Faule-Weiber-Kuchen

12. Oktober 2011, 17:11
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Ein Kochbuch neueren Erscheinungsdatums nimmt es mit den Rezept-Titeln nicht so streng - Wird man ein faules Weib, wenn man ihn backt?

Kürzlich fiel der Redakteurin das Kochbuch eines Margarine-Herstellers in die Hände. Beim Durchblättern des aus LeserInnen-Einsendungen bestehenden Büchleins zog ein Rezept besondere Aufmerksamkeit auf sich: der "Faule-Weiber-Kuchen". Ein Blick auf das Erscheinungsdatum des Kochbuchs bestätigte nicht die Vermutung, es könnte sich um ein älteres Exemplar handeln. 2009 stand da geschrieben.

Dass es diesen Kuchen in Österreich tatsächlich gibt, verwunderte nicht. Dass er unter diesem Namen ins Kochbuch Einzug hielt, hingegen schon. Denn Entgleisungen und Diskriminierung dieser Art sind im Wortschatz Vieler Usus - davon sind auch die Rezept-Einsendungen aus der breiten Bevölkerung nicht ausgenommen.

Was aber soll man mit einem Kuchen machen, der halt so heißt. Unter diesem Namen ist er bekannt, unter diesem Namen wird er veröffentlicht - darüber machten sich scheinbar auch die Herausgeber keine Gedanken. Denn auch wenn der Ausdruck Weib früher kein Schimpfwort war, so ist er es heute. Oder ist dieses Rezept im Buch vielleicht doch bewusst aufgenommen worden? À la bodenständig und traditionell - das ist doch gerade vielerorts wieder modern.

Eine andere Frage stellt sich zum Rezept-Titel. Mit der Annahme, es müsse sich um einen Kuchen handeln, der so simpel zuzubereiten ist, dass er quasi nur was für faule Weiber wäre, liegt man falsch. 90 Minuten Zubereitungszeit und die Anfertigung eines Mürbteiges sprechen definitiv gegen diese Theorie.

Wird man ein "faules Weib", wenn man ihn isst? Vielleicht, denn kalorienarm ist der Kuchen nicht gerade. Andererseits, welcher Kuchen ist das schon. Die Titelfrage lässt dieses Rezept jedenfalls offen. Beim Weiterblättern wartet man gespannt auf das Rezept für Negerschnitten. Nein, die fanden sich nicht im Buch, stattdessen taucht einige Seiten weiter hinten die Südtiroler Spezialität "Tschutsch" auf. (urs, derStandard.at, 12.10.2011)


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"Nägerbrot :-)"

  • Mit der Annahme, es müsse sich um einen Kuchen handeln, der so simpel 
zuzubereiten ist, dass er quasi nur was für faule Weiber wäre, liegt man
 falsch.
    foto: derstandard.at

    Mit der Annahme, es müsse sich um einen Kuchen handeln, der so simpel zuzubereiten ist, dass er quasi nur was für faule Weiber wäre, liegt man falsch.

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