Demenz

Frau Gartner und ihre vergessene Welt

Reportage | Lukas Kapeller, 29. August 2011, 06:56
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    Frau Gartner blättert in der eigenen Geschichte.

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    Wenn sie etwas nicht mehr weiß, spornt die Tochter sie in strengem Ton zum Nachdenken an.

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    Manche Lücke kann Frau Gartner beim besten Willen nicht mit Erinnerungen füllen.

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    Helga Zach vermittelt ihrer Mutter aber immer noch Erfolgsmomente.

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    Fortgeschrittene Demenz: Die Vergangenheit schwindet.

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    Frau Ströbl ist gutgelaunt: Sie findet das Essen - und vieles andere im Leben - einfach "superb".

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    Geruch der frühen Jahre: Leitende Krankenschwester Zesch vor dem Kräuterbeet.

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    Leben mit Demenz: Für manche seliges Vergessen, für andere Depression und innere Unruhe.

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    Erinnerung an die Bewohnerinnen in Liesing, was sie besonders gut können.

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    Frau Gartner unter Familienfotos: "Das Gute ist, dass sie auch schlimme Sachen vergessen hat."

Eine 92-Jährige kämpft gegen den Gedächtnis-Schwund - Ihre Tochter hilft ihr dabei - Besuch in einer Wiener Demenz-WG

Wien - "Wer ist das auf dem Foto?", fragt die Tochter. - "Das war ein Onkel", antwortet Kristina Gartner, 92. - "Na, was heißt ein Onkel", mahnt die Tochter ein wenig streng, "wie hat der geheißen?" Frau Gartner schüttelt den Kopf, zuckt die Schultern. "Den hab ich weniger gekannt", redet sie sich raus. "Geh, Mama, das war der Pepi-Onkel, von dem habts ihr die Werkstatt geerbt."

In Frau Gartners Zimmer liegt nichts herum. Die Wäsche, der Schmuck, die Foto-Alben sind sorgsam in Kästen verräumt. Ein Bett, ein Tisch, ein Couchsessel mit karierter Decke stehen in ihrem geräumigen Zimmer in der Demenzkranken-Wohngemeinschaft in Wien-Liesing. Helga Zach, 59, besucht sie zweimal die Woche. Nicht zuletzt der Mutter wegen ist die Volksschul-Direktorin vom 2. Bezirk in den 23. gezogen. "Man redet sich ein, dass die Nähe irgendwas bringt", sagt die Tochter.

15 Pflegebedürftige leben hier in ihren Wohnungen mit Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbädern. Die Hochbetagten können hier kochen, waschen, wegräumen und bügeln. Das Modell Demenz-WG, angesiedelt im Wiener Gemeindebau, gibt es seit 2008. Für ein intaktes WG-Leben sorgt ein etwa ebenso großes Team des Frauenordens "Caritas Socialis". Ziel: ein möglichst sinnvoller Alltag für demente Bewohner und das Gefühl, nützlich zu sein. Rund 100.000 Österreicher leiden an einer Demenz-Erkrankung, die meisten davon an Alzheimer. In 40 Jahren wird die Zahl auf 250.000 hochgeschnellt sein. Die Gesellschaft wird älter, die Zahl der Demenzkranken steigt sprunghaft. Die Kosten liegen schon jetzt bei jährlich einer Milliarde Euro.

Fotos erzählen von helleren Tagen

Frau Gartner zog im März ein. Viele Bewohnerinnen glauben jedoch, schon immer hier gewesen zu sein. Frau Gartners Wände hängen voller Fotos, auf denen sie noch kein schlohweißes Haar hatte und, wie die Tochter sagt, ein "Alpha-Tier" war. Viele Fotos zeigen ihren Sohn, den Rennfahrer Josef "Jo" Gartner. Er verunglückte 1986 in Le Mans tödlich. "Das einzig Gute an der Krankheit ist", sagt ihre Tochter, "sie hat auch die schlimmen Sachen vergessen."

