Nordkoreas Machthaber, der üblicherweise mit seinem Atomwaffen-Programm Schlagzeilen macht, hat sich ein Projekt ganz anderer Art überlegt
Moskau - Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il, der üblicherweise mit seinem Atomwaffen-Programm Schlagzeilen macht, hat sich ein Projekt ganz anderer Art überlegt. Während seines Besuchs in Sibirien habe Kim seine Absicht bekundet, "hier eine Brauerei zu bauen", sagte der Gesandte von Russlands Staatschef Dmitri Medwedew für den äußersten Osten Russlands, Viktor Ischajew, am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti in Chabarowsk. Nach seinem Besuch in Russland machte Kim Halt im Nordosten Chinas. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag unter Berufung auf Informanten berichtete, besuchte Kim dort unter anderm Industrieanlagen in der Stadt Qiqihar besichtigt, die als ein Zentrum der chinesischen Autoindustrie bekannt sei.
Am Donnerstagabend war der 69-jährige Diktator nach Berichten chinesischer Staatsmedien mit seinem gepanzerten Sonderzug aus Russland in der Grenzstadt Manjur eingetroffen. Ischajew war mehrere Tage mitgefahren. Die Fahrt durch Russlands äußersten Osten hatte am Samstag vergangener Woche begonnen, am Donnerstag reiste der nordkoreanische Machthaber nach China weiter. Ischajew beschrieb Kim als angenehmen Zeitgenossen: "Es war sehr nett, mit ihm zu sprechen." Während der Fahrt in seinem Sonderzug habe Kim die ganze Zeit gearbeitet. Schon bei Kims Russland-Besuch 2001 war die Braukunst ein Thema gewesen. Damals hatte der kommunistische Staatschef die Baltika-Brauerei in St. Petersburg besucht und dort auch vom Bier gekostet. "Wir haben schon (die russische Brauerei) Baltika, wir haben chinesisches, japanisches und deutsches Bier. Wer sollte etwas dagegen haben, wenn koreanisches Bier hinzukommt?", fügte der Gesandte hinzu.
Traditionell hegt das weithin abgeschottete Nordkorea engere Beziehungen zum kommunistischen China als zu Russland. Kim hatte sich im Mai bei seinem dritten Besuch in China innerhalb eines Jahres über die marktwirtschaftliche Entwicklung des boomenden Nachbarn informiert.
Am Mittwoch hatte er mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew bei einem Treffen in Sibirien eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Bei ihrer ersten offiziellen Begegnung billigten beide die Gründung einer Sonderkommission, die den Bau einer politisch heiklen Gasleitung durch Nordkorea nach Südkorea ausloten soll. (APA)