Schlechte Stimmung trotz Wirtschaftsbooms

25. August 2011, 19:06
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    foto: reuters/saavedra

    Die Wasserwerfer der Polizei bei erneuten Protesten in Chile waren wohl nur für die Hunde ein Quell der Freude.

Erneute Ausschreitungen bei Generalstreik - Bildung laut OECD so teuer wie nirgendwo anders

Wien / Santiago de Chile - Es sind die größten Proteste, die Chile seit seiner Rückkehr zur Demokratie 1989 erlebt hat. Den seit Mai protestierenden hunderttausenden Schülern, Studenten und Lehrern haben sich jetzt auch die Arbeiter angeschlossen.

In einem Generalstreik, der für Mittwoch und Donnerstag angesetzt wurde, forderte die mit 78.000 Mitgliedern stärkste Gewerkschaft des Landes Steuersenkungen, eine Pensionsreform sowie Umverteilung zugunsten des Gesundheits- und Bildungswesens. Was als friedliche Kundgebung begann, endete am ersten Tag mit 36 Verletzten und 348 Festnahmen. Am Donnerstag das gleiche Bild: Wieder brannten Barrikaden, wieder flogen Steine - und wieder setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein.

Die Ausschreitungen waren weniger schwer als bei den Protesten der vergangenen Wochen. Doch der Unmut gegen die Politik des seit 17 Monaten regierenden konservativen Präsidenten Sebastián Piñera wächst unaufhaltsam in der gesamten Bevölkerung.

Das Land mit knapp 17 Millionen Einwohnern hat sich zum Liebling der Investoren und Analysten in Südamerika aufgeschwungen. Die weltweit größten Kupfervorkommen bringen dem Land hohe Einnahmen. Obwohl Chiles Wirtschaft Wachstumsraten von 6,6 Prozent vorweist, fühlen sich viele Bürger vom Fortschritt abgeschnitten.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug 2010 etwa 11.000 Euro. Um in Chile studieren zu können, müssen jedoch beträchtliche Summen aufgebracht werden: Bis zu 40.000 Euro kann ein Studium hier kosten. Laut OECD ist Studieren nirgendwo auf der Welt so teuer. Diktator Augusto Pinochet, der das Land von 1973 bis 1990 mit eisenharter Hand geführt hatte, privatisierte den Großteil der Schulen und Universitäten. Die Folgen: In den ärmeren Vierteln fehlt das Geld für die Lehrer, der Schulbesuch kostet die Mittelschicht rund 280 Euro pro Kind und Monat. Nun solidarisieren sich die abertausend Arbeiter der Kupferkonzerne mit den Anliegen der Studenten und Lehrer. Sie streiken gegen die Privatisierungspläne der Regierung und wollen die Gewinne aus dem ertragreichen Erzgeschäft für das öffentliche Wohl verwendet sehen. Camilla Vallejo, Führerin der Studentenproteste, bringt es auf den Punkt: "Wir fordern kostenlose Bildung für alle und das Ende der Profite privater Bildungseinrichtungen." Mit Kussprotesten und Kunstaktionen haben die Studenten es schon versucht. Mehrere Schüler haben nun zu radikalen Maßnahmen gegriffen und sind seit 37 Tagen im Hungerstreik. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2011)

Barbarin
11
26.8.2011, 14:14
Ja, so sieht das aus wenn USA/CIA...

...zuerst ungewünschte Volksvertreter (Allende, weil tatsächlich Volk vertreten) abknallen und die (US-Geheimdienst = Drogenmafia) dort lustig weiter herumpfuschen!

Für Propaganda-resistente (weil selbes Thema/anderes Land): Bitte checken was aus De Gaulle´s Privatarmee geworden ist und ob Ex-mitglieder mit dem derz. franz. Präsi verbändelt und bei CIA beschäftigt sind! Und vor allem...wer waren diese Söldner....vielleicht schwere Burschen der ital. Drogen-Mafia?

Miriam Lang
11
26.8.2011, 17:00
CIA & USA... PÖÖÖHSEEE!!!

Menschenskinder... ob ich es nochmal erlebe, im Standard eine Sachliche Diskussion über Chile zu lesen, ohne das gleich (egal bei welchen Thema auch immer), gleich die CIA/USA Keule rausgeholt wird?
Die amis mögen echt keine Engel sein (wer isses schon auf dieser Welt), aber das CIA/USA Bashing wird doch langsam echt zu Stumpfsinnig... unterste Schublade der Stammtischparolen.

ganz weit weg
63
26.8.2011, 00:58

ich finds peinlich wenn man fuer den bildungsmisstand von 2011 den 1989 abgewaehlten pinochet die schuld gibt.

Was hat die mitte links regierung, die von 1990-2010 ununterbrochen an der macht wahr, geandert? ... was piñera?

wenig bis nix ...

waer es da nicht angebrachter diese zu kritisieren?

Miriam Lang
11
26.8.2011, 17:06

Lieber "ganz-weit-weg",

dafür, daß Sie ihre grauen Zellen haben arbeiten lassen und durchaus eine berechtigte Frage in den Raum geworfen haben, jedoch dies nicht gleich mit "pöööhses CIA" und "pöhsse USA" abgesichert haben, haben sie nun den Salat. Sie sind so sehr mit Rot abgestraft worden, daß ihnen keine Wahl mehr übrig bleibt, gleich die Internationale anzustimmen. Muss ich auch gleich machen, sicherlich werde ich auch mit der Lieblingsfarbe der Bestrafer "markiert".

Ernst Guevara
03
26.8.2011, 07:14
die werden ja eh auch kritisiert

die kritik richtet sich doch gegen die aktuellen regierungen und diese werden aufgefordert, das bildungssystem zu reformieren und sozial "verträglicher" zu gestalten. 2006 haben sie schon während der amtszeit von michelle bachelet protestiert. aber auch die "linke" bachelet hat im kern nix geändert. der kern des bildungswesens hat nun mal seine wurzeln in der pinochet-diktatur, denn diese hat durch bis heute geltende gesetze die privatisierung durchgesetzt.

Ernst Guevara
01
25.8.2011, 19:38
ausserdem

beweist das foto, dass es nicht nur in griechenland, sondern auch in chile coole riot dogs gibt. das phänomen "riot dog" globalisiert sich ;)

Ernst Guevara
21
25.8.2011, 19:36
dass die stärkste gewerkschaft

verhältnismäßig wenige mitglieder hat, zeigt nur, wie effizient der faschismus bis heute die demokratischen grundrechte in chile niederhält. pinochet hat die ehemals starken gewerkschaften zerschlagen und zersplittert. meines wissens ist es noch heute gesetzlich verboten, dass sich die arbeiter oberhalb der betriebsebene zusammenschliessen und jenseits der betriebsebene über lohnerhöhungen verhandeln. kollektivverträge sind in chile wohl auch ein fremdwort. es ist daher völlig klar, warum chile bei den unternehmen so populär ist: die lohnarbeitssklaven dürfen sich dank der gesetzlichen lage in chile nicht gegen die unverschämtheiten des kapitals wehren und die gewerkschaften sind sehr zersplittert und daher relativ zahnlos.

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