Headhunter: Was Bewerber oft kritisieren

  • Markus Brenner, Brenner & Company.
    foto: standard/hendrich

    Markus Brenner, Brenner & Company.

Keine Rückmeldung auf Bewerbungen, scheinbar ausgemachte Besetzungen, ewige Funkstille nach Gesprächen, Schimmel-Mails als Absage

Die Branche der Headhunter wirkt auf Außenstehende nicht gerade kristallklar transparent. Daher kommt es wohl, dass das Spektrum der Zuordnungen von "Knechten der Mächtigen" bis zu "Königsmachern" reicht. Es wird sehr viel unterstellt, etwa, dass die Gagen künstlich in die Höhe getrieben würden, damit das eigene Honorar passt, dass nicht beraten, sondern lediglich ausgeführt werde. Kurz: Was hinter den Kulissen eigentlich geschieht, bleibt geheim.

Das ist einerseits auch gut so, wollen doch beide Seiten Diskretion. Andererseits handelt es sich bei dieser Dienstleistung nicht um ein gebundenes Gewerbe - die Eintrittsbarriere ist sehr niedrig. Und: Die Branche hat es nicht geschafft, sich selbst einen "code of conduct" zu verpassen und damit ihre Prozesse standardisiert offenzulegen. Abseits von den wenigen Börsennotierten hüten die Berater auch ihre Geschäftszahlen wie Augäpfel.

Auch wenn viel des Nimbus nur Super-Top-Jobs betrifft, klagen nun, da der Markt wieder stärker in Bewegung ist, eine Menge Bewerber unterhalb der Vorstandslevels über Erratisches. Wir haben Personalberater Markus Brenner (Brenner & Company) mit den häufigsten Kritikpunkten konfrontiert:

  • Ausschreibungen von Positionen, die es gar nicht mehr gibt: Stellenausschreibungen werden gefunden, Menschen bewerben sich und erhalten dann die Antwort, dass der Job längst besetzt sei. Wie kann das sein? Es gebe vermehrt Online-Jobbörsen, erklärt Brenner, die (oft ungefragt) den Content von Stelleninseraten packen und auf ihre Seiten stellen. Wenn der beauftragte Berater besetzt hat, werden diese Anzeigen nicht gelöscht: "Das ist ein großer Missstand und gehört abgestellt", so Brenner - allerdings habe sich noch keine rechtliche Handhabe gefunden.

Zusätzlich seien Vermittler im Markt unterwegs, die auf ihre Seiten alles stellen, was sie im Markt finden, um groß zu erscheinen oder/und um an Lebensläufe heranzukommen, die dann ungefragt an Unternehmen verschickt würden. Brenner: "Kein guter Berater will Bewerbungen für ein abgeschlossenes Projekt, und kein guter Berater hat Interesse am Lebenslauf-Sammeln."

  • Keine Antwort auf Bewerbungen: Brenner: "Das ist ein absolutes No-go. Jeder hat ein Recht auf Antwort." Er sei persönlich gegen ein bloß automatisiertes "Erhalten, wir melden uns".
  • Standardisierte Antworten via Mail: Wenn formale fachliche Kriterien gar nicht zum ausgeschriebenen Profil passen, dann sei eine standardisierte Antwort in Ordnung, so Brenner. Bei 200 Bewerbungen für eine Position sei dies auch in der Abwicklung notwendig, etwa in den Kategorien "überqualifiziert" oder "zu viele fachliche Qualifikationen fehlen". Auch bei Überqualifizierung würden beide Seiten nicht langfristig froh miteinander, sagt Brenner. Es gehe ja darum, für beide Seiten eine gute Situation zu schaffen.
  • Keine detaillierte Begründung in der Ablehnung: Manchmal könne ein detailliertes Feedback aufgrund der Kundenwünsche im Hintergrund nicht stattfinden. Grundsätzlich geben gute Berater aber solches Feedback, sagt Brenner. Dass sich die Branche trotz oftmaliger Treffen der Großen und Größeren keine verbindlichen Ethikstandards verordnen konnte, bedauert er. Auch, weil "schwarze Schafe" so viel leichter früher zu erkennen seien.

Möglicherweise ist eine Barriere für Transparenz-Standards auch der Stolz der eigentümergeführten Personalberatungen, die seit 20 oder 30 Jahren ihr Geschäft pflegen und die ebendies auch als Marktvorteil sehen. Besonders jetzt, wo viele Ein-Personen-Unternehmen neu dazugekommen sind. (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.8.2011)

Buchtipp:

Dieter Hofmann, Rainer Steppan, "Headhunter. Blick hinter die Kulissen einer verschwiegenen Branche", Gabler Verlag 2011

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