Hubert Gorbach wurde im Eiltempo aus dem BZÖ ausgeschlossen. Die Zeit von 2000 bis 2007 in der Bundesregierung war für Blaue und Orange durchaus lukrativ
Ein Insider aus der damaligen Runde um Jörg Haider wundert sich heute, dass Peter Hochegger immer noch frei herumläuft. Der ehemalige Lobbyist, der sich zurzeit angeblich in Brasilien aufhält, galt der blauen Truppe um Haider und Hubert Gorbach damals als "Waschmaschine". Für Hochegger gilt die Unschuldsvermutung. Gegen ihn ermittelt die Justiz, es gibt aber keinerlei Anklage gegen ihn.
Eine andere Anlaufstation für freiheitliche Politiker soll Rudolf Fischer, damals Vorstandsdirektor der Telekom und Chef des Festnetzbereiches, gewesen sein. Über den "Rudi" war etwas zu holen, der war geldmäßig "anzuzapfen", hieß es.
"Anzapfen" war bei den Freiheitlichen ein Schlüsselwort. Als ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 den Koalitionspakt mit der FPÖ schloss, holte er eine Truppe in die Regierung, die nicht nur politisch vor Ehrgeiz brannte, sondern die auch finanziell ausgehungert war - und plötzlich Zugang zu den Töpfen der Republik fand. Spesenkonten wurden bis zum Anschlag ausgenützt, das Budget, das in blauen Ressorts zur Verfügung stand, wurde ungeniert für Parteiinteressen verwendet.
Wenige Profis
Profis gab es bei den Freiheitlichen nur wenige. Die Partei war innerhalb weniger Jahre groß geworden, unter Jörg Haider kletterte die FPÖ von knapp zehn Prozent auf jene 26,9 Prozent, die sie schließlich in die Regierung spülte. Wer bei der FPÖ andockte, konnte rasch etwas werden, Posten gab es auf einmal genug. Es war die Stunde der Karrieristen. Und die Fleißigen und Tüchtigen langten ordentlich zu, und sie brachten ihre Freunde mit. Walter Meischberger, Peter Hochegger, Karl-Heinz Grasser, Ernst Karl Plech, Hubert Gorbach. Gorbachs Spielwiese war die Telekom. Dafür mischte er sich anderswo nicht ein. Die großen Geschäfte und Verbindungen liefen ohnedies über Jörg Haider, da war Gorbach gar nicht im engeren Kreis der Vertrauten. Karl-Heinz Grasser lange Zeit schon. Auch Meischberger und Gernot Rumpold. Das Geld musste in Bewegung gehalten werden, und das System Haider mit seiner angeschlossenen Wahlkampfmaschinerie war nicht billig. Auch persönlich soll einiges hängengeblieben sein. Wo die Freiheitlichen Zugriff bekamen, langten sie letztendlich ordentlich zu, ob das Seibersdorf war, die Telekom, die Buwog, die Asfinag oder die ÖBB. Wie das im Übrigen auch andere Parteien taten.
Am Donnerstag ordnete BZÖ-Chef Josef Bucher den Parteiausschluss von Hubert Gorbach an. 2003 waren die beiden nahezu gleichzeitig nach Wien übersiedelt: Bucher als frischgebackener Abgeordneter, Gorbach als Minister für Infrastruktur und Verkehr. Now the BZÖ is too small for Hubert Gorbach. (völ. DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.8.2011)