopp", ruft Tiki plötzlich. "Okay, Bruder. Das ist schon ganz gut. Aber du wirkst eher wie ein nasses Handtuch. So hat kein Gegner Angst vor dir. Du musst wütender und wilder sein. Du willst deine Familie und deine Ahnen doch nicht enttäuschen, oder?" Das will ich nicht. "Gut. Ahnen können nämlich sehr ungemütlich werden. Okay. Ich zeige dir das mal." Tiki stampft mit seinen schweren, muskulösen Beinen auf den Boden, der leicht erzittert. Er schwingt seine kräftigen Arme, stößt sie wie Waffen in die schwüle Luft. Seine massige Brust bebt, Sehnen und Muskeln zeichnen eine eindrucksvolle Landschaft unter seiner glänzenden braunen Haut. Seine Augen treten aus den Höhlen heraus. Seine Stimme grollt durch das niedrige Zimmer. Dann streckt er seine Zunge heraus und ich zucke zusammen. "Siehst du, so geht das." "Kia korero e katoa o te tinana", sagt er auf Maori. "Der ganze Körper soll sprechen." "Ihr Deutschen wart doch auch mal wilde Krieger. Wecke den Krieger in dir." "Ja, das ist aber schon sehr, sehr lange her", gebe ich Tiki zu bedenken.

Ich bemerke, dass mein Körpergefühl ziemlich verkümmert ist. Meine Leidenschaft für Krieg und Kampf ist ebenfalls recht beschränkt. Urwüchsige Gefühle wie Wut und Zorn sind tief in meinem zivilisationsdressierten Inneren verschüttet. Dass ich ein traditionelles Röckchen aus Flachs trage, und ein Moko, eine aufgemalte Gesichtstätowierung, hilft auch nicht, um den Krieger an die Oberfläche zu zerren. Tiki Edwards (der behauptet, dass er von einem Sohn Goethes abstammt, der nach Neuseeland auswanderte) gibt sich dennoch wirklich große Mühe, einen echten, furchterregenden Krieger aus mir zu machen - in diesem etwas muffig riechenden Zimmer, das sich in einem Hostel in dem neuseeländischen Städtchen Rotorua befindet. Tiki ist Haka-Lehrer. Der Haka ist ein traditioneller Tanz der Maori, die Neuseeland seit dem 13. Jahrhundert besiedeln. Tiki, der auch der Maori-Rugby-Nationalmannschaft in kulturellen und rituellen Fragen als Berater zur Seite steht, bringt Touristen den Kriegstanz bei und führt sie in die spirituelle Maori-Welt ein. Bekannt geworden ist der Haka vor allem durch die All Blacks, die ihn vor jedem Rugby-Spiel aufführen, um ihren Gegnern vor dem Anstoß Respekt einzuflößen. Die All Blacks sind die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft. Neben Schafen und Kiwis sind sie das wohl bekannteste Aushängeschild des südpazifischen Inselstaates.

Wer schon einmal gesehen hat, mit welcher Gewalt, mit was für einer Kraft die All Backs den Haka vor einem Spiel gegen Australien oder England tanzen, der bekommt eine Ahnung davon, wie die Maori-Kultur mit dem angelsächsischen Spiel in Neuseeland eine äußerst fruchtbare Verbindung geschaffen hat. "Wir Maori lieben den Kampf und das Raufen", sagt Tiki. "Das liegt uns einfach im Blut. Rugby ist eine Art Kriegsersatz für uns." Aber der Haka ist mehr als nur ein Kriegstanz. "Er ist eine spirituelle Einschwörung auf den Kampf", sagt Tiki. "Du rufst die Stimmen und Geister der Ahnen herbei, damit ihre Energie dir im Kampf beisteht. Wenn die All Blacks ihn tanzen, rufen sie all die Spieler herbei, die jemals im schwarzen Trikot für die Nationalmannschaft gespielt haben."

