Simulation zeigte, dass die Bildung von Aerosolen anders passiert als bisher gedacht
London/Wien - Winzige Partikel in der Atmosphäre, sogenannte Aerosole, wirken kühlend auf das Klima: Zum einen reflektieren sie das Sonnenlicht, zum anderen sorgen sie auch dafür, dass sich Wolkentröpfchen und in der Folge Wolken bilden können. Unklar war bislang allerdings, wie sich solche Aerosole neu bilden.
Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Unis Innsbruck und Wien hat nun diesen für das Klima so wichtigen Prozess, die sogenannte Nukleation, im Detail untersucht. Die Forscher ließen dazu in einem 26 Kubikmeter großen Edelstahltank am CERN bei Genf Aerosolpartikel und Wolken unter genau kontrollierbaren Bedingungen wie Temperatur, relative Feuchte, Ionisierung und die Konzentrationen der Spurengase entstehen.
Wie die Forscher dabei herausfanden, reichen die in der Atmosphäre gemessenen Konzentrationen von Wasser, Schwefelsäure und Ammoniak nicht aus, um die in der Natur beobachteten Effekte zu erklären. Es muss also weitere chemische Verbindungen in der Atmosphäre geben, welche die Aerosolbildung befördern. Als mögliche neue Kandidaten kommen dafür sogenannte Amine infrage, organische Spurenstoffe.
Außerdem berichten die Forscher im Fachblatt "Nature", dass die von der kosmischen Strahlung verursachte Ionisation die Nukleation bis zum Zehnfachen verstärkt. Ausgeprägt ist dieser Effekt bei kalten Temperaturen der mittleren und oberen Troposphäre, wo allein aus Schwefelsäure- und Wasserdampf neue Teilchen entstehen können. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 25. 8. 2011)