Britisches Bildungssystem

Die große Flucht aus der Gesamtschule

Kommentar der anderen | 25. August 2011, 18:46

Was Österreicher von britischen Unterrichtsexperimenten lernen sollten - Von Isabelle Zins

Die dramatischen Sommertage in englischen Städten haben zwar viele Ursachen. Aber eine ganz entscheidende ist das britische Bildungssystem. Denn dieses ist in den letzten Jahrzehnten durch sukzessive politische "Reformen" zugrunde gerichtet worden.

In Großbritannien wurde der größte Teil der "Grammar Schools" (Gymnasien) durch "Comprehensive Schools" (Gesamtschulen) ersetzt. Seither ist der Sektor der "Independent Schools" (Privatschulen) stark angewachsen. Schon vor etwa zehn Jahren erklärte Tony Blair (der, wie fast alle Schulpolitiker, seine Kinder auch nicht in einer öffentlichen Gesamtschule, sondern in einer elitären "Faith School" erziehen ließ), die Gesamtschulen seien ein "Misserfolg" und Ausbildung ohne Selektion habe keine besseren Bildungs- und Aufstiegschancen gebracht.

Seit Einführung der Gesamtschule sind die Chancen für ein Kind aus einer "bildungsfernen Familie" , es nach Oxford oder Cambridge zu schaffen, nur mehr halb so groß wie vor ihrer Einführung. Auf die wenigen noch verbliebenen, unserem Gymnasium ähnlichen "Grammar Schools" (in ganz Großbritannien nur ca. 160 an der Zahl) herrscht ein so starker Ansturm, dass die Immobilienpreise in den jeweiligen Einzugsgebieten sehr stark gestiegen sind. Dadurch können es sich wieder nur vermögende Familien leisten, dort zu wohnen.

Laut einem britischen Parlamentsbericht aus dem Jahr 2009 kann mehr als die Hälfte der Engländer nicht richtig lesen und schreiben, drei Viertel können nicht richtig rechnen - trotz Milliardeninvestitionen in die Bildung.

Der Niveauverlust steht in engem Zusammenhang mit exorbitanten disziplinären Schwierigkeiten. In den Klassen herrschen zum Teil anarchische Zustände, Lernen wird auch für die wenigen Lernwilligen unmöglich, viele Lehrer flüchten aus ihrem Beruf.

Eltern vermeiden daher verzweifelt das öffentliche Schulwesen. Sie bringen sich teilweise an den Rand des finanziellen Ruins, um ihre Kinder in teure Privatschulen ("Public Schools" ) schicken zu können, an denen ein Unterrichtsjahr oft mehr als 14.000 Euro kostet. Eine große Mehrheit der Briten will daher schon längst weg von der Gesamtschule, und britische Politiker, allen voran die Tories, planen eine Rückkehr zum differenzierten Schulsystem.

Im Vergleich weist Österreich eine der geringsten Jugendarbeitslosigkeitsraten in Europa auf (9,4 Prozent im Gegensatz zu über 20-40 Prozent in Gesamtschulländern wie Großbritannien, Frankreich oder Spanien). Wir haben viel weniger Schulabbrecher, geringere Ausgaben für Nachhilfe etc.

Die katastrophalen Auswirkungen der Einführung der Gesamtschule in Großbritannien sollten uns daher zu denken geben. Wie wollen Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Gesamtschul-Verfechter Hannes Androsch eine Massenflucht der Mittelschicht in die Privatschulen, also eine echte soziale Selektion wie in Großbritannien, verhindern? Denn diese wird unweigerlich die Folge sein, wenn ihr Plan gelingt, die Gesamtschule flächendeckend einzuführen. (Isabelle Zins, DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2011)

Die Autorin ist AHS-Direktorin in Mistelbach, Bundesobfrau der Vereinigung christlicher LehrerInnen und Vorstandsmitglied der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt.

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Rosa Grün
 
21
ärgerlich

ein oberflächlicher artikel, einfach billig, einfach ärgerlich. ich vermisse recherche.

maltz
41
29.8.2011, 19:33
Keine Platitüden

Der Artikel fasst die Situation auf das Wesentliche zusammen. Den negativen Kommentaren ist bei Weitem mehr Ideologie anzumerken als dem sachlich gehaltenen Beitrag der "Anderen". Ein Fehler: Ich glaube die Autorin heißt Isabella, noch schöner.

