Ein Vogel für die Forschung

Peter Illetschko, 25. August 2011, 17:59

Das Zögern und Zaudern in der österreichischen Politik wird berechnet - Elf Unternehmen unterzeichneten Deklaration für 20 Prozent mehr Forschungsetat

Alpbach - Das Zögern und Zaudern in der österreichischen Politik wird seit Mittwoch berechnet: Der Forschungsrat stellte einen "Inaktivitätscounter" auf seine Website. Der bei den Technologiegesprächen in Alpbach vorgestellte Rechner misst das kurzfristige Einsparungspotenzial durch anstehende und bisher aufgeschobene Reformen im Pensions- und Gesundheitssystem und in der Verwaltung auf Basis einer Studie des Wirtschaftsforschers Hannes Leo. Damit soll demonstriert werden, woher der Bund einen Teil jenes Geldes nehmen könnte, das zum Erreichen der hohen Ziele der Strategie 2020 (3, 76 Prozent Forschungsquote) gebraucht wird und im Budget derzeit nicht vorgesehen ist. Im öffentlichen Sektor allein bräuchte man zwischen 200 und 300 Millionen mehr pro Jahr.

Verkehrsministerin Doris Bures will sich offenbar nicht darauf verlassen, vom Finanzministerium deutlich mehr Geld zu bekommen, und setzt auf Forschungsinvestitionen von hierzulande ansässigen Unternehmen. Elf von ihnen - Infineon, Magna, Lenzing, KTM, Kiska, AT&S, AVL-List, Geoville, Doppelmayr, Marinomed und TTTech - haben sich verpflichtet, bis 2015 ihren Forschungsetat um 20 Prozent zu erhöhen. Derzeit werden von allen beteiligten Unternehmen gemeinsam 622 Millionen Euro für die innerbetriebliche Forschung ausgegeben. 2015 sollen es dann 750 Millionen sein. Im Verkehrsministerium will man überprüfen, ob das Ziel des Fünfjahresplans erreicht wird.

Für Bures ist das ein konkreter Schritt, um die Strategie 2020 umzusetzen. Sie präsentierte auch gleich Zahlen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), um den elf Unterzeichnenden zu zeigen, dass sie nicht das Falsche machen. Forschungsintensive Unternehmen stehen demnach auch nach der Wirtschaftskrise an der "Spitze der Beschäftigungsdynamik". Sie haben auch im Gegensatz zu anderen geringe Umsatzverluste hinnehmen müssen.

Dass sich die Universitäten und der Wissenschaftsfonds FWF über deutlich mehr Geld für die Grundlagenforschung freuen können, darf angezweifelt werden. Das kürzlich von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle präsentierte Papier von internationalen Experten, in dem genau das gefordert wurde, dürfte schon wegen der anstehenden Budgetkonsolidierung an der Umsetzung scheitern, sagen Beobachter. Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, lobte den Vorschlag der Experten, den Uni-Zugang neu zu regeln. Sorger sprach sich dabei auch für sozial gestaffelte Studienbeträge" aus.

Töchterle selbst betonte, den Wissenstransfer zwischen Universitäten und Wirtschaft intensivieren zu wollen. Er hat eine zentrale Stelle dafür im Ministerium eingerichtet und will in Zukunft den Phönix-Award an besonders innovative, junge Unternehmen verleihen. Den ersten aus der Asche kommenden Vogel wird es im Frühjahr 2012 geben. (Peter Illetschko, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.8.2011)

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