Wenn sie Fotos durchsieht, verwechselt Frau Gartner manchmal Kinder mit Enkeln, oder ein Name entfleucht ihr. Doch beim Hochzeitsfoto hellt sich ihr Gesicht auf und sie blickt selig zur Tochter empor. "1943 hab ich geheiratet", sagt sie bestimmt. "Ein gutes Paar war ma, ich und mein Unteroffizier."

Die Tochter wird von Freunden für verrückt erklärt

Nachdem Josef Gartner senior 2003 gestorben war, kurz vor der diamantenen Hochzeit, merkte Frau Zach schnell, wie sich ihre Mutter veränderte. "Die Leute sagten: Was willst denn, die rennt eh wie ein Wiesel." Die Tochter ging trotzdem mit ihr zum Arzt. Diagnose: Alzheimer. "Ewig stand dasselbe schmutzige Reindl aufm Tisch. Eingekauft hat sie immer seltener", erinnert sich Frau Zach. Die damals 25-jährige Enkeltochter erklärt sich bereit, Frau Gartner aufzunehmen: "Die Omi kann doch mit dem Hund spazieren gehen." Aber immer öfter wirkte es, als würde der Hund mit Frau Gartner spazieren gehen statt umgekehrt. Sie wird endgültig pflegebedürftig, und Frau Zach nimmt die Mutter zu sich. Sie sei verrückt, sagten die Freunde. "Ich wollte die Tragweite nicht sehen", meint Helga Zach heute. "Man erwartet trotz allem eine Mutter. Aber wenn es einem selber schlecht geht, kommt kein Mitgefühl. In keiner Form."

Trotzdem hielt Frau Zach durch, ging zur Arbeit und lotste parallel dazu ihre Mutter durchs Leben, pflegte und umsorgte sie. Bis vergangenen Herbst. "Da hab ich gespürt, es geht nicht mehr." Dass die Mutter einen Platz in der Liesinger Demenz-WG, dieser überschaubaren Wohneinheit, bekam, beruhigte ihr Gewissen. Zumindest ein wenig. "Das ist für mich der Unterschied zu den großen Pflegeheimen, wo die Menschen irgendwie verloren sind. Da hat man das Gefühl, es ist wurscht, ob die Menschen aufm Bett, unterm Bett oder neben dem Bett sind."

Demenz-WG: Jeder Winkel eine Gedächtnisstütze

Ihre Mutter steht jetzt draußen auf der Sonnenterrasse. Konzentriert blickt sie durch die goldgerahmte Brille und hilft, die Erdäpfel fürs Mittagessen zu schälen. "Wenn ich in fünf Minuten frag, was sie gemacht hat, weiß sie‘s nimmer", sagt Frau Zach und drückt ihre Zigarette aus. Im Innenhof spendet ein Ahornbaum Schatten. Von drinnen dudelt "Radio Wien" sanften Reggae und Oldies hinaus, und jede Stunde wird es schwüler an diesem Vormittag.

Von der Welt abseits der WG-Mauern und ihrer Hast, vom Ärger der Autofahrer über den Morgenstau, von vollen Terminkalendern, wissen die Bewohnerinnen nichts mehr. Sachte bläst der Wind durch die Hecken des Hofs, drinnen sind die Wände bunt gestrichen. An einer stehen die Namen aller Pflegerinnen geschrieben, mit farbig umrahmten Fotos. Eine Tafel zeigt, was die Bewohnerinnen so tun: Frau F. deckt den Tisch, Frau K. legt die Wäsche zusammen, Frau P. arbeitet gerne im Zimmer (Lesen, Scherenschnitte). Auch die Türen haben verschiedene Farben - jeder Winkel hier ist eine kleine Gedächtnisstütze. Auf der Terrasse lädt ein Kräuterbeet die Bewohnerinnen zum Riechen ein. Wer weiß, vielleicht rufen Thymian und Fenchel ein Kindheitserlebnis wach.

