Andrang junger Wissenschafter auf Förderung durch Europäischen Forschungsrat ungebremst
Alpbach - Weil Ende 2013 das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm ausläuft,
wird bereits kräftig am Nachfolgeprogramm "Horizon 2020" gearbeitet. Dieses wird
wohl weiterhin auf die Arbeit des Europäischen Forschungsrats (European Research
Council, ERC) setzen, um exzellente Grundlagenforschung zu unterstützen. "Der
Andrang von jungen Wissenschaftern", die um Förderung ansuchen, "ist
ungebremst", sagte ERC-Präsidentin Helga Nowotny am Rande der Alpbacher
Technologiegespräche. Es gebe viele Forschungstalente in Europa, das
Potenzial sei noch lange nicht ausgeschöpft. So steht denn auch auf ihrer
Wunschliste für die Jahre 2014 bis 2020 die Verdoppelung der bisherigen
ERC-Mittel auf 3,6 Mrd. Euro.
Die Notwendigkeit einer Budgeterhöhung könne "mit sehr gutem Gewissen, sehr
guten Argumenten und sehr guten Zahlen" argumentiert werden, so die
österreichische Wissenschaftsforscherin, die seit Einrichtung des ERC vor vier
Jahren dem Präsidium angehört - seit 2010 als Präsidentin.
Von 2007 bis 2013 wird der ERC, der sich der Förderung einzelner
Grundlagenforscher - über hoch dotierte "Starting Grants" für Nachwuchsforscher
und "Advanced Grants" für bereits etablierte Wissenschafter - verpflichtet hat,
insgesamt 1,6 Mrd. Euro an Fördermitteln ausgeschüttet haben. Hauptargument für
eine Budgeterhöhung ist für Nowotny die starke Nachfrage und die notwendige
Förderung des Nachwuchses als "Investition in die Zukunft Europas". Zuletzt habe
es "zum Teil einen Anstieg von 40 Prozent" bei den Bewerbungen gegeben.
Brasilien-Initiative im Herbst
Mit mehr Mitteln würde der Rat auch seine Bestrebungen intensivieren,
international mehr Sichtbarkeit zu bekommen und mehr Anträge von Forschern
außerhalb Europas - etwa auch aus Asien und Südamerika - einzuwerben. "Wenn etwa
Brasilianer für fünf Jahre auf Grundlage von ERC-Förderungen nach Europa kommen,
haben wir nichts dagegen, wenn sie danach wieder zurückgehen. Die geknüpften
Netzwerke werden bestehenbleiben", so die Rats-Chefin über eine geplante
Brasilien-Initiative im Herbst. Ziel sei, "Europa auf der globalen
Forschungslandkarte zu einem wichtigen Kontinent zu machen", so Nowotny. Im
kommenden Jahr soll auch ein Strategieplan zur stärkeren Internationalisierung
des ERC entwickelt werden.
In eine weitere Arbeitsphase würde der Rat mit einer vereinfachten
Verwaltungsstruktur gehen - abgeschafft werden soll etwa der Generalsekretär des
wissenschaftlichen Beirats. "Mein Nachfolger wird hauptberuflich in Brüssel
sein", so die derzeitige Präsidentin, die damit eine weitere Amtsperiode nach
2013 ausschließt.
Der erste Entwurf für "Horizon 2020" wird von der EU-Kommission Ende
September präsentiert. Das Programm soll um die Innovationsagenden erweitert
werden. Auch von einem deutlichen Budgetzuwachs von knapp unter 50 Prozent auf
80 Mrd. Euro für 2014 bis 2020 war die Rede.
"Kleine
österreich-interne Beobachtungsgruppe"
Zu den Technologiegesprächen hat die Rats-Präsidentin einen Vorschlag
mitgebracht, den sie mit dem Wissenschaftsministerium diskutieren möchte: Um
Trends bei den österreichischen Bewerbungen um ERC-Förderungen zu erheben und
aus entsprechenden Erfolgsgeschichten zu lernen, könne doch eine "kleine
österreich-interne Beobachtungsgruppe" eingerichtet werden. Ein Trend ist dabei
für Nowotny schon jetzt sichtbar: Hierzulande sind jene Einrichtungen
erfolgreich, die sich international geöffnet haben. "Wie auch die Schweiz oder
Großbritannien hat Österreich dort, wo wir erfolgreich sind, einen
überproportionalen Anteil an Nicht-Österreichern. Das ist nichts wofür man sich
schämen muss. Im Gegenteil: Man soll stolz darauf sein, dass es gelungen ist,
diese klugen Menschen bei uns anzusiedeln - das muss man auch verstärkt
fortsetzen." (APA)