Fußballmeister Sturm scheiterte am Versuch, Teil der Champions League zu werden. Trainer Franco Foda stellte fest: "Die Europa League passt besser zu uns." Spiele gegen Barcelona oder Real hätten schrecklich geendet
Graz - Natürlich haben die Spieler von Sturm Graz gejammert, geschluchzt, traurig dreingeschaut. Minutenlang verharrten sie am Mittwochabend auf dem Rasen der UPC-Arena. Jürgen Säumel verspürte nach dem 0:2 gegen den weißrussischen Meister Bate Borisow eine "große Leere". Die Aussagen reichten von "bitter" über "sehr bitter" bis hin zu "extrem bitter". Andreas Hölzl sagte: "So eine Chance werden wir vielleicht nie wieder bekommen."
Bei Temperaturen von rund 30 Grad reichte die Kraft immerhin noch zur Selbstkritik. Stürmer Imre Szabics korrigierte einen ORF-Reporter, der von Pech und vergebenen Torchancen schwafelte. "Ich habe keine großen Chancen für uns gesehen, und ich war ja dabei. Es hat klar nicht gereicht. Wie haben uns vom 1:1 im Hinspiel täuschen lassen."
Die Gruppenphase der Champions League bleibt somit für österreichische Vereine ein Fernsehereignis. Rapid war 2005 live dabei, seither schafften es zyprische Mannschaften. Oder weißrussische wie Bate Borisow.
Trainer Franco Foda reagierte gefasst. 1998/99, 1999/2000 und 2000/01 brachte es der Deutsche als Libero der Grazer auf neun Einsätze in der Königsklasse. Es waren neun Niederlagen. 2011 sagte er: "Man muss sich schon fragen, ob wir schon so weit gewesen wären, um in der Gruppenphase zu spielen." Fodas Antwort: "Wir sind nicht so weit." Duelle mit Teams wie Barcelona, Real Madrid, Manchester United oder Bayern München hätten unangenehm geendet. Für Sturm. Foda: "In der Europa League sind die Kontrahenten eine Nummer kleiner, die passen besser zu uns."
Statt 7,2 Millionen Euro haben die Steirer nun 3,1 Millionen Euro (2,1 Mio. für Out im CL-Play-off und 1 Mio. EL-Startgeld) in der Tasche. Das Geld dürfte trotz der Verletzung von Roman Kienast, der aufgrund eines Mittelfußknochenbruchs rund zwei Monate ausfällt, nicht in einen neuen Stürmer investiert werden. Foda sieht allerdings Defizite in der Offensive. "Die Offensivspieler konnten keine Impulse geben. Ich habe gewusst, dass wir zweimal 90 Minuten am Limit spielen müssen, das ist uns nicht gelungen." 70 Minuten in der ersten Partie und 15 zu Beginn der zweiten seien zu wenig gewesen. "Uns haben die individuelle Klasse und die mentale Stärke gefehlt. Wir sind an unsere Grenzen gestoßen. Es waren einige nicht in der Lage, alles zu geben und über sich hinauszuwachsen."
Lob für den Gegner
Dem Gegner streute der 45-jährige Foda Rosen. "Borisow hat drei bis vier Spieler, die jede Mannschaft in Österreich verstärken würden." Wiktor Gontscharenko, Coach der Weißrussen, nahm das Kompliment an. "Es ist ein fantastisches Erlebnis. Viele haben nicht an uns geglaubt, wir schon. Die Spieler haben gekämpft wie die Löwen." In der Champions League wünscht er sich unbedingt Manchester United.
Foda hat eine Klasse tiefer, also in der Europa League, keinerlei Präferenzen. "Man kann es nicht beeinflussen. Wir dürfen trotz der Enttäuschung nicht vergessen, dass die Teilnahme an diesem Bewerb für uns ein Erfolg ist." Die Gruppenphase wird heute, Freitag, in Monaco ausgelost. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 26. August 2011, red)