Vögelchen
10
29.8.2011, 17:58
Fortsetzung

Das wichtigste Prinzip der Gesamtschule - sagt schon der Name, ist, daß den eltern und Kindern die Möglichkeit gegeben wird, erst im Alter von 14 Jahren den selektiven Bildungsweg einzuschlagen. DieVS ist ja schon eine langbewährte form der Gesamtschule. Jedem Kind, d.h. allen Kindern egal ob reich oder arm, ob Arbeiter oder Akdemikerkind soll die Möglichkeit geboten werden ihre Neigungen zu erkennen, Begabungen zu fördern und Schwächen in Kleingruppen zu verbessern. In dem die Oberschicht die flucht in die Grammarschool angetreten hatte und die Lehrer aus den öffentlichen Schulen abgeworben hatte, wurde die Gesamtschule zur Restschule und die Schule hatte zu wenig LehrerInnen und mußte HILFSKRÄFTE anstellen.
Verdrehung der Relaität!!!

Georg Schütt
01
31.8.2011, 11:57
"In dem die Oberschicht die flucht in die Grammarschool angetreten hatte und die Lehrer aus den öffentlichen Schulen abgeworben hatte, wurde die Gesamtschule zur Restschule"

Schon da zeigt sich die völlige Ahnungslosigkeit der meisten GS-Verfechter: Die Oberschicht ist auf das öffentliche Bildungswesen gar nicht mehr angewiesen, die schickt ihre Kinder längst auf Privatschulen: Und Und GB lehrt, was passiert, wenn die GS eingeführt wird - die massenhafte Abwanderung der finanzstarken Eltern. Dann haben Sie das, was Sie doch immer verhindern wollten, die Teilung anhand der Geldbörse. Aufs Gymnasium schickt die hoffende und immer noch leistungsbereite Mittelschicht ihre Kinder.

Und wenn die GS zur "Restschule" wurde, trotz der über nunmehr drei Jahrzehnte erfolgten bevorzugten Ausstattung mit Personal und Finanzmitteln, dann sollte Ihnen das zu denken geben.

smid
01
GS in UK

Tut leid, aber die GS or comprehensive school gab es im UK befreits lange for Tony Blair. Ich war das erste Mal 1971 im Uk und ging dort 2 Wochen ' mit' in eine comprehensive. 1987/88 hab ich im UK unterrichtet, ebenfalls in einer comprehensive. Im übrigen hat auch das elitäre Frankreich in der Unterstufe ein collège für alle, haben die Finnen Gesamtschulen. Nur wenige Länder trennnen in der Unterstufe. Die geringen Jugenarbeitslosigkeit hängt zu einem gr. Teil mit unseren berufsbildenden Möglichkeiten zusammen.

Vögelchen
10
29.8.2011, 17:41
Gesamtschule trifft keine Schuld

Die Realität sieht so ähnlich aus, wie es hier beschrieben wurde. Die ursach dafür ist aber eine völlig andere. G.Schütt gleich dazu bemerkt, auch in England ist nicht Gesamtschule gleich Gesamtschule und seit der Einführung der Geamtschule sind viele Aspekte verändert und verbessert worden. Zwischen der ersten Gesamtschule der Briten und heute sind bereits 40 Jahre vergangen. 40 Jahren in denen sich in unserem bildungssystem absolut nichts getan hat!!! Die gesamtschulen in England sind nur deshalb auf so schlechtem Niveau, weil das wichtigste Prizip der Gesamtschule von den gleichen Bürgern hintertrieben wurde, wie auch hier. Forts.

Elisabeth Stein
21
29.8.2011, 12:00
Das Niveau der Dame

qualifiziert sie eher für die Arbeit im Boulevard.

Georg Schütt
14
28.8.2011, 21:56
Großbritannien ist das einzige Land, das bisher von einem gegliedertes auf ein koedukatives system umstellte.

Und GB ist demographisch recht gut mit AUT vergleichbar - ganz im Gegensatz zu Finnland oder Kanada mit ihren wenigen, aber hoch qualifizierten Migrantengruppen.

Und die Umstellung ging schief ... Die Privatschulen haben nur 7 Prozent aller Schüler, aber 50 Prozent der Studenten der britischen WElite-Unis waren auf Privatschulen. Und wer einmal ein engl. Gesamtschule und ihren Unterricht erlebt hat, weiß auch, warum.

Kein Wunder, dass die GS-Apologeten hier den Vergleich ablehnen - das Ergebnis schreckt sie.

tablespace65
53
28.8.2011, 15:29
So ein Schwachsinn kommt heraus, wenn eine "Lehrerin" sich dazu bemüßigt fühlt, einen Kommentar zum Thema "Gesamtschule in Östereich" abzugeben!