Die All Blacks, in der viele Spieler Maori sind oder andere polynesische Wurzeln haben, sind aufgrund ihres schnellen, physischen Spiels in aller Welt gefürchtet. Der Haka wurde zum integralen Bestandteil des neuseeländischen Rugbyspiels, als eine Maori-Mannschaft 1888 erstmals nach England reiste und dort die Clubs in über 100 Spielen das Fürchten lehrte. Diese Mannschaft führte den Haka vor jedem Spiel auf. Der Ka Mate-Haka, den die All Blacks aufführen, wurde von Te Rauparaha, einem Maori-Häuptling, komponiert, als er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei einem Überfall Unterschlupf im Lager eines anderen Stammes fand. Er versteckte sich in einem Erdloch, in dem normalerweise Süßkartoffeln gelagert werden, beschützt von einer Frau, die sich über das Loch stellte. "Im Angesicht des Todes entdeckte er so also die Chance auf ein neues Leben", erklärt Tiki. "Und so musst du den Haka verstehen als Herausforderung für dein Leben."

Mittlerweile sind meine Oberschenkel tiefrot. Ich schwitze. Meine schwachen Muskeln zittern vor Anstrengung. Meine Stimmbänder sind rau wie Schmirgelpapier von all der gepressten Wut, die ich meinem imaginären Feind zuschreie. "Deine Bewegungen müssen noch viel kraftvoller und überzeugender werden", moniert Tiki. "Aber du machst das schon ganz gut. Ich sehe schon den Krieger in dir." Ich aber weiß, dass Neuseeländer im Allgemeinen sehr höfliche Menschen sind, die ihr Gegenüber niemals durch eine verbale Ungehobeltheit verletzen würden. (Ingo Petz/DER STANDARD/Rondo/26.08.2011)

Kommentar posten
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Nessus
00
30.8.2011, 01:59
Es gibt eine Variante, die auch von Frauen mitgetanzt wird.

Da fehlt am Ende das Zunge-Zeig-und-Gröhl-Finish, aber sonst ebenfalls sehenswert.

Kondratjew -Zyklus
 
00
29.8.2011, 17:52
Nicht Neues seit "Fight-Club".

Fonoti
01
29.8.2011, 16:55
Der beste Haka

2004 in Paris von Tana Umaga (samoanischer Abstammung) angefuehrt: http://www.youtube.com/watch?v=6g3QbH_i2VU

princess of fame
00
29.8.2011, 16:53
Denn ich bin ein Krieger, groß und stark. Ich habe keine Angst, ich spüre den Rausch des Adrenalins, den Rausch des Blutes.

So sitzt er im Auto, fährt so vor sich hin und dann nimmt ihm einer die Vorfahrt.
Und dann, ein gleißender Blitz vor und hinter den Augen und los gehts:
Meine Sehnen sind angespannt, meine Muskeln straff (zumindest gefällt mir dieser Gedanke). Ich schlage mit den Handflächen auf meine schmerzenden Oberschenkel, dann auf meine Brust, im Rhythmus der Melodie, im Rhythmus der Worte. Ich aber spüre keine Schmerzen mehr. Denn ich bin ein Krieger, groß und stark. Ich habe keine Angst, ich spüre den Rausch des Adrenalins, den Rausch des Blutes. "Ka mate, ka mate! Ka ora, ka ora!"
;-)

laughing-man
010
29.8.2011, 10:20
unbedingt anschaun

http://youtu.be/VWa_lHc4grY

Rose Bud
00
29.8.2011, 13:31
Very funny!

steter Topfen höhlt das Sein
00
29.8.2011, 09:35
die wichtigsten zwei charakterzüge rotoruas wurden vergessen

es stinkt erbärmlich bis in die letzte ritze nach faulen eiern (vulkan, schwefel und so; gewöhnt man sich aber sehr viel schneller als man denkt dran) UND "the luge": http://www.youtube.com/watch?v=l... re=related (anm. link von User "George Burma" geklaut)

Nessus
00
30.8.2011, 01:55
Rotorua ist eine ziemlich Touristenfalle

Wer Geysire in Ruhe beobachten möchte, sollte eher Orakei-Korako aufsuchen. Nicht ganz so spektakulär, aber wesentlich stimmungsvoller zu genießen.

steter Topfen höhlt das Sein
00
30.8.2011, 08:51

Danke für den tipp, wenn ich wieder zeit und geld für eine NZ-reise hab, schau ich hin ;)

ca ramba
21
29.8.2011, 09:13

Zorn, Wut sowie Kampf- und Kriegslust sind sowieso verachtenswerte Emotionen und Verhaltensweisen, die sollte man sowieso nicht für erstrebenswert erachten.
Fahren Sie lieber in ein buddhistisches Land, Meister Petz, und berichten Sie uns von den Gebräuchen dort.

