Grundlagenforschung

ERC-Chefin Nowotny fordert Verdoppelung der EU-Mittel

25. August 2011, 15:41

Andrang junger Wissenschafter auf Förderung durch Europäischen Forschungsrat ungebremst

Alpbach - Weil Ende 2013 das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm ausläuft, wird bereits kräftig am Nachfolgeprogramm "Horizon 2020" gearbeitet. Dieses wird wohl weiterhin auf die Arbeit des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) setzen, um exzellente Grundlagenforschung zu unterstützen. "Der Andrang von jungen Wissenschaftern", die um Förderung ansuchen, "ist ungebremst", sagte ERC-Präsidentin Helga Nowotny am Rande der Alpbacher Technologiegespräche. Es gebe viele Forschungstalente in Europa, das Potenzial sei noch lange nicht ausgeschöpft. So steht denn auch auf ihrer Wunschliste für die Jahre 2014 bis 2020 die Verdoppelung der bisherigen ERC-Mittel auf 3,6 Mrd. Euro.

Die Notwendigkeit einer Budgeterhöhung könne "mit sehr gutem Gewissen, sehr guten Argumenten und sehr guten Zahlen" argumentiert werden, so die österreichische Wissenschaftsforscherin, die seit Einrichtung des ERC vor vier Jahren dem Präsidium angehört - seit 2010 als Präsidentin.

Von 2007 bis 2013 wird der ERC, der sich der Förderung einzelner Grundlagenforscher - über hoch dotierte "Starting Grants" für Nachwuchsforscher und "Advanced Grants" für bereits etablierte Wissenschafter - verpflichtet hat, insgesamt 1,6 Mrd. Euro an Fördermitteln ausgeschüttet haben. Hauptargument für eine Budgeterhöhung ist für Nowotny die starke Nachfrage und die notwendige Förderung des Nachwuchses als "Investition in die Zukunft Europas". Zuletzt habe es "zum Teil einen Anstieg von 40 Prozent" bei den Bewerbungen gegeben.

Brasilien-Initiative im Herbst

Mit mehr Mitteln würde der Rat auch seine Bestrebungen intensivieren, international mehr Sichtbarkeit zu bekommen und mehr Anträge von Forschern außerhalb Europas - etwa auch aus Asien und Südamerika - einzuwerben. "Wenn etwa Brasilianer für fünf Jahre auf Grundlage von ERC-Förderungen nach Europa kommen, haben wir nichts dagegen, wenn sie danach wieder zurückgehen. Die geknüpften Netzwerke werden bestehenbleiben", so die Rats-Chefin über eine geplante Brasilien-Initiative im Herbst. Ziel sei, "Europa auf der globalen Forschungslandkarte zu einem wichtigen Kontinent zu machen", so Nowotny. Im kommenden Jahr soll auch ein Strategieplan zur stärkeren Internationalisierung des ERC entwickelt werden.

In eine weitere Arbeitsphase würde der Rat mit einer vereinfachten Verwaltungsstruktur gehen - abgeschafft werden soll etwa der Generalsekretär des wissenschaftlichen Beirats. "Mein Nachfolger wird hauptberuflich in Brüssel sein", so die derzeitige Präsidentin, die damit eine weitere Amtsperiode nach 2013 ausschließt.

Der erste Entwurf für "Horizon 2020" wird von der EU-Kommission Ende September präsentiert. Das Programm soll um die Innovationsagenden erweitert werden. Auch von einem deutlichen Budgetzuwachs von knapp unter 50 Prozent auf 80 Mrd. Euro für 2014 bis 2020 war die Rede.

"Kleine österreich-interne Beobachtungsgruppe"

Zu den Technologiegesprächen hat die Rats-Präsidentin einen Vorschlag mitgebracht, den sie mit dem Wissenschaftsministerium diskutieren möchte: Um Trends bei den österreichischen Bewerbungen um ERC-Förderungen zu erheben und aus entsprechenden Erfolgsgeschichten zu lernen, könne doch eine "kleine österreich-interne Beobachtungsgruppe" eingerichtet werden. Ein Trend ist dabei für Nowotny schon jetzt sichtbar: Hierzulande sind jene Einrichtungen erfolgreich, die sich international geöffnet haben. "Wie auch die Schweiz oder Großbritannien hat Österreich dort, wo wir erfolgreich sind, einen überproportionalen Anteil an Nicht-Österreichern. Das ist nichts wofür man sich schämen muss. Im Gegenteil: Man soll stolz darauf sein, dass es gelungen ist, diese klugen Menschen bei uns anzusiedeln - das muss man auch verstärkt fortsetzen." (APA)

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