Ausgebrannt

Neigen Psychiater zum Burnout?

25. August 2011, 08:23
  • Artikelbild
    foto: gerd altmann/www.pixelio.de

    Die These, dass gerade Menschen, die im Berufsfeld Psychiatrie und Psychotherapie tätig sind, die eine Neigung zu psychischen Erkrankungen haben, ist unhaltbar.

    Foto: Gerd Altmann/www.pixelio.de

Psychotherapeuten und Psychiater sind anfällig für stressbedingte Gesundheitsstörungen

Sie wollen helfen: Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter und Therapeuten. Dabei laufen sie häufig Gefahr selbst zu erkranken. Stressbezogene Gesundheitsstörungen sind unter im Gesundheitswesen Tätigen weit verbreitet. Das Thema „Burnout" ist mit zahlreichen Veranstaltungen auch Teil des diesjährigen DGPPN-Kongressprogramms.

Ein „Burnout" kann grundsätzlich jeden Arbeitnehmer treffen. Aber vor allem professionelle Helfer wie Ärzte, Pflegepersonal oder Therapeuten laufen Gefahr zu erkranken. Das Risiko ist bei professionellen Helfern, die im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie tätig sind, besonders hoch. So berichten Psychiater häufiger über „Burnout", Depression und andere psychische Erkrankungen als andere Ärzte. Auffällig ist, dass vor allem Berufsanfänger anfällig für stressbedingte Gesundheitsstörungen sind. So zeigen 76 Prozent der Assistenzärzte „Burnout"-Symptome wie emotionale Erschöpfung oder Demotivation. Diese haben oftmals idealisierte Vorstellungen von ihrem Beruf und der Einstieg ins Berufsleben ist daher häufig mit Enttäuschungen verbunden.

Unhaltbare These

Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) aufmerksam. Den Grund sieht die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen bei gleichzeitig steigenden Qualitätsanforderungen und Behandlungsfällen pro Helfer. Hinzukomme, dass die therapeutischen Beziehungen im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie emotional belastend sein können. Nicht haltbar sei die These, dass gerade diejenigen das Berufsfeld Psychiatrie und Psychotherapie wählen, die eine Neigung zu psychischen Erkrankungen haben.

Wichtig ist es, Anzeichen für ein „Burnout" früh zu erkennen und entgegenzusteuern. Denn zu spät erkannt, können Erschöpfungszustände in einer depressiven Erkrankung münden. Die DGPPN empfiehlt das eigene Zeitmanagement zu verbessern, Delegationsmöglichkeiten für Aufgaben zu nutzen oder auch mal „Nein" zu sagen sowie exzessive Überstunden zu vermeiden. Hilfreich kann zudem eine kognitive Verhaltenstherapie sein. Darin hinterfragen Betroffene ihre oftmals eingefahrenen Einstellungs- und Verhaltensmuster, die zu dem emotionalen und körperlichen Erschöpfungszustand geführt haben. Sie lernen, wie sie mit Stress besser umgehen und auf ihren Körper hören können.

Fachtagung in Berlin

Das Thema „Burnout" und „Burnout bei professionellen Helfern in der Psychiatrie und Psychotherapie" gehört ebenfalls mit zahlreichen Veranstaltungen zum Programm des diesjährigen DGPPN-Kongresses. Dieser findet von Mittwoch, den 23. November, bis Samstag, den 26. November 2011, im Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin statt. Der Kongress zählt mit mehr als 10.000 erwarteten Teilnehmern inzwischen zur größten Fachtagung auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen. (red)

Kommentar posten
16 Postings
CL
00
27.8.2011, 19:45

Eigentlich nicht verwunderlich, da gerade die o.a. Berufsgruppe quasi als "Mistkübel" für den emotionalen Ballast ihrer Patienten agiert.

ad Zitat: "Nicht haltbar sei die These, dass gerade diejenigen das Berufsfeld Psychiatrie und Psychotherapie wählen, die eine Neigung zu psychischen Erkrankungen haben."

Ich würde es eher so bezeichnen: Gerade jene wählen diese Berufe, die über die entsprechende Sensitivität verfügen und somit mit der entsprechenden Portion an Empathie gesegnet sind, damit sie auf den Nächsten eingehen können. Das kann natürlich leicht zur sog. Aufnahme von Fremdenergien in das eigene Kraftfeld führen - und wenn man sich dessen nicht entledigt, mittel- bis langfristig zum Burn-out.