No Panama!
05
29.8.2011, 16:43

Seien Sie so nett und fahren'S schon einmal vor. Die einzige Feindseeligkeit ging von Ihnen aus. Wieder mal einen Korb im Puff bekommen?

Anton Hammerschmidt
03
29.8.2011, 09:31
In buddhistischen ländern

gibt es eine lange tradition, gefühle wie zorn und wut mittels ausgefeilter kampfkünste in geordnete bahnen zu bringen.
Abgesehen davon lässt ihre aussage auf nicht gerade viel verständnis für die menschheit schließen.
Und noch was : wo herr petz hinfährt und wovon er uns nachher berichtet, ist ganz seine sache. wenn´s ihnen nicht passt, müssen sie den bericht ja nicht lesen..

ca ramba
30
29.8.2011, 12:24

Aha, in buddhistischen Klöstern werden also ausgefeilte Kampfkünste gepflegt? Ist mir neu.

Ich dachte immer, Zorn und Wut sollen in der Meditation durch das Hinterfragen der Natur des Geistes und seiner Emotionen gebändigt werden.

princess of fame
03
29.8.2011, 16:48
Zorn und Wut sollen in der Meditation durch das Hinterfragen der Natur des Geistes und seiner Emotionen gebändigt werden

Von welcher Meditation sprechen Sie?
Vom Sitzen, Gehen, Rezitieren, Bogen-Schießen, Gärtnern, Kalligraphie, ...

Von welcher Schule?
Von Zen, Lamaismus, Buddhismus, Taoismus, Volkshochschule, Esoterik-Grundkurs, ...

Und: Ist das "Hinterfragen der Natur des Geistes und seiner Emotionen" nicht eine zutiefst rational-westliche Herangehensweise und von Meditation so weit weg wie Neuseeland von Österreich?
;-)

zhang sanfeng
02
29.8.2011, 15:24

"in buddhistischen Klöstern werden also ausgefeilte Kampfkünste gepflegt"

natürlich nicht in allen, aber es gibt solche traditionen.
die bekannteste ist die der shao lin: http://de.wikipedia.org/wiki/Shaolin

Anton Hammerschmidt
00
29.8.2011, 13:53
sie haben zuerst

von buddhistischen ländern gesprochen und nicht von klöstern..

Jhon Balance
01
29.8.2011, 09:43
chorus
 
03
28.8.2011, 22:33
rotorua ist so ziemlich...

... der letzte ort wo man in neuseeland hin will. und gerade das dort zur schau gestellte brauchtum ist zum grossteil für touristen inszeniert.

da kannst vom hangi bis zum "dorfbesuch" alles buchen. schade, dabei sind gerade maoris so offen das man sie auch abseits solcher veranstaltungen gut kennenlernen kann

Möter
00
29.8.2011, 09:35
Rotovegas rules!

George Burma
00
29.8.2011, 09:07

Das Kind in mir war allerdings vom Luge in Rotorua richtig begeistert.

http://www.youtube.com/watch?v=l... re=related

steter Topfen höhlt das Sein
00
29.8.2011, 09:32
stimmt

das macht riesig laune dort, kann ich jedem empfehlen

Sleuth
00
29.8.2011, 00:06

Und wo würden sie dann empfehlen in Neuseeland Urlaub zu machen?
(Sowohl wenn man ein Fan der Kultur als auch der All Blacks ist?) ;)

H.E. Pennypacker
00
31.8.2011, 13:34

Coromandel Peninsula! Für mich eine der schönsten Flecken Neuseelands! Ca. 2-3h Fahrt von Auckland!

Möter
00
29.8.2011, 09:34

Manukau, South Auckland

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