Nach Krawallen in Grossbritannien

Übers Ziel hinausgeschossen

Kommentar | Sebastian Borger, 25. August 2011, 18:12

Jahrelange Haft aufgrund nicht befolgter Krawallaufrufe auf Facebook für zuvor unbescholtene junge Leute ist unverhältnismäßig

Rechtzeitig vor dem großen Karneval von Notting Hill an diesem Wochenende ist auf Londons Straßen wieder Ruhe eingekehrt. Die Hauptstädter beäugten einander noch tagelang ähnlich misstrauisch wie 2005 nach den Selbstmordattentaten von Islamisten. Damit ist es erstmal wieder vorbei. Beruhigt hat sich auch die an Hysterie grenzende Reaktion von Politik und Justiz. Dass Magistratsgerichte rund um die Uhr tagten und viele Jungplünderer aus dem Verkehr zogen, war auf dem Höhepunkt der Krawalle richtig. Jahrelange Haft aufgrund nicht befolgter Krawallaufrufe auf Facebook für zuvor unbescholtene junge Leute ist aber unverhältnismäßig.

Übers Ziel hinaus schossen im ersten Eifer auch Premier David Cameron und seine Innenministerin Theresa May. Die konservativen Politiker verwechselten die Macho-Pose eines Halbstarken mit sichtbarer politischer Führung, die im Medien-Zeitalter unabdingbar ist. Unter anderem drohte Cameron im Stil eines chinesischen Kommunisten mit der Abschaltung sämtlicher sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter.

Solcher Unsinn ist vom Tisch. Kein Zweifel: Im Einzelfall muss die demokratisch geleitete Polizei die Bürgerrechte notorischer Straftäter oder von Fußball-Hooligans einschränken. Deshalb aber Millionen gesetzestreuen Bürgern den freien Meinungsaustausch zu beschneiden wäre eine schlimme Überreaktion. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2011)

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Posting 1 bis 25 von 39
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omar chamra
01
26.8.2011, 17:33
Ich hege meine Zweifel, ob in Österreich bei ähnlicher

Sachlage, ein Richter anders entschieden hätte.
Und ich habe keinerlei Verständnis, wenn hier das Plündern und die Gewalttätigkeit verharmlost wird, mit Bemerkungen, was alles der Staat hätte tun sollen.
Wenn hochwertige Fernseher und modische Bekleidung geplündert wird, so hat das überhaupt nichts mit der sozialen Lage zu tun.
Denn ganz anders wäre das zu beurteilen gewesen, wenn diese Leute Lebensmittelläden geplündert hätten.

Kaktus51
00
26.8.2011, 15:13
Hätte die Regierung von GB die Energie, die während und nach den Krawallen für ihr freigesetzt wurde

schon seit Jahren in ein Programm gesteckt, mit dem den Jugendlichen eine Zukunft gegeben worden wäre, ich bin mir sicher, diese Krawalle hätte es nicht gegeben.

So bleibt für mich der Eindruck: Die Elite richtet es sich, wenn der Pöbel aufbegeht reagiert man mit Schlagstöcken und Schnellgerichten.

Standard deviation
01
26.8.2011, 17:27
Das war keine Rebellion Unterprivilegierter, ....

sondern eine Machtdemonstration krimineller Banden.
Es wurden keine Lebensmittelläden gestürmt, sondern
Geschäfte des gehobenen Bedarfs wurden geplünd-ert.

armin delmenhorst
 
00
26.8.2011, 16:52
Ihr Eindruck täuscht Sie nicht!

Abgesehen von den PR-Geplapper werden Sie sehen, dass sich strukturell nichts ändern wird. D.h. in ein paar Jahren diese Gebiete genau so aussehen werden wie jetzt bzw. vor den Bränden. Was wurde in Paris z.B. für die Unterprivelligierten seither gemacht?

Was in Deutschland seit Schröders Hartz IV?

presumption of innocence
00
26.8.2011, 14:19
Wenn das möglich wäre, hätten es Mubarak und Gadaffi auch gemacht

Camerons middle name is "S", as Samsonite. So ein Koffer

Freedom to the people
33
26.8.2011, 10:27
Da sieht man, wie unabhängig die "unabhängigen" Richter in Wirklichkeit sind.

Auf Zuruf der Regierung werden Urteile gefällt, dass er nur so kracht...Urteile a la Volksgerichtshof....da kann einem schon übel werden. Shame on these judges. http://de.wikipedia.org/w/index.p... 1203221147

gigngogn
 
43
26.8.2011, 10:01
Wie bitte?

...Jahrelange Haft aufgrund nicht befolgter Krawallaufrufe auf Facebook für zuvor unbescholtene junge Leute ist aber unverhältnismäßig...

Es ist also unverhältnismäßig, wenn man Leute die Offen zu Plünderungen, Brandstiftung und Körperverletzung aufrufen einsperrt?