Ich habe selten einen derartigen Blödsinn als "Argument" gegen die Einführung der Gesamtschule in Österreich gelesen. Die einzige Erklärung - und bis zu einem gewissen Grad Entschuldigung - dafür ist, dass sich I. ZINS halt doch nur als "Schulexpertin" der ÖVP zu Wort melden musste...

Georg Schütt
23
29.8.2011, 12:32
Die Praxis der GS-Befürwörter, von einsamen finnischen Dorfschulen auf Wien zu schließen und ansonsten weiter fleißig Wolkenkuckucksheime zu bauen, die oft genug in der Realität zusammenbrachen (in D),

ist so viel besser auch nicht.

Übrigens: Schauen Sie sich mal die negativen Postings genauer an: Kaum eines bringt auch nur ein seriöses Argument gegen die Standard-Autorin, fast alle - wie Sie - bleiben bei argumentfreier Verdammung stehen. Zufall?

Die Wahrheit ist: Abgesehen vom Verweis auf die reine Dorfidylle in weiten Teilen Finnlands (3 Prozent der Schulen haben mehr als 500 Schüler, 50 Prozent aber unter 30) und von durch entsprechende ideologische Bedürfnisse genährten ungedeckten Versprechen auf eine rosige Zukunft haben GS-Befürwörter so gut wie nichts zu bieten.

Vögelchen
30
29.8.2011, 18:02
hat überhaupt nichts mit einer finnischen dorfschule zu tun

In diesem Artikel wurde Die Wahrheit verdreht. die reichen haben es sich gerichtet und das Konzept der Gesamtschule wurde somit zerstört und daher kam es zu diesem schlimmen Resultat. Es sollte auch bemerkt werden, daß die Öffentlichkeit : sprich Steuerzahler - sehr viel in die Privatschulen hineinpulvert, vor allem werden die LehrerInnen vom Staat bezahlt etc. Hier sollte es auch mehr Ehrlichkeit geben. Gesamtschule sollte für alle Kinder sein, dann müßten die VS LehrerInnen nicht so viel auf das Image ihrer Klasse und Schule achten und könnten sich auch den weniger begabten oder betuchten Schülern widmen. Die gemeinsam Schule aller Kinder zu verlängern und allen die gleichen Chancen zu bieten, d. h. Neue Mittelschule und Auflösung der AHS

Georg Schütt
00
30.8.2011, 13:42
Sie wollen also Priovatschulen verbieten. Mit welchem Recht?

Nur damit die GS alternativlos bleibt?

Eine GS, die nur dann funktioniert, wenn es keine Alternative geben kann, ist nicht überzeugend.

Entweder, sie ist systemisch besser, dann braucht sie auch keine Konkurrenz zu fürchten, auch keine private.

Oder sie ist ebe.n nicht besser - dann nützt´s aber auch nichts, die Konkurrenz abzuschaffen. Dann habe ich lediglich eine Nivellierung des Niveaus.

tablespace65
31
29.8.2011, 14:26

Sie werfen mir "argumentfreie Verdammung" vor?

Dass die STANDARD-Gastautorin, ich muss doch stark hoffen, dass es sich bei Isabelle ZINS nur um eine solche handelt, mehrfach einfach nur unbewiesene Behauptungen in den Raum stellt, diese ein wenig mit angeblichen Fakten von Parlamentsberichten/Studien etc. zu untermauern vorgibt und das Ganze dann noch mit ihrer Meinung - bzw. der ÖVP-Parteilinie zum Thema Gesamtschule - garniert, ist einfach nur suggestiv und zu offensichtlich auf "politisches Kleingeld" hingemünzt!

So kann man in der Krone oder in Österreich (der Zeitung, nicht dem Land) argumentieren, aber nicht in einem STANDARD-Forum...

simax
12
28.8.2011, 12:41
Diese Zustände finden Sie ----->

ohne Probleme fächendeckend in Hessen, Bremen, Berlin und Niedersachsen wo die Funktionäre der GEW seit teilweise 30 Jahren ihre "Arbeit" verrichten. Schon bei meinem ersten Besuch in einer Hildesheimer Gesamtschule war ich bass erstaunt - die Lese- und Schreibfähigkeiten der 8. Klasse hinkten um ca. 3 Jahre hinter dem bayerischen Niveau zurück. Wenn es in Deutschland eine einheitliche Prüfordnung für die ganze Republik gäbe hätten wir in den rot (grün) regierten nördlichen Staaten Durchfallquoten von 90%. A

Spaceman Spiff
31
27.8.2011, 19:25

Es sind ja immer die Sozis an allem schuld. Aber, dass eventuell die mittelschichtigen Hubschraubereltern und die unterschichtigen Laissezfaireeltern am Absacken des Schulniveaus schuld sein könnten, traut sich niemand zu sagen.