CL
20
27.8.2011, 19:55

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass in der Praxis auch heute noch Psychotherapie und angrenzende Bereiche in unseren Breitengraden nicht den entsprechenden Stellenwert haben; also die althergebrachte, kleinbürgerliche Meinung, dass nur Menschen mit einem sog. Dachschaden so etwas brauchen (und offenbar glauben viele, dass dieser Dachschaden dann auf ewig bleibt, weil's eh nichts bringt; naja, viele sind auf dieser Ebene etwas unbedarft und naiv, weil ihnen die dazugehörige Erfahrung fehlt).

Im Gegensatz dazu ist es in den Vereinigten Staaten gang und gäbe, Psychotherapie als Art Selbsterfahrung/-reflexion zu betreiben - quasi eine Art Lifestyle - wobei hier wahrscheinlich schon wieder etwas übertrieben wird.

NickKnarrkarton
00
31.8.2011, 01:20

Dann lesen Sie mal nach, welche Leute den 11/09 besser verkraftet haben: Jene, die psychotherapiert wurden oder jene, die keine in Anspruch genommen haben.
Das Ergebnis spricht Bände - es geht nicht um Dachschaden oder nicht, es geht darum, daß die zwanghafte Beschäftigung mit sich selbst und die Selbstzerpflückung erst so richtig krank macht. Es gibt bis heute nicht eine einzige PT(schule), die einen nachgewiesenen Nutzen vorweisen kann - trotzdem werden alle bei jeder Gelegenheit mit dem Mist bombardiert.
Die Leute sind nicht kleinbürgerlich - sie merken mehr und mehr, daß PT ein Schwachsinn ist, weil sie hinterfragen wie z.B. die kath. Kirche.

Cerberus303
00
4.11.2011, 13:12
Ihre Meinung in allen Ehren..

... aber Psychotherapie ist nicht immer selbszerpflückung... Ich stimme Ihnen schon zu, dass man alles übertreiben kann und speziell bei den analytischen Zugängen kann man da mal schnell mehrere Jahre damit verbringen mit der Gefahr, sich da auch in Abhängigkeit zu begeben...

Ich habe den Eindruck, sie verfügen einfach nicht über den notwendigen Informationsstand...

NickKnarrkarton
00
13.11.2011, 02:31

Ich habe eher den Eindruck, daß die Öffntlichkeit eine falsche Meinung darüber hat, was Psychotherapie genau ist.
Psychotherapie ist natürlich immer Selbstzerpflückung, weil das Problem oder dessen angebliche Behebung immer am Einzelnen festgemacht wird. Selbst wenn man keines hätte, hat man eines, sobald man dort sitzt und der einzige, der dies "objektiviert" ist der Therapeut.

Elena 40
00
27.8.2011, 11:05
Burn Out im Gesundheitswesen

Wenn man sich entschließt Menschen zu helfen,
dann liegt es in der Natur der Sache, dass man in dem Moment des Helfens seine eigene Belastungsgrenze gar nicht wahr nimmt bzw. sie beseite schiebt. In der Theorie weiß ein jeder wie man sich davor schützt - das gilt für alle Berufe - doch schlussendlich zeigt einem die Praxis, ob man den Anforderungen des Berufes gewachsen ist bzw. ob man mit Stresssituation sowohl physisch als auch psychisch umgehen kann. Jedes "Ausgebranntsein" hat auch etwas positives für sich - man lernt sich und seine Grenzen kennen und durch diese Lebens-
erfahrung gewinnt man auch eine andere Einstellung
zum Lebenssinn!

erich1963
01
26.8.2011, 20:35
Wie wärs, wenn Psychologen nur das halbwegs beherzigen,...

...was sie ihren Burnout-Patienten in den Therapiesitzungen vorschlagen?