Reich sein muss sich lohnen!
11
26.8.2011, 12:57
Wer lesen (und das gelesene auch verstehen kann) ist wie immer klar im Vorteil

Ja, dafür jemanden 4 Jahre wegzusperren ist unverhältnismäßig.
Zumal es sich dabei um jugendlichen Leichtsinn gehandelt hat und niemand den Aufruf gefolgt ist.

Im Übrigen besteht ein unterschied zwischen der Aussage "Es ist unverhältnismäßig jemanden dafür 4 Jahre einzusperren" und "Es ist unverhältnismäßig jemanden dafür einzusperren".
Womit wir bei der Überschrift wären.

gigngogn
 
32
26.8.2011, 13:50
Angesichts der Verheerungen die entstanden sind und der Toten die es dabei gab ist die Strafe für einen der noch Öl ins Feuer gegossen hat angemessen. Bedenken sie das die Strafe auch zur Abschreckung für Nachahmer dienen soll

tuoba
00
26.8.2011, 20:12
... Abschreckung (die Dritte)

Nicht einmal für die Todesstrafe in den USA für Mord kann die abschreckende Wirkung nachgewiesen werden.
(Vgl Angrist/Pischke 2010, JEP)
Daher sollte man diese Argument mit Vorsicht einsetzen.

gigngogn
 
00
29.8.2011, 18:19
Abschreckung wirkt offensichtlich zumindest bei geplanten Straftaten siehe NewYork

tuoba
00
26.8.2011, 20:09
... Abschreckung.

tuoba
00
26.8.2011, 20:09
also zur Abschreckung!

Reich sein muss sich lohnen!
00
26.8.2011, 14:57

Zur Abschreckung ist auch ein halbes Jahr mehr als ausreichend.

Standard deviation
00
26.8.2011, 17:31

Ihre Justizkritik haben Sie sich von Uwe Scheuch
abgeguckt.

gigngogn
 
11
26.8.2011, 15:28
Was soll an einer Strafe von einem halben Jahr abschrecken, noch dazu weil bei einer so niedrigen Strafe davon ausgegangen werden kann das sie komplett auf Bewährung gesetzt werden würde?

Warentester
02
26.8.2011, 17:29

Abschreckung. Lächerlich. Die reinste Krimiellenzucht ist das derzeitige Vorgehen der engl. Politjustiz. Aber wie's ausschaut werden die Urteile so ohnedies nicht bestehen bleiben.

gigngogn
 
30
26.8.2011, 17:32
Hmm, wenn man Verbrecher bestraft erzeugt das ihrer Meinung nach noch mehr Verbrecher. Umkehrschluss, wenn man Verbrecher belohnt hören Verbrechen komplett auf. 'Interessante' Meinung würde ich mal sagen

Die Realität zeigt aber anderes, siehe NewYork und Giuliani

Warentester
01
26.8.2011, 22:50

Wann war Guiliani Richter? Und auch sonst haben sie sich sein Vorgehen nicht besonders gründlich studiert.
Und das Thema Verhältnismäßigkeit ist für Sie offensichtlich auch nicht existent. Als nächstes fordern Sie wohl Todesstrafe für Falschparken, oder wie? Aber natürlich nur für die unteren Schichten. Die Reichen muss man schonen. Siehe Banker, siehe Camerons Freunde vom News Corp, siehe Korruption im Parlament, etc.. Bei diesen Threats habe ich sie nämlich nicht nach härtesten Strafen schreien hören.
Das mit der Repression kann auch ins Auge gehen.

gigngogn
 
00
29.8.2011, 18:13
Guiliani Rezept hat funktioneirt und das die Justiz seinen Vorgaben gefolgt ist hat man ja gesehen. Man brauicht nicht immer neue Gesetzte, man muss nur bestehende ausnutzen

Ein Unrecht mit einem Anderen zu legitimieren ist Unsinn, das wissen wir beide und einen Aufruf zu Plünderung und Mord während draussen Geschäfte brennen und Leute totgeprügelt werden ist mit 4 Jahren *nicht* unangemessen hoch

WLG
00
26.8.2011, 15:11

Wobei die Abschreckung durch harte Strafen ja ohnehin nur bedingt gegeben ist.

Kiembeni
00
26.8.2011, 12:54
Ja das ist es

f gut
91
26.8.2011, 06:56
.......Übers Ziel hinausgeschossen???.........

Woher hat Hr. Borger die Information, daß " ..Jungplünderer jahrelange Haft aufgrund nicht befolgter Krawallaufrufe auf Facebook erhielten...?
Ich versteh den Satz nicht ganz. Wenn ich einen Krawallaufruf NICHT befolge, werd ich bestraft?
Ein sehr einfach strukturierter Kommentar scheint das zu sein!

wurm83
 
00
26.8.2011, 12:04
ich erklärs dir :)

gemeint ist, das zwar zum krawall aufgerufen wurde, es aber niemand auf diesen aufruf hin getan hat...

Freedom to the people
00
26.8.2011, 10:23
hier kannst dus dir ansehen....4 jahre haft für facebookaufrufe.

http://www.zdf.de/ZDFmediat... en-Strafen

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