Reg.Rat Borromäus Maschitz
44
27.8.2011, 18:23
bravo! brillanter artikel!

Vögelchen
20
29.8.2011, 18:05

so oberflächlich leicht kann man mit diesem Thema nicht umgehen.

Grillkohle
21
28.8.2011, 23:08
Aus Sicht der Nebelgranatenpartei stimmt das wohl.

Aber einen Vergleich mit England im Bildungswesen zu suchen ist in etwa so sinnvoll wie Ezzes zum Schispringen aus Trinidad-Tobago zu holen.

readymate
41
27.8.2011, 08:44
Gegen Gesamtschule, weil: siehe England...?

Wie bescheuert muss man eigentlich sein, diese ÖVP-Ablenkungsstrategie nicht zu durchschauen, sondern fleißig das geworfene Hölzerl zu apportieren?

Was is'n eigentlich mit den PISA-Siegerländern, Frau Zins...?

.

D/E
11
28.8.2011, 08:16
Natürlich ist der Vergleich mit dem britischen (eig. d e n britischen Schulwesen)

unzulässig, und ein so hingeschluderter Kommentar hätte sich keinen Abdruck verdient.

Nur finden sich hier oft genug ähnlich waghalsige Thesen mit ähnlich dürftiger Argumentation, die dann entsprechend bejubelt werden (weil pro-NMS).

Auch der Verweis auf das angeblich viel erfolgreichere finnische Schulsystem ist ja willkürlich. Da fast alle Länder die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen haben, gibt es so viele positive Beispiele wie negative.

Wenn man aus den Fehlern der Briten lernen möchte, dann wäre eventuell auf das chaotische Finanzierungssystem hinzuweisen, sowie auf die konsequente Überforderung und den daraus resultierenden elenden Ruf der öffentlichen Schulen.

Der Run auf die Privatschulen ist die logische Folge.

Vögelchen
10
29.8.2011, 18:07

Der Run an die Privatschulen hat ist zuerst erfolgt und hatr damit das Konzept Gesamtschule zum Scheitern verurteilt

marie berg
12
28.8.2011, 10:10
auch wenn es nicht

in ihr weltbild passt: in österreich gehen derzeit prozentuell gesehen mehr kinder in privatschulen, als in gb!

Vögelchen
10
29.8.2011, 18:13

Wissen sie auch warum. Es gibt sehr viele Eltern, die ihre Kinder nicht neben Kindern mit Migratenhintergrund sitzen haben möchten. Die Kinder hätten überhaupt keine Probleme, aber bei uns haben die "Ur"österreicher Probleme mit der Integration. Es gibt ganz großartige HS Schulen - vor allem in wien. Die Unterrichtssprache dieser Schulen besteht nicht allein aus Deutsch oder Englisch, hier wird Miteinander gelebt. Bei uns fliehen auch viele in die Privatschule - aber wir zahlen alle mit und hätten viel weniger Probleme, wenn wir die Kinder in einer gemeinsamen Schule belassen würden.

D/E
02
29.8.2011, 08:49
Ich weiß,

nur kann man die exorbitant teuren britischen Privatschulen kaum mit unseren vergleichen. Die britischen sind eine Eintrittskarte in die Elite-Unis, unsere sind halt eine Mischung aus Fluchtburg und Sonderbetreuung.

D/E
01
28.8.2011, 08:29
Dass man im UK mit einem Bachelor in irgendwas ziemlich

leicht Lehrer werden kann und dann ganz unterschiedliche Fächer unterrichten darf, sollte man eventuell auch nicht ignorieren.

Ich kenne einen englischen Lehrer, der in ein paar Kursen nicht Deutsch gelernt hat, um die Zulage als Fremdsprachenlehrer zu kassieren. Das waren m. W. GBP 6000 pro Jahr.

Dass Head teacher eine Schule von heute auf morgen ruinieren können, weil sie volles Durchgriffsrecht haben, belegen einige recht interessante Stories in der britischen Presse.

Andererseits würde mich interessieren, was hierzulande los wäre, wenn eine österreichische Direktorin auf folgende Idee käme: http://www.dailymail.co.uk/news/arti... ckdown.htm

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