Sebastian Springer will den "rot-schwarzen Parteidunst" vertreiben - mithilfe einer totgeglaubten Partei
Das blaue Kleid wurde gänzlich abgestreift: Sollte Heinz-Christian Strache Bundeskanzler werden, würde Sebastian Springer das Land verlassen, sagt er, um ein deutliches Exempel zu statuieren. Obgleich manche liberal denkenden Menschen diesen Gedanken teilen, traut man ihm auch die Umsetzung zu. "Als europäischer Österreicher müsste ich mich dann eben aus dem Ausland innenpolitisch einbringen." Das freie Europa erlaube ihm den Luxus.
Sebastian Springer ist Bundesvorsitzender des Liberalen Jugend Forums (LJF), der Jugendorganisation des Liberalen Forums, das 1993 vom ehemaligen FPÖ-Mitglied Heide Schmid gegründet wurde, aber seit mehr als zehn Jahren nicht mehr ins Parlament einzog. Der Grund, sich für die Vorfeldorganisation einer Partei zu engagieren, von der die meisten nicht einmal wissen, dass es sie noch gibt, ist für Sebastian Springer banal: "Ich bin von Herzen überzeugter Liberaler, es gibt keine Alternative."
"Wir treffen uns in der politischen Mitte"
Der vieldeutige Begriff "liberal" in seiner weitesten Auslegung ist auch, was die Gelben verbindet: Die Mitglieder seien Wirtschafts- wie Gesellschaftsliberale, vom Anzugträger bis zum Jugendlichen mit Dreadlocks - alle säßen zusammen an einem Tisch und diskutierten. "Wir treffen uns in der politischen Mitte", sagt Sebastian Springer. Der gemeinsame Konsens würde dann kommuniziert werden - oder zumindest so gut wie möglich an den Mann gebracht. "Wir haben nicht die Ressourcen, mit großen Buffets Medien und Interessenten zu locken", sagt er.
Mit seinen 24 Jahren sieht Sebastian Springer wesentlich älter aus, als er ist. Der stämmige junge Mann komme aus "einfachen Verhältnissen" . Sein Großvater sei Hirte gewesen und auch die Eltern keine Großverdiener. Der Salzburger konnte erst letztes Jahr mit dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien beginnen, weil er davor das Geld dafür verdienen musste.
"Großparteien fördern Mittelmaß"
"Österreich ist durchtränkt von rot-schwarzer Freunderlwirtschaft." Er hätte erlebt, dass der Parteidunst der zwei Großparteien weit in die österreichische Privatwirtschaft hineinreicht. Genau dem wolle das LJF entgegenwirken: "Nicht die besten Kontakte, sondern die beste Leistung soll honoriert werden." Es fehle an Pluralismus, Demokratie und Rückhalt für individuelle Interessen in der Gesellschaft.
Aus ihm sprudelt, was alle Jungpolitiker der Kleinorganisationen eint: haltloser Idealismus, den sich Springer auch zugesteht. "Natürlich haben wir es leichter. Man muss dann ja auch nicht alles umsetzen können." In der Jugendarbeit ginge es darum, sich eine Meinung zu bilden, und dabei dürfe man auch mal wie "jeder normale Mensch" Fehler machen. "Der Vorteil ist, dass es bei uns keine Berufspolitiker gibt. Die Leute, für die Politik betrieben wird, sind jene, die Politik betreiben."
Springer ist eines von drei Gründungsmitgliedern des LJF. Mit 18 Jahren ist er dem Liberalen Forum beigetreten. Er sei sich eingeengt vorgekommen, weil die Großparteien "nur das Mittelmaß fördern". Seither investiert der ehrenamtliche Politiker viel Zeit in "sein Werk" und hofft, dass es sich irgendwann lohnt. "Ich verdiene nichts damit, ehrlich gesagt zahle ich sogar drauf". (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2011)
LJF, Liberales Jugend Forum
Vorsitz: Sebastian Springer
Mitglieder:
"überschaubar"
Selbstverständnis: Wirtschafts- und
Gesellschaftsliberal, Antizentralismus, Pluralismus, proeuropäisch,
offene Haltung gegenüber Zuwanderung