Die eigene Biografie gerät zum Lückentext

Am großen Esstisch im Wohnzimmer hat sich die Gemeinschaft, nur ein Mann darunter, um Leberkäse, Spinat und Frau Gartners sorgsam geschnippelte Erdäpfel versammelt. "Superb schmeckt es", sagt Frau Ströbl immer wieder, "superb!" Die redselige WG-Kollegin erhebt sich wenig später vom Stuhl und führt stolz durch ihr Zimmer, in dem Schwarz-Weiß-Fotos ihr Leben erzählen. "Das wollen wir so. Unsere Zimmer sind wie eine Erinnerungskiste", sagt die leitende Krankenschwester Susanne Zesch. Sie trägt ein leichtes Sommerkleid, keinen weißen Kittel, auch das soll fürs WG-Gefühl helfen.

Auch Frau Gartners Fotos berichten von bewegten Zeiten. Davon, wie die Burgenlandkroatin mit 15 von Oberpullendorf nach Wien zog und gerügt wurde für ihr schlechtes Deutsch. Wie sie ihrem Mann in seiner Autowerkstatt immer geholfen hat. "Sie wollte immer Leute um sich", sagt die Tochter. Ihren Mann hat sie oft gequält mit ihren Ausgehwünschen am Freitagabend, mit ihrem Drang zu feiern und Karten zu spielen.

Immer wieder beginnt Frau Zach einen Satz, blickt ihre Mutter an und hofft, dass sie ihn richtig vollendet. "Als Mädchen bist du nach Wien gegangen ..." - "In eine Gastwirtschaft", ergänzt Frau Gartner. - "Richtig, Mama." Für Frau Zach ist es ein Erfolg, wenn die Mutter verschüttete Erinnerungen wieder hervorkramt. Wenn sie das Datum ihrer Hochzeit weiß. Oder wenn sie eine Pflegerin beim Schnapsen besiegt. "Unglaublich, wie diese Frau noch zählen kann", staunt sie dann über ihre Mutter.

Verloren im Erinnerungschaos

Frau Gartner fühlt sich in der WG wohl, doch nicht alle hier erscheinen immer so sanft und freundlich wie sie. Depression und Aggression sind häufig Begleiter in der Demenz-Wohngemeinschaft. Es komme vor, dass Bewohnerinnen mit ihrem Stock auf jemanden einschlagen oder mit Tellern um sich werfen, erzählen die Pflegerinnen. Oftmals kommen verdrängte Kriegserlebnisse und Familienkrisen wieder hoch. Manche Demenzkranke wandern ruhelos im Kreis, andere verlieren sich in wirren Gefühlen. "Da kommt die Gattin zu Besuch, und ihr dementer Mann sitzt händchenhaltend mit einer anderen Frau da", schildert Krankenschwester Zesch.

Frau Zach will nichts kaschieren in der Beziehung zu ihrer Mutter. Sie gibt zu, dass sie sich über sie ärgerte und sich oft allein mit ihr fühlte. Durch die WG sei das besser geworden. "Früher wollte ich sie nicht mehr sehen, jetzt kann ich mich freuen, wenn ich sie besuche."

Frau Ströbl kommt gerade aus ihrem Zimmer und betritt die Sonnenterrasse. "Superb", sagt Frau Ströbl abermals. Und dann noch einmal: "Superb!" Sie meint diesmal wohl das Wetter. Frau Zach verabschiedet sich. "Irgendwie", vermutet sie, "sind diese Menschen ja überhaupt nicht unglücklich." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 29.8.2011)

Weiterlesen: "Eine Gesellschaft, in der wir unendlich leben"

