Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück
Bei einem Autosalon werden mehr oder weniger streng gehütete Neuigkeiten präsentiert, und dennoch oder gerade deswegen geht es darum, möglichst viel der anstehenden Überraschungen schon vorab zu kolportieren.
Der Autosalon gilt sozusagen als Seismograf für die Befindlichkeit der Branche. Die Diskussionen erhitzen sich schon vorab im Spannungsfeld zwischen dem Auftritt der Autoindustrie und der gerade schwingenden Stimmung im Volk.
In den vergangenen Jahren wechselten einander selbstbewusste Kraftmeierei und ökologisches Fahnenschwingen immer wieder ab. Mittlerweile existiert ein wohldosiertes Nebeneinander von "Stärker, schneller, sparsamer" und "Small is beautiful".
Zwei Parallelwelten werden inszeniert, um den ganzen Spagat zwischen alten Klischees und neuen Erfordernissen zu schaffen.
So weit wir es jetzt schon erkennen können, kehrt die heurige Automobilausstellung in Frankfurt wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück, nachdem vergangene Salons mit gewagten Elektroautohypothesen und übersteigerter Kleinwagenmanie sehr weit an jeglicher Art von Wirklichkeit vorbeifantasiert haben.
Jetzt werden einerseits ungeniert Kraftprotze gefeiert, natürlich sparsam wie noch nie, andererseits ein Vanish-Oxy-Action-sauberes Mittelfeld, das in Qualität und Anmutung die hochgezwirbelte industrielle Produktivitätsspirale widerspiegelt.
Und da sind natürlich auch die Kleinwagen, bei denen ein Hersteller einen neuen Anlauf wagt, der in dieser Disziplin bisher kein sehr glückliches Händchen hatte. So wird Volkswagen mit dem Up! zeigen, was sie wirklich für einen Kleinwagen zu bieten haben. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/26.08.2011)