NickKnarrkarton
00
27.8.2011, 11:20

Sie beherzigen es ja - deshalb kommen sie ja auch ins Burn Out :-)

gastrosoph
00
26.8.2011, 06:09
Die Geister, die ich rief...

minderbelastet
00
25.8.2011, 13:11
hachja... funny van dannen kann davon ein lied singen...

http://www.youtube.com/watch?v=0WF1K2TTYF4

Koalla
46
25.8.2011, 11:18
Dann kann ja der DGPPN-Kongress

gleich mit der Ärztekammer Felderers gewiss menschen/rechtswidrige Idee diskutieren, alle Burnoutgeschädigten, psychisch/physisch Kranken und Invaliden statt nach jahrzehntelangen Pensionszahlungen in einer IV-Pension zu entlasten, bis 65 dem AMS als Arbeit-suchend zu unterstellen, zumal laut Felder die meisten Antragsteller ihre Krankheiten quasi ohnehin nur "simulieren": http://tinyurl.com/3e89fqr

Diesen "faulen Sozialschmarotzern", häufig aus Sozialberufen kommend und vorwiegend Frauen, die neben Job, Kindererziehung, Haushalt und Pflege kranker Angehöriger irgendwann selbst krank werden, weil sie keine Entlastung und Therapieen bekommen, sperrt das AMS oft das Arbeitslosengeld u. E-Cards, sowie sie in Krankenstand gehen müssen!

algierfranzösischer Kulturattaché
34
25.8.2011, 11:53
"Burnout":

ICD Z73.0 Somit t Z73 zugeordnet: „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“.
(Wow, wer hat das eigentlich nicht?)
"Burnout" ist eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose und keine Behandlungsdiagnose.

Im Klartext: Ist noch nicht einmal als Krankheit anerkannt, weil niemand genau sagen kann, was das für eine Krankheit sein soll.
Es ist nur eine Symptombeschreibung, denn ausgebrannt kann man aus sehr, sehr vielen Gründen sein, beispielsweise Depression, Streß, organischen Erkrankungen, oder einfach, weil es heiß und schwül ist oder man auf gar nix Lust hat.

Minister der Ökomonie
02
25.8.2011, 16:23

Es fallen ja sehr viele Symptome darunter, die wiederum bei fast allen Patienten gleich oder ähnlich sind. Isofern kann man Burnout schon ziemlich genau definieren. Wer Depressiv ist, muss das auch nicht erst durch seine Vita beweisen. Depressiv kann man auch sein, wenn man Krebs hat, ein Kind bekommen oder auch völlig ohne Grund, deswegen ist es immer noch eine Depression. Dass Burnout sich aus einer Summe von überlastenden Komponenten addiert, ist eh bekannt. Wenn zum 60 Stunden Job als Alleinerzieher, der einen kranken Angehörigen pflegt zusätzlich die Diagnose Krebs kommt, kann das der Anstoß zu Burnout sein. Andere wiederum brennen bereits bei einem 30 Stunden Job aus, weil sie dauernd gegen Depressionen ankämpfen.

Sabine Werner
41
25.8.2011, 15:57

na dann gönne ich ihnen einen burn-out - aber einen der höchsten stufe, wer sowas letztklassiges schreibt hat wohl keinerlei ahnung von psychischen erkrankungen, und welche umstände dazu führen können.

algierfranzösischer Kulturattaché
02
26.8.2011, 07:49
Sie haben es scheinbar nicht verstanden.

Burn-Out ist anerkannt als Symptombeschreibung, aber ob es eine "eigene Krankheit" ist, ist mehr als umstritten. Und zwar, weil die Ursache nicht definiert ist. Ein Beispiel: Wenn Sie müde sind, kann das von Überarbeitung herrühren, vom Nachbarn mit dem lauten Radio, von einem Tumorleiden, einer Infektionskrankheit usw. Diese Faktoren haben aber nicht zwangsläufig etwas miteinader zu tun und wenn, dann eher zufällig.
Fakt: Sie sind müde. Das wird analog bei Burn-Out diagnostiziert. Aber eben nicht der Grund. Und warum? Weil es viele Gründe gibt und oft die Summe dieser Gründe verantwortlich ist.
Bevor Sie jemandem etwas wünschen, wünsche ich Ihnen, daß Sie sinnerfassendes Lesen erlernen.

NickKnarrkarton
01
27.8.2011, 11:26

Was streßbedingtes Burn-Out ist, ist mittlerweile recht klar. Es führt zu einer Nebennierenschwäche - kurz gesagt: Der Körper ist unfähig, jeglichen Streß zu verarbeiten und läuft sprichwörtlich am Zahnfleisch.
Da hilft weder Psychotherapie noch Psychopillen, sondern schlicht und einfach Ruhe. Nur für die hat unsere Gesellschaft kein Verständnis, daher werden alle wieder mit Psychogeschwätz und Chemie scheinfunktionstüchtig therapiert.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.