WISSEN

Die Alzheimer-Krankheit ist für rund 60 Prozent der Demenzen verantwortlich, gefolgt von der vaskulären Demenz (= Durchblutungsstörungen, Schlaganfälle) und der Demenz mit Lewy-Körperchen. Alzheimer-Demenz kann durch Medikamente gebremst, aber nicht geheilt werden und ist tödlich. An einem Alzheimer-Impfstoff wird weltweit geforscht, auch in Wien. Ab dem 65. Geburtstag steigt die Zahl der Demenzkranken drastisch an. Obwohl es jeden treffen kann, reduziert eine gesunde Lebensweise das Risiko: gute Ernährung, Bewegung, geistige Aktivität und ein reges soziales Leben. Acht von zehn Demenzkranken werden in Österreich von Angehörigen betreut.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
system1
00
19.9.2011, 13:31
wo ist der beitrag über die heutige bürgermeister-PK in Wien?

wurde hier nicht (natürlich medial behübscht) eine drastische kürzung der betreuungsplätze inklusive enormen zugangshürden verlautbart? warum? weil wahrscheinlich der weinkeller vom ..... wieder aufgefüllt werden muss. man kann alle meine postings nachlesen auf wessen seite ich bis zum heutigen tage war. das hat sich schlagartig geändert! die sozialistische partei bekommt meine stimme nie wieder! keine chance! eine bodenlose sauerei!

Steph ist dagegen
00
14.9.2011, 11:01

tut mir immer ein bisserl weh über Demenz zu lesen, und trotzdem ist es Teil meiner Aufarbeitung.
Eine solche Krankheit wie Demenz lässt auch die Angehörigen nicht kalt. Schlimm ist es überhaupt, wenn die kranke Person einem nicht mehr erkennt.

Der Artikel ist gut geschrieben. Danke an Herrn Kapeller.

Musezahn
00
Ausland

Neulich war eine reportage wo demenzkranke in chiang mai (thailand) gepflegt wurden.
einerseits sicher nicht leicht ein familienmitglied so weit entfernt zu haben, andererseits gibt es dort echte pflege.
in thailand haben ältere menschen noch einen ganz anderen stellwert in einer gemeinschaft, und auch wenn es ein komplett fremdes umfeld ist, ist es sicher besser als wenn man in einem heim dahin dämmert.

vor allem ist es dort leistbarer als in europa. dort ist es auch nicht kostenlos aber die betreuung ist menschlich.

war beeindruckt von der fürsorge die dort geboten wird und nicht jeder arbeitsschritt verrechnet wird. "vitalkontrolle" und "wegzeit für pflasterwechsel" sind nicht einzeln aufgelistet sondern fast selbstverständlich.

Der sich den Wolf tanzt
00
30.8.2011, 00:48
kann mir vorstellen, dass demenz für die angehörigen die einschneidenderen probleme verursacht

Kondratjew -Zyklus
 
00
29.8.2011, 18:05
Tragisch wird Demenz dann, wenn die Charaktereigenschaften verkommen.

Dann werden schon mal die engsten Zeitgenossen angezeigt, verklagt und bedroht, obwohl Außenstehende nichts vom Verfall bemerken.

die steilste Adhäsionsbahn der Welt
 
00
29.8.2011, 16:42

guter artikel, schlechte fotos.

Leser1010
 
15
29.8.2011, 15:32
Es ist wie es ist, ...

, ... und die "Gesunden" müssen sich damit abfinden und ihren gesellschaftlichen Pflichten dabei nachkommen.
Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und habe sie gegen Ende meiner Schulzeit zu Hause betreut, anschließend meinen Zivildienst auf einer Pflegestation im Altersheim absolviert und bin immer, ob es sich um Nachbarn, Eltern von Freunden oder die eigene Familie handelt, mit Demenz konfrontiert. Man gewöhnt sich daran, nicht erkannt zu werden und solange der Körper noch mitspielt kann man sich und seinen Mitmenschen eine Menge Geld sparen, in dem man sich selber seiner "Alten" annimmt.
Leider ist der Bereich "Pflege" in unserer Gesellschaft ein florierender Wirtschaftszweig und keine soziale Verpflichtung!

