Wer hat Angst vor dem bösen "Wolf“?

  • Ein Berührungspunkt, der Probleme bereiten kann: Die Haut an der Innenseite der Oberschenkel.
Foto: Markus Hein/www.pixelio.de
    foto: markus hein/www.pixelio.de

    Ein Berührungspunkt, der Probleme bereiten kann: Die Haut an der Innenseite der Oberschenkel.

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Vermutlich sind es ambitionierte Läufer, Radfahrer und adipöse Menschen, die sich davor fürchten - Sie sind im Wesentlichen von der schmerzhaften Intertrigo betroffen

„Der Ausdruck Wolf führt in die Irre und sollte im Zusammenhang mit der Intertrigo nicht verwendet werden", weiß Georg Stingl, Leiter der klinischen Abteilung für Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten am Wiener AKH. In der Tat hat der „Hautwolf" weder mit der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes noch mit der Reinfektionstuberkulose Lupus vulgaris zu tun. Eine ernst zu nehmende Hauterkrankung ist die Intertrigo aber allemal.

„Überall dort wo Haut an Haut reibt, kann es zu einer Intertrigo kommen", beschreibt Stingl was diese schmerzhafte Hautirritation primär begünstigt. Bei weiblichen Läufern entsteht dieses „Wundreiben" typischerweise zwischen den Oberschenkeln und im Unterbrustbereich, bei Männern findet sich der „Hautwolf" bevorzugt im Bereich der Achselhöhlen und zwischen Scrotum und Oberschenkel. 

Physisches Trauma und Schwitzen

Die Intertrigo, auch als intertriginöses Ekzem bezeichnet, entsteht also in Folge von Reibung und spielt sich ausschließlich in den obersten Hautschichten ab. Manchmal löst sich die Epidermis wie bei einer Brandblase, oder aber wehrt sich gegen das physische Trauma, indem sie sich verdickt oder aber zu schuppen beginnt. Ein entzündlicher Prozess, der zu diesem Zeitpunkt noch auf mehr oder weniger „steriler" Haut stattfindet.

Die Angelegenheit ist unangenehm, aber harmlos, käme da nicht alsbald ein entscheidender Faktor hinzu: „Das weiß man bereits aus der Natur: Überall wo es feucht ist, wachsen die Schwammerln", so der Wiener Immundermatologe. Bekanntlich schwitzt es sich ja in Hautfalten ganz besonders leicht. Pilze freuen sich darüber, bieten das feuchtes Milieu und die irritierte vulnerable Haut doch einen optimalen Lebensraum. Aber nicht nur die Candida lässt sich in diesen Regionen gerne nieder, auch Bakterien wie der Staphylococcus aureus findet an solchen Orten besonderen Gefallen. 

Mit der Superinfektion nimmt die Intertrigo jedoch eine unangenehme Wendung. Die Wunde beginnt durch die Sekretion von Wundflüssigkeit zu nässen. Schmerzen, Brennen und starker Juckreiz nehmen zu. 

Risikofaktor Adipositas

Sportliche Betätigung ist aber nur ein Risikofaktor für die Entstehung von „Hautwölfen". Besonders gefährdet sind adipöse Menschen vom Typ „Michelinmännchen". Hier findet sich allerorts viel Haut auf Haut, von der exzessiven Schweißproduktion in den versteckten Körperregionen ganz zu schweigen. Dazu kommt: „Menschen mit schwerer Obesitas leiden oft unter dem metabolischen Syndrom. Neben der Neigung zu Diabetes und Fettstoffwechselerkrankungen ist auch die Abwehrbereitschaft, beziehungsweise die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems der Haut vermindert", ergänzt Stingl.

„Nach dem Duschen sorgfältig Abtrocknen", lautet daher der erste Auftrag, den der Experte Patienten mit bestehender Intertrigo oder aber der Neigung dazu erteilt. Die Oberflächenbeschaffenheit bedrohter Haut lässt sich prophylaktisch mit verschiedenen wirkstofflosen Salbengrundlagen verbessern. Kortison oder Antimykotika als entzündungs- und pilzabtötende Arzneimittel sind dann zu einem späteren Zeitpunkt angebracht. „Feucht auf feucht und trocken auf trocken", bringt Stingl die Intertrigo-Therapie abschließend auf den Punkt. Konkret heißt das: eine sezernierende infizierte Intertrio wird feucht, sprich mit wasserhaltigen Cremen behandelt, während eine trockene Wunde salbig therapiert wird. 

Die allseits beliebte Zinkpaste ist bei sezernierenden Wunden jedenfalls kontraproduktiv und fördert im Gegenteil noch die sekundäre bakterielle Besiedelung. Zwar deckt sie die erosive Wunde wunderbar zu, die zurückgestaute Flüssigkeit ist jedoch ein Nährboden für Mikroorganismen. (derStandard.at, 31.08.2011)

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