Serie Jugend und Politik

Der junge Gelbe: Großes Engagement, kleine Wirkung

25. August 2011, 17:42
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    foto: privat

    "Ja, es gibt uns noch" : Springer ist in LIF und liberaler Jugend aktiv.

Sebastian Springer will den "rot-schwarzen Parteidunst" vertreiben - mithilfe einer totgeglaubten Partei

Das blaue Kleid wurde gänzlich abgestreift: Sollte Heinz-Christian Strache Bundeskanzler werden, würde Sebastian Springer das Land verlassen, sagt er, um ein deutliches Exempel zu statuieren. Obgleich manche liberal denkenden Menschen diesen Gedanken teilen, traut man ihm auch die Umsetzung zu. "Als europäischer Österreicher müsste ich mich dann eben aus dem Ausland innenpolitisch einbringen." Das freie Europa erlaube ihm den Luxus.

Sebastian Springer ist Bundesvorsitzender des Liberalen Jugend Forums (LJF), der Jugendorganisation des Liberalen Forums, das 1993 vom ehemaligen FPÖ-Mitglied Heide Schmid gegründet wurde, aber seit mehr als zehn Jahren nicht mehr ins Parlament einzog. Der Grund, sich für die Vorfeldorganisation einer Partei zu engagieren, von der die meisten nicht einmal wissen, dass es sie noch gibt, ist für Sebastian Springer banal: "Ich bin von Herzen überzeugter Liberaler, es gibt keine Alternative."

"Wir treffen uns in der politischen Mitte"

Der vieldeutige Begriff "liberal" in seiner weitesten Auslegung ist auch, was die Gelben verbindet: Die Mitglieder seien Wirtschafts- wie Gesellschaftsliberale, vom Anzugträger bis zum Jugendlichen mit Dreadlocks - alle säßen zusammen an einem Tisch und diskutierten. "Wir treffen uns in der politischen Mitte", sagt Sebastian Springer. Der gemeinsame Konsens würde dann kommuniziert werden - oder zumindest so gut wie möglich an den Mann gebracht. "Wir haben nicht die Ressourcen, mit großen Buffets Medien und Interessenten zu locken", sagt er.

Mit seinen 24 Jahren sieht Sebastian Springer wesentlich älter aus, als er ist. Der stämmige junge Mann komme aus "einfachen Verhältnissen" . Sein Großvater sei Hirte gewesen und auch die Eltern keine Großverdiener. Der Salzburger konnte erst letztes Jahr mit dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien beginnen, weil er davor das Geld dafür verdienen musste.

"Großparteien fördern Mittelmaß"

"Österreich ist durchtränkt von rot-schwarzer Freunderlwirtschaft." Er hätte erlebt, dass der Parteidunst der zwei Großparteien weit in die österreichische Privatwirtschaft hineinreicht. Genau dem wolle das LJF entgegenwirken: "Nicht die besten Kontakte, sondern die beste Leistung soll honoriert werden." Es fehle an Pluralismus, Demokratie und Rückhalt für individuelle Interessen in der Gesellschaft.

Aus ihm sprudelt, was alle Jungpolitiker der Kleinorganisationen eint: haltloser Idealismus, den sich Springer auch zugesteht. "Natürlich haben wir es leichter. Man muss dann ja auch nicht alles umsetzen können." In der Jugendarbeit ginge es darum, sich eine Meinung zu bilden, und dabei dürfe man auch mal wie "jeder normale Mensch" Fehler machen. "Der Vorteil ist, dass es bei uns keine Berufspolitiker gibt. Die Leute, für die Politik betrieben wird, sind jene, die Politik betreiben."

Springer ist eines von drei Gründungsmitgliedern des LJF. Mit 18 Jahren ist er dem Liberalen Forum beigetreten. Er sei sich eingeengt vorgekommen, weil die Großparteien "nur das Mittelmaß fördern". Seither investiert der ehrenamtliche Politiker viel Zeit in "sein Werk" und hofft, dass es sich irgendwann lohnt. "Ich verdiene nichts damit, ehrlich gesagt zahle ich sogar drauf". (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2011)

LJF, Liberales Jugend Forum

Vorsitz: Sebastian Springer

Mitglieder: "überschaubar"

Selbstverständnis: Wirtschafts- und Gesellschaftsliberal, Antizentralismus, Pluralismus, proeuropäisch, offene Haltung gegenüber Zuwanderung

Kommentar posten
22 Postings
Flying Horse
00
Endlich mal Abwechslung (wenn auch nicht genug)

kleiner Tipp für all die Parteitiger die das lesen.

Meine Sympathie bekommt jene Partei, welche

- die staatlich vereinbarte Kirchensteuer abschafft
- keine Relegion mehr finanziell unterstützt
- alle Verwaltungen (inkl. den Regierungen) in den Bundesländern abschafft
- den Generationenvertrag auflöst (jawohl keine staatlichen Pensionen mehr)
- das Gesundheitssystem privatisiert
- das Schulsystem privatisiert
- ein Gesetz erlässt, dass jede/r PolitikerIn bei Verurteilung das doppelte von der Höchststrafe bekommt
- und die Staazsschulden abbaut

dann bitte Steuern runter und erst wenn es einen Überschuss gibt, Sozialausgaben wieder steigern.

Leider gibt es die Partei aber wohl nicht.

le KBK
00
31.8.2011, 22:20
Eine ganz kleine Bitte:

Könnte wenigstens im "Standard" der Name Heide SchmidTs richtig geschrieben werden? Das wäre wunderbar.

Laird of Glenmore
00
30.8.2011, 21:40
Lieber Basti,

die politische Mitte gibt es nicht. In der Politik stellt sich - angesichts knapper Ressourcen - immer die Frage wessen Interessen sich durchsetzen. Dabei ist es wichtig, die verschiedenen Standpunkte und das Allgemeinwohl miteinzubeziehen bzw. zu berücksichtigen.

Eine Volkswirtschaft funktioniert ganz anders als ein Betrieb und Österreich ist kein Unternehmen. Denn das Konzept eines Unternehmens schließt viele Menschen aus, während ein Staat alle Menschen gleichermaßen einzubeziehen hat bzw. hätte (vom normativen Konzept her zumindest).

Die Europäische Union ist kein Selbstzweck, sondern muss von unten aufgebaut werden - als elitärer Debattierklub einiger Bosse und Politiker hat sie keine Zukunft.

Inhaltliche Genesung täte gut ...

Der Kluge
02
27.8.2011, 18:25

Reiner Wirtschaftsliberalismus ist eine nette Theorie funktioniert in der Praxis aber nicht.
Es führt nicht zu einer optimalen Güter-allokation, sondern zu einer Individualisierung der Gesellschaft und Zerfall des öffentlichen Lebens an deren Ende die Diktatur des Geldes steht.
Der Mensch braucht als soziales Wesen strukturierende Gebilde wie Nation und Familie, in denen Soildarität praktiziert wird und klare Regeln herrschen.

kauf nix
30
26.8.2011, 11:47
Sollte Heinz-Christian Strache Bundeskanzler werden, würde Sebastian Springer das Land verlassen, sagt er, um ein deutliches Exempel zu statuieren.

...und genau deshalb wird hatsche auf den kanzler verzichten.

ruthwinkler
21
26.8.2011, 11:37
Nicht nur großes Engagement, sonder auch kluges Engagement

Da wird die Wirkung eines Tages auch noch steigen... Gut Ding braucht halt manchmal Weile.
Viel Erfolg!

der letzte leser
71
26.8.2011, 09:39

Beim ÖH-Wahlkampf habe Ich diesen Verein als etwas selbstherrlich und snobistisch wahrgenommen.

Dieser so genannte Wirtschaftsliberalismus ist nicht liberal, sondern reaktionär.

MPG
 
00
28.11.2011, 10:30
das Liberale Jugendforum ist nicht bei den ÖH-Wahlen 2011 angetreten!

die Julis sind keine Teilorganisation des Liberalen Forums!

ruthwinkler
01
26.8.2011, 11:28

Wann ist denn das LJF zu den ÖH-Wahlen angetreten?
(Sie meinen eine andere Liste... - offensichtlich war Ihre Wahrnehmung des ÖH-Wahlkampfes also nicht sehr genau)

powerpack
75
26.8.2011, 08:30
wirtschafts und gesellschaftsliberal

sind zwei begriffe die einfach überhaupt nicht zusammenpassen, da neoliberalismus fast immer mit faschistischen und ausbeuterischen tendenzen funktioniert. ja eigentlich funktioniert er überhaupt nur so. eine liberale gesellschaft kann sich wohl nur in einer nicht-wirtschaftsliberalen umgebung entwickeln.

dieses us-hirngespinst die freiheit der menschen könne nur durch wirtschaftsliberalismus garantiert werden ist das größte trugbild der gesellschaft der letzten 100 jahre.

und wenn man's logisch überlegt: was hat eine wirtschaft ohne regeln mit einer liberalen gesellschaft zu tun?

in wahrheit macht der neoliberalismus die menschen unfrei wie nur etwas und es handelt sich bei der "freiheit" der menschen um einen netten gag.

neph thys
00
26.8.2011, 12:59

"Im liberalen Sinne heißt liberal? nicht nur liberal!"
http://www.youtube.com/watch?v=msizyUXR-no

Herr und Frau Österreicher
 
03
26.8.2011, 10:32

Naja, der Neoliberalismus hat aber generell mit dem klassicshen Liberalismus nix zu tun!

Martin Fuchs2
05
26.8.2011, 09:53
So ein Quatsch - es geht um die Freiheit

Wirtschafts- und Gesellschaftsliberalismus treffen sich bei der Freiheit des Einzelnen.

Und by the way: Liberale sind keine Anarchisten, die keine Regeln wollen.

Herr und Frau Österreicher
 
10
26.8.2011, 10:33

By the way, Anarchisten sind keine Chaoten, die keine Regeln wollen!

GhostInside
11
26.8.2011, 09:11
so ist es!

dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Leider überzuckern die meisten Menschen diese simplen Zusammenhänge nicht.

Gobi Todic
00
26.8.2011, 06:51
Selbstschädigende Dummheit, nur um irgendwann dazuzugehören

Bravo, kämpf nur weiter gegen deinen eigenen Stand um dir selber ein paar Brösel zu erhaschen.

CrangerMan
11
25.8.2011, 23:26

Das LIF wird es kaum mehr in den Nationalrat oder in einen Landtag schaffen. Nicht nur, weil es in Österreich keine liberale Tradition gibt, sondern auch, weil momentan eine charismatische Führungsperson fehlt. Da sehe ich am ehesten vielleicht noch die Chance über die JuLis in der ÖH, dass da etwas in Bewegung gebracht werden könnte, aber sicher nicht beim JLF.

Bekka
 
11
25.8.2011, 21:46
viel erfolg

lagrangian
37
25.8.2011, 19:57

Es ist immer wieder schön von den liberalen Ansätzen zu lesen. Das gibt Hoffnung für unsere leere, intelligenzbefreite politische Landschaft.

adventurer
00
27.8.2011, 12:28
hätte es nicht besser formulieren können

bekennendes SASA Baerli
 
13
26.8.2011, 00:06
Wäre Zeit

das das liberale Forum nicht mehr dafür büssen muss, dass Heinz Fischer sie gemacht hat. Macht den Jungspund zum Parteiobmann und zeigt das man in Österreich auch noch mit menschlichen Mitteln ins Parlament kommt.

bekennendes SASA Baerli
 
10
26.8.2011, 00:02
Wäre Zeit das das Liberale Forum nicht mehr dafür Büss

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