Steph ist dagegen
00
14.9.2011, 11:07

finde ich ganz toll, wenn sie das wirklich gemacht haben. Ich aber, wäre nicht in der Lage gewesen meine Großmutter so gut zu pflegen wie sie es schließlich in einem Pflegeheim wurde. Man kann sich daran gewöhnen nicht erkannt zu werden, aber das belastet einen sehr. Mich zumindest. Und ich hätte nicht garantieren können mich so gut um sie zu kümmern wie sie es dann erleben durfte. Ihr ging es im Pflegeheim gut und da wurde sie ärztlich wesentlich besser betreut.

rote Lola2
02
30.8.2011, 07:20

das liest sich so nett. haben`s wirklich schon einmal einen engen angehörigen, sagen wir zum beispiel die eigene mutter betreut? wenn die schwer dement ist, und möglicherweise noch das eine oder andere zipperlein zusätzlich hat, zum beispiel blindheit, dann möchte ich sehen wie lange es dauert bis sie heftig überfordert sind. viel zeit zum posten haben`s dann auch nicht mehr...

Resilienzfaktor
02
29.8.2011, 17:03

Stimmt. Dennoch ist es gut, dass es zunehmend gute Angebote außer Haus gibt, die aber - wie Sie auch sagen - leider wie andere soziale Bereiche genauso ökonomischen Kriterien unterworfen werden. Viele (Alters-)Krankheiten lassen aufgrund mentaler (bei Pflegenden), medizinischer, logistischer Anforderungen keine optimale Betreuung daheim zu und da ist es sehr gut, wenn es solche Einrcihtugnen gibt. Auch ich habe mit meiner Mutter und meiner Schwester im täglichen "Pflegerad" fast 1 Jahr die demenzkranke Oma bis zu ihrem Tod betreut und diese Zeit will ich zwar nicht missen (es war eine echte Möglichkeit, Liebe und Geborgenheit [zurückzu]geben) aber gleichzeitig war diese Aufgabe für uns alle nicht selten schlichtweg der reinste Horror.

F.S.K
122
29.8.2011, 14:09
bei den jungen spart man jeden cent und bei den hoffnungslosen fällen im alter gibt man dann bereitwillig tausende € pro monat her.

dont follow me
01
30.8.2011, 10:52
hartherzig

worte wie verblödung im zusammenhang mit demenz zu lesen (SIEHE POSTER ERLEUCHTETER), oder wie sie jung gegen alt ausspielen, da merkt man erst wie hart es für uns werden wird, wenn wir mal so alt sind. dann gelten wir als "verblödet" und nicht wert, würdevoll behandelt zu werden. ich glaub, sogar paviane gehen sogar besser mit ihren alten um ...

Tethys
00
30.8.2011, 09:03

Also das Geld für Ihre Bildung hätte man besser anlegen können, die paar Tausender wären woanders nutzbringender gewesen.

metacomet
02
29.8.2011, 18:44
ohne die alten, gäbe es auch die jungen nicht...

„Der Wert einer Gesellschaft wird einmal daran gemessen werden, wie sie ihre Alten behandelt hat.“ (Albert Einstein)

F.S.K
00
31.8.2011, 19:29

1. sprücherln können keine argumente ersetzen,
wenn man bei dem spruch "ihre alten" durch "ihre jungen" ersetzt ist das genauso (wenig) überzeugend.
2.
leider sind geld und sonstige ressourcen begrenzt,
sie müssen daher auch dazu sagen wer weniger bekommen soll.

Wolfgang Bieber
12
29.8.2011, 11:12
Vergesst die Alten nicht!

Demenz wird zu einer der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten. Umso wichtiger, dass wir jetzt in den Dialog treten und darüber beraten, was zu tun ist. Ein erster wichtiger Schritt muss sein, die Stigmatisierung des Krankheitsbilds aufzuheben:
http://bit.ly/ljIvAr

der erleuchtete
11
29.8.2011, 10:52
die altersverblödung wird euch alle einmal treffen

(allerdings ist eine steigerung von 100.000 kranken heute auf geschätzte 250.000 in 40(!) jahren kein 'hochschnellen', zum glück)
...
4.800 euro für betreutes wohnen (wo die patienten sich noch teilweise selbst versorgen und überhaupt nur 1 (max. 2) pflegerinnen anwesend sind (unterbezahlte slowakinennen und ungarinnen meist) bedeuten allerdings ein gutes geschäft für die 'caritas socialis' (nicht zu verwechseln mit der 'grossen' caritas:))

Quasis Herr Karl
11
29.8.2011, 13:20
@der verdunkelte

Sie sind es jetzt schon. Mit 16.

dont follow me
00
29.8.2011, 11:53

und manche müssen dazu erst gar nicht alt werden

obibiber
18
29.8.2011, 10:47

wieso werden die leute mit fragen wie: na geh, erinnerst du dich nicht mehr an den peppi-onkel gequält?
seltsame herangehensweise. als meine oma gedächtnisverlust hatte, kam es darauf an, mit ihr liebevoll umzugehen, dann hat sie sich wohl gefühlt. fragen, die die erwartung der fragenden erfüllen soll, damit eine person, wie sie gekannt oder aufgefasst wurde, für jene nicht 'verloren' geht, führen zu stress und unwohlsein, weil oft erwartungshaltung, die nicht erfüllt werden kann. die enttäuschung liegt dann bei den nicht-erkannten.
freilich ist es schockierend, wenn eine person nicht mehr erkannt wird, das ist aber das problem der nicht-erkannten person und nicht jenes von demenz-kranken.

unbroken
00
29.8.2011, 19:41

vollkommen richtig! wenns dich interessiert, lies mal "validation nach naomi feil"...es sollte viel mehr aufklärung über dir krankheit demenz (und ihre vielen formen!) und den umgang mit betroffenen personen geben!...die medien könnten hier einen großen beitrag leisten

Resilienzfaktor
03
29.8.2011, 17:13
100% Zustimmung, genauso haben wir es auch wahrgenommen.

Meine Oma war eine offene, warmherzige Frau, die plötzlich mit Anfang 60 binnen 3-4 Jahren geistig völlig verloren war. Diesen rapiden Verfall mitanzuschauen war schrecklich. Aber wie Sie sagen: Es geht um die kranke Person,die eigenen Befindlichkeiten müssen da in den Hintergrund treten. Trotzdem bin ich unendlich dankbar, dass sie offenbar unsere Bemühung und Zuwendung gespürt hat. Sie war so lieb wie früher, nur mein Opa (ein blöder Despot) kriegte dann sein Fett ab (anders als früher, wo sie sich untergeordnet hat). Wir haben versucht, alles mit Humor zu nehmen (vom Einnässen bis zum Kinderliedersingen) und sie hat ganz einfach mitgelacht. Andere haben das Glück nicht, die bemühen sich und dringen durch die Krankheit nicht mehr durch :(

obibiber
00
31.8.2011, 09:15

ja, das klingt nach einem netten umgang.
im grunde liegt da eine falsche vorstellung von zwischenmenschlichkeit unten drunter, wenn mit menschen nur dann umgegangen werden kann, wenn gemeinsame bekannte, eine gemeinsame geschichte konstruiert wird, das erzeugen einer vermeintlich sicheren verbindung. in seiner überzeichnung bedeutet dies, dass leute weit weniger gut mit leuten umgehen können, die sie nicht kennen oder zu kennen meinen. die angst vorm unbekannten, angst vorm nicht-erkannt-sein, etc. ansatzweise ist es absurd, davon auszugehen, nur dann mit jemandem umgehen zu können, wenn ein kennen vorhanden ist, anstatt mit der unsicherheit des nicht-kennens umgehen zu lernen. das ist so absurd, wie im ägypten-urlaub schnitzel zu futtern.

baroli
03
29.8.2011, 11:33

Und nicht zu vergessen